Bericht über eine Fahrradwanderung

Von einem  langjährigen ADFC-Mitglied

So, nun waren wir nach 13 Tagen täglichen Fahrens in Grainau unter der Zugspitze in unserem "Häuschen" angelangt, das die Urgroßeltern unserer beiden Jüngsten 1934 hier auf einer Endmoräne des früheren Höllentalferners hatten bauen lassen. Wir, das waren die Enkel, die Eltern und die Großeltern. Wir waren alle etwas traurig darüber, dass die Reise nun zu Ende war. Lagen doch fast zwei herrliche Wochen hinter uns, in denen wir durch halb Deutschland von Norden nach Süden unterwegs waren.

Viele Menschen radeln - wie die Bayern sagen - heutzutage so durch ihre nähere oder weitere Heimat. Dritte mögen in der weiten Spanne der Geburtsjahrgänge - 1993, 1991, 1961, 1960, 1923, 1921 - der Teilnehmer an unserer Fahrt eine Besonderheit sehen, die diesen Bericht rechtfertigt und den ich ausdrücklich als einen Dank an die Eheleute Dingerdissen vom ADFC sehen möchte.

Anlass war ein Geburtstagswunsch. Grund war der Wunsch, noch einmal wie zuletzt vor 68 Jahren auf eine längere Radtour zu gehen. Das Ziel, Grainau, lag nahe. Manchmal staunten wir selbst über unseren Mut. Wir kannten die Probleme. Nicht das Treten, das Sitzen und Stützen konnten problematisch werden. Bis zum geplanten Start lagaber noch ein gutes halbes Jahr vor uns. Also ....

Es blieb nicht aus, dass wir über unser Vorhaben mit Bekannten sprachen - wohl auch mit dem unbewussten Hintergrund, uns so auch festzulegen - und nur auf mitleidigen Unglauben stießen.

Dann wurde es aber doch langsam ernst. Die Ausrüstung musste vervollständigt werden, vor allem Regenkleidung, in unserer Gegend normalerweise lebensnotwendig, Helme, Schwitzhemdchen, Packtaschen und so weiter und so weiter. Für die zweitälteste Teilnehmerin gab es noch eine Sondererleichterung in Form einer 17-Gang-Nabe. Die Nutzerin war während der ganzen Fahrt hellauf begeistert. Dann wurde es ganz ernst. Die Strecke musste geplant werden. Endlich wollte ich einen reellen Gegenwert für viele, viele Jahresbeiträge an den ADFC haben.

An Dingerdissens führte nun kein Weg mehr vorbei. Unsere Vorstellung von der direkten Südrichtung, also ins Sauerland zu fahren, löste Mitleidsreaktionen bei zunächst überhaupt skeptischer Grundhaltung aus. Ein Dritter im Lokal riet, von hier an den Rhein zu fahren und diesem dann möglichst weit und schließlich anderen Flusstälern zu folgen und so stärkere Steigungen zu vermeiden. Doch die Vorstellung, ständig neben der "Rheinautobahn" fahren zu müssen, ließ mich innerlich frieren. Die erlösende Idee kam von "ihm", Herrn Dingerdissen: Nicht nach Westen, nach Osten an die Weser und dann nur noch runter in den Süden. Die Strecke wurde anhand von Karten und weitgehender Streckenkenntnis genau festgelegt.

Was jetzt noch folgte, war fast nicht mehr so wichtig. Wir brauchten uns nur noch auf's Rad zu setzen und loszufahren. Nur war die Mannschaft noch nicht vollständig, von der zwei Drittel aus der Schweiz kamen. Zunächst trafen bei uns zu Hause fünf große Kartons ein, in denen die Räder und ein Kinderanhänger für den Transport von "Luxusgütern" enthalten waren. Einige Tage später reisten die dazugehörigen Fahrer an, müde von nächtlicher Bahnfahrt. Jetzt galt es nur noch, ein Missverständnis über den Starttermin zu beseitigen, dann ging es am nächsten Morgen los.

Schriftstellerisch nicht sonderlich begabt, erspare ich mir den Versuch, eine detaillierte Reisebeschreibung zu geben. Es war einfach nur schön. Bis auf einen dicken Guss am ersten Tag kurz vor Höxter und einen Wolkenbruch kurz vor Reinhardshagen an der Weser hatten wir nur Sonne, duftende Heu- und Kornfelder. Wir fuhren durch herrliche Flusstäler, durch Aulandschaften, an Weser, Fulda, Sinn, Main, Tauber und Wörnitz entlang, querten die Donau, kamen an den Lech und schließlich an Ammer, Amper und Loisach. Jede Gelegenheit nutzten wir, um zu schwimmen in Flüssen oder Baggerseen. Wir erlebten Orte, die wir sonst mit dem Auto angefahren waren, aus völlig anderer Sicht. Jeden Abend kam die prickelnde Frage nach der Nachtunterkunft. Würden wir Zimmer bekommen? Wie würden sie sein? Würde das Bier nach der Hitze des Tages gut schmecken? Ein bisschen "Kultur" konnten wir auch noch mitnehmen. Einige "Malheurchen" blieben natürlich nicht aus, waren am nächsten Morgen dann aber schon wieder vergessen. Zum Schluss waren wir dann sehr dankbar und, wie gesagt, etwas traurig weil es zu Ende war.

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