Mehr Licht für Bielefeld

Von Thorsten Böhm

Die Radnachrichten 3/2003 liegen vor uns und das heißt, dass es schon wieder herbstet. Zeit, mal einen Blick aufs Rad zu werfen, um es tauglich für die dunklere und nassere Jahreszeit zu machen. Unweigerlich rückt da auch das Thema Licht ins Blickfeld. Immer wieder huschen Radfahrer ungesehen durch Dämmerung und Dunkelheit, gefährden dabei sich selbst und auch andere. Gründe für fehlendes Licht am Rad gibt es viele: „Ist schon wieder kaputt“, „Das tritt sich so schwer“, „Bei Regen funktioniert es sowieso nicht“, „Ich seh auch so genug“, „Ich fahr nicht im Dunkeln“ oder „Mein Rad hat gar kein Licht“.

Das alles muss nicht so sein. Dynamos, die leicht laufen und nicht durchrutschen, Leuchten ohne durchbrennende Glühlampen und Licht, das im Stand weiterleuchtet, gibt es tatsächlich.

Licht aus der Dose – der Nabendynamo

Hier geht es zu wie im richtigen Leben: Der Strom kommt aus der Dose. Kein Durchrutschen am Reifen, kein Fummelei beim Ein- und Ausschalten, keine von Straßenschmutz und Bremsgummiabrieb verschmutzten Hände und Ärmel. Licht an – Licht aus: Endlich auch beim Rad per Schalter und ohne Absteigen. Haben Sie schon mal Autofahrer gesehen, die zum Betätigen der Beleuchtung aussteigen und am Reifen herumwerkeln mussten?

Links: Licht aus der Dose - der Nabendynamo SON; rechts: Halbe Dose, aber volle Alltagstauglichkeit - der Nabendynamo Shimano Inter L. Fotos (2): Thorsten Böhm 

 

Nie mehr jaulend durch die Nacht

Der hohe Wirkungsgrad, mit dem getriebelose Nabendynamos im Labor glänzen, macht sich auch in der Praxis angenehm bemerkbar. Auf ein potenziell verschleißanfälliges Getriebe haben die Konstrukteure verzichtet. Die daraus resultierende völlige Abwesenheit von Betriebsgeräuschen ist bestechend.

Auch ist der Unterschied zwischen dem Fahren mit und dem ohne Licht in den Beinen kaum spürbar. Der je nach Modell geringe bis sehr geringe elektromagnetische Widerstand beim Fahren ohne Licht dürfte in der Praxis kaum jemandem auffallen. Und das Wichtigste: Es tritt sich auch mit Licht nicht mehr schwer!

Illumination auf Knopfdruck

Der kleine Schalter am Scheinwerfer oder am Lenker gestattet es, das Licht auch während der Fahrt bequem ein- und auszuschalten. Der Lichtkegel eines guten Halogen-Scheinwerfers erlaubt das Erkennen von Hindernissen auf der Fahrbahn, intensiv rotes Diodenrücklicht ist auch bei diesigem Wetter aus großer Entfernung gut zu erkennen und macht Schluss mit durchgebrannten Rücklichtbirnchen oder solchen mit oxidierten Kontakten.

Das Standlicht vorn und hinten ohne Batterien und Akkus sorgt für Erleuchtung beim Ampelstopp und überspielt den flackernden Lichtstrom, den die Getriebelosigkeit des Dynamos bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten bewirkt.

Die Verkabelung beider Beleuchtungskörper wird rost- und rüttelresistent mit zweiadrigen Kabeln und Flachsteckern bewerkstelligt. Die seit der späten Eisenzeit übliche und anfällige elektrische Verbindung durch Rahmen, Schutzbleche und Gepäckträger sollte damit der Vergangenheit angehören. Nicht alles war früher besser.

Scheinwerfer: Weißer Reflektor und Standlicht inklusive; Rücklicht mit Standlicht: Stoßgeschützt am Gepäckträger. Fotos (2): Thorsten Böhm

 

Thema Batterieleuchten

Viele Radler sehen Batterieleuchten als Lösung der Probleme mit bisherigen dynamobetriebenen Lichtanlagen an.

Blinkende Batterieleuchten sind allerdings als Fahrradbeleuchtung nicht zugelassen. Es ist aber nichts dagegen einzuwenden, wenn sie als zusätzlicher Hingucker an Rucksack oder Jacke befestigt werden.

Zugelassene (nicht blinkende) Batterieleuchten sind alleinige Beleuchtung nur an Rennrädern bis zu 11 kg Gewicht erlaubt. Im praktischen Gebrauch hat sich folgendes heraus gestellt:

  • Die Leuchtdauer eines Halogen-Scheinwerfers beträgt mit einem Satz Batterien regelmäßig weniger als zwei Stunden. Wenn es kalt wird, was in der bevorstehenden Jahreszeit nicht auszuschließen ist, sinkt die Leistungsbreitschaft der Batterien zusätzlich. Akkus sind zwar kälteresistenter, verhelfen der Leuchte aber auch nicht zu längerer Leuchtdauer. Zudem wird unter Alltagsbedingungen die theoretische Lebensdauer der Akkus bei weitem nicht erreicht.
  • Zugelassene LED-Scheinwerfer halten mit einem Satz Batterien ihre volle Lichtleistung etwa 20 Stunden lang. Akkus sind aber wegen schädlicher Tiefentladung nicht für den Betrieb in diesen Scheinwerfern geeignet (Anm. d. Autors: Dies gilt in Folge technischen Fortschritts nicht mehr). So ist neben den hohen Anschaffungskosten eines solchen Scheinwerfers auch der laufende Betrieb vergleichsweise teuer.
  • Batteriebetriebene LED-Rücklichter kommen mit weniger Batterien aus als Scheinwerfer und haben wegen geringeren Stromverbrauchs auch eine deutlich längere Leuchtdauer. Ist es ein zugelassenes nicht blinkendes Rücklicht, darf es auch fest am Rad montiert werden.

Fazit: Batteriebetriebene Leuchten geben wegen ihrer begrenzten Leuchtzeiten eine trügerische Sicherheit. Als Scheinwerfer sind sie überdies weder unter ökonomischen noch unter ökologischen Gesichtspunkten sinnhaftig. Gegen ein zusätzliches LED-Rücklicht ist nichts einzuwenden. Es kann für Sicherheit sorgen, wenn das etatmäßige Rücklicht beim Radfahren mit voluminösen Gepäcktaschen oder einem Anhänger ganz oder teilweise verdeckt wird. Verfügt der Anhänger nicht über einen eigenen Dynamo, sollte er mit mindestens einem LED-Rücklicht ausgestattet werden.

Rücklicht am Anhänger

Eine neue Lösung für ein Rücklicht am Anhänger hat die Firma Busch & Müller vorgestellt. Die „Trailermatic“ ist ein Bauteil mit einer elektronisch geregelten Weiche, die in den dynamogespeisten Stromkreis des Fahrrades eingesetzt wird. Wird ein Anhänger angekuppelt, kann man per Stecker das Anhänger-Rücklicht an diesen Stromkreis anschließen. Das Rücklicht des Fahrrades ist dann aber außer Betrieb. Praktische Erfahrungen haben wir noch nicht machen können.

 

Vorher ... nachher.  Fotos (2): Claudia Matz

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