Gedreht und gefedert

Von Thorsten Böhm

Alle Jahre wieder ist es soweit, dass sich Menschen an den ADFC wenden, um Hilfe beim Vertrieb vermeintlich neuartiger Fahrradkomponenten zu erhalten. Und immer wieder gehört eine gefederte Sattelstütze dazu, deren Besonderheit darin besteht, dass sie ein seitliches Verdrehen des Sattels erlaubt.

Tatsächlich aber bewirkt die Drehbarkeit des Sattels eine verminderte Seitenführung durch die Oberschenkel und also ein instabiles Sitzen insbesondere bei Kurvenfahrten, beim Betätigen einer Rücktrittbremse und beim Umschauen (z .B. bei einem Fahrspurwechsel). Damit verringert sich auch die Verkehrssicherheit des Rades.

Es ist daher wichtig, dass der Sattel sich gerade nicht seitlich dreht. Um dies zu erreichen, ist einiger Aufwand bei Konstruktion und Herstellung nötig.

Manche Hersteller wollen sich offenbar nicht dieser Mühe unterziehen, sorgen absichtlich für ein großes seitliches Spiel in der Teleskopführung der Federung und versuchen, gegenüber unwissenden Käufern gerade das in eine Tugend umzumünzen.

Gleichzeitige Hinweise auf die rückenschonenden Eigenschaften ihres Produktes sind nicht hilfreich, da sie nicht erklären, warum neben der stoßabsorbierenden Wirkung der eigentlichen Federmechanik (wie bei jeder guten Feder-Sattelstütze) hier auch die Drehbarkeit des Sattels vorteilhaft sein soll. Das gelegentlich hinzugefügte Logo einer Materialprüfungsanstalt ist irreführend, da diese sich allenfalls mit der mechanischen Stabilität eines Prüflings, nicht jedoch mit der Sinnhaftigkeit seiner Konstruktion befasst.

Warnung vor grobem Unfug

Ich möchte unserer Leserschaft an dieser Stelle dringend vom Kauf solcher und ähnlich obskurer Fahrradtechnik, insbesondere aus zweifelhaften Vertriebsquellen abraten.

© 2020 ADFC Stadtverband Bielefeld e. V.