Mit dem WDR per Rad auf den Spuren der heimischen Industrie

Von Ingrid Dingerdissen

Zum achten Mal radelten 20 Zuschauer der WDR-Lokalzeit durch Ostwestfalen-Lippe, in diesem Jahr mit dem Ziel die Wirtschaft zu erkunden. Nicht die Gast-Wirtschaft sondern die Industrie. Das im Vorfeld als trocken betrachtete Thema wurde vom Wetter weit übertroffen. Die Woche vom 20. bis 25. Juni war heiß und kein Tropfen Regen brachte uns Abkühlung.

Die Vorbereitung

Bei der Planung machte uns das Thema "Industrie" etwas Sorgen, hieß es doch für uns ADFCler, Günter Brinkmann vom ADFC Lippe und Heinz-Gustav Dingerdissen und mich vom ADFC Bielefeld, bei der Ausarbeitung der Route, besonders schöne Strecken zu finden, denn Industriegebiete, in denen die Firmen in der Regel ihren Standort haben, sind fahrradtechnisch meistens sehr schlecht gelegen. Es ist uns aber schließlich gelungen, die Gruppe auf vorwiegend verkehrsarmen Straßen und bisher nicht bekannten Schleichwegen zu den Firmen zu führen und dort pünktlich anzukommen.

Das Thema

Die Firmen boten neben einer Betriebsbesichtigung auch ein "Aktiv-Programm". So wurden bei Nobilia Küchenschränke zusammengebaut, bei Wellteam gab es einen Wettbewerb im Kartons-Stapeln, in der Firma Jowat (Klebstoffe) wurden Strohhalme an Getränkepackungen geklebt, bei FSB (Beschläge) eine Türklinke gegossen und bei Benteler durften sich die Radler im Schweißen versuchen. Zum Abschluss wurde im Kiebitzhof noch Knäckebrot gebacken und Gemüse geerntet.

Die Tagesetappen waren in diesem Jahr durchaus anspruchsvoll. 60 bis 70 Kilometer klingen zwar nicht so viel, aber mit Fernsehbegleitung schafft die Gruppe gerade mal 10 Kilometer pro Stunde. Dazu kommen noch zwei Stunden für die Aktion bei der jeweiligen Firma und schon sind wir acht bis neun Stunden unterwegs. Da blieb nachmittags nur wenig Zeit für eine kleine Kaffeepause. Aufgrund der Hitze wurde dabei fast weniger Kaffee als Mineralwasser getrunken.

Pausen und Relaxen

Für die Kaffeepausen hatten wir ein paar schöne Lokale ausgesucht. Schließlich waren diese Aufenthalte die einzigen wirklichen Erholungspausen am Tag. So kehrten wir in der Linde in Isselhorst, in den Tichlerstoben im Ziegeleimuseum Lage, im Wirtshaus am Brunnen in Marienmünster-Vörden, im Bauernhofcafé Kapellenhof in Borchen-Etteln ein. Überall wurden wir ausgezeichnet bewirtet und fühlten uns herzlich willkommen.

Auch in den Übernachtungsquartieren wurden wir überwiegend freundlich und kompetent bewirtet. Besonders gut gefiel es allen im Elisabeth-Hotel in Detmold. Hier arbeiten Mitarbeiter, die behindert sind, die aber trotzdem einen ausgezeichneten Service bieten und eine besonders freundliche Atmosphäre schaffen. Für viel Gesprächsstoff sorgte auch das Heu-Hotel. Viel geschlafen hat hier wohl niemand. Bei nur zwei Duschen für mehr als 20 Leute war es ratsam, antizyklisch zu duschen, das hieß dann durchaus auch um 1.00 Uhr nachts. Eine Alternative zum Heu war das Matratzenlager. Was letztendlich besser war, blieb fraglich.

Die Strecke

Die Strecke war in diesem Jahr ein Rundkurs und verlief von Gütersloh über Bielefeld, Herford, Lage, Detmold, Marienmünster-Vörden, Wehrden, Brakel, Scherfede, Borchen-Etteln, Paderborn, Delbrück, zurück nach Gütersloh. Auch wir vom ADFC stellen bei diesen Touren immer wieder fest, wie schön und abwechslungsreich die Landschaft bei uns in Ostwestfalen-Lippe ist. Von der flachen Gütersloher Parklandschaft über den Teuto durch die grünen Teile der Großstadt Bielefeld fanden wir uns bisher unbekannte Wege nach Herford. Von dort ging es entlang der Werre bis Bad Salzuflen und dann durch das zuerst leicht hügelige Lipperland bis Detmold immer mit Blick auf den Hermann. Vorbei am romantischen Norderteich und entlang der Emmer erreichten wir das Corveyer Land. Die lange Abfahrt von Marienmünster-Vörden bis Höxter begeistert immer wieder jeden. Weiter radelten wir entlang der Weser bis Wehrden, dann durchs wunderschöne Nethetal bis Brakel und quer über die Hügel nach Scherfede. Von dort aus noch einmal über einen heftigen Berg ins liebliche Altenautal und bis Paderborn. Nun waren wir im flachen Paderborner Land. Dem Boker Kanal folgend fuhren wir, eine dichte Staubwolke hinter uns lassend, bis Delbrück. Am letzten Tag ging es gemütlich der Landesgartenschau-Route folgend bis Rheda-Wiedenbrück und wieder zurück nach Gütersloh. Goldgelbe Kornfelder, schöne schattige Wälder, Kühe und Pferde auf grünen Wiesen säumten unseren Weg. Um das alles noch einmal ohne Fernsehstress genießen zu können, sind Heinz-Gustav und ich im Herbst noch einmal auf der Route unterwegs gewesen, bei meist schönem, aber nicht ganz so heißem Wetter.

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