Bäumchen-wechsel-dich im Schilderwald

Von Dirk Warscheit

Vom Umgang mit ständig wechselnden Beschilderungen für (nicht) benutzungspflichtige Radwege.

Dem engagierten Radfreund (und erst Recht nicht unseren mittlerweile über 700 Bielefelder Mitgliedern) wird nicht entgangen sein, dass es mittlerweile eine Vielzahl von neuen Beschilderungen auf diversen Radverkehrsanlagen gibt. Teilweise (z.B. Brockhagener Straße) existierten innerhalb von drei Jahren drei verschiedene rechtlich unterschiedliche Varianten.

Hintergrund der Umschilderung ist in der Regel die seit 1. Oktober 1998 verbindliche gesetzliche Vorgabe, dass Wege nur dann für Radfahrer als benutzungspflichtig ausgewiesen werden dürfen, wenn sie bestimmte Mindestkriterien (Breite, Oberflächenbeschaffenheit, Sicherheit) erfüllen.

Zu unterscheiden sind (für Radfahrer) folgende Schildergruppen: benutzungspflichtige Radwege und nicht benutzungspflichtige (Rad-) Wege. Benutzungspflichtige Radwege sind diejenigen, die mit den Zeichen „Radweg“, „gemeinsamer Rad-/Gehweg“ und „getrennter Rad-/Gehweg“ beschildert sind (runde Schilder mit weißem Piktogramm auf blauem Hintergrund). Auf gemeinsamen Rad-/ Gehwegen ist dabei eine besondere Rücksichtnahme gegenüber Fußgängern gefordert. Außerdem die Schutzstreifen (durch Piktogramm und gestrichelte Linie abgeteilte ca. 1 m breite Streifen rechts der Fahrbahn). Sie gelten als Teil der Fahrbahn. Aufgrund des Rechtsfahrgebotes sind sie ebenfalls benutzungspflichtig.

Zu den nicht benutzungspflichtigen (Rad-)Wegen zählen alle Wege, die nicht mit den unter „benutzungspflichtige Radwege“ genannten Schildern versehen sind, aber irgendwie auf eine Nutzungsmöglichkeit durch Fahrräder hinweisen:

 

  • Fußweg – Radfahrer frei

Dieser Fußweg darf beradelt werden, aber nur mit Schrittgeschwindigkeit (= 3 bis 7 km/h). Es ist (insbesondere aufgrund der oft unzulänglichen Oberfläche) hier aber auch gestattet, auf der Fahrbahn zu fahren. 

 

  • Busspur – Radfahrer frei

Diese Spur darf beradelt werden, es gilt jedoch auch hier das Rechtsfahrgebot, um Bussen soweit wie möglich ein Überholen zu gestatten. Es ist (z. B. wegen langsam fahrender Busse) hier aber auch gestattet, auf der Fahrbahn zu fahren. 

 

  • „Sonstige“ (Rad-)Wege

Diese sind teilweise mit diversen Piktogrammen (die manchmal den offiziellen Verkehrszeichen sehr ähneln) gekennzeichnet, teilweise farbig (meist rot) gepflastert oder lassen durch ihre sonstige bauliche Anlage (weil sie z.B. zwischen Fahrbahn und Gehweg liegen) erkennen, dass sie für Radfahrer bestimmt sind.

Bekanntestes Beispiel dürfte die Heeper Straße („sonstiger“ nicht benutzungspflichtiger Radweg auf dem Hochbord) sein. Sie genügen jedoch aufgrund ihrer Beschaffenheit (Breite, Oberflächenzustand, Sicherheit insbesondere an Einmündungen) nicht den gesetzlichen Anforderungen und müssen daher nicht zwingend benutzt werden. Sie dürfen allerdings ebenfalls weder von Kfz zugeparkt noch von Fußgängern versperrt werden. Ob man/ frau solche Wege im Einzelfall benutzt oder lieber auf der Straße fährt, bleibt jedem/jeder selbst überlassen. Es hat jedoch leider den Anschein, dass die wenigsten Kfz-Lenker wissen, dass diese Wege nicht benutzungspflichtig sind.

Darüber hinaus gibt es die folgenden weiteren speziellen Radverkehrsanlagen. 

 

  • Einfahrt verboten/Einbahnstraße – Radfahrer frei

Die so gekennzeichneten (Einbahn-) Straßen (und nur die!) dürfen von Radfahrern auch in Gegenrichtung befahren werden. 

 

  • Fahrradstraße (ggf. mit dem Zusatz "Kfz frei")

Hier dürfen Radler sogar nebeneinander fahren. Alle anderen Verkehrsteilnehmer – sofern sie zugelassen sind – haben sich dem Radverkehr unterzuordnen/anzupassen und dürfen deshalb dort nicht schneller als Radfahrer fahren (weshalb in der Regel auch kein Grund zum Überholen besteht).

 

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