Was ist wirklich gefährlich, wer trägt die Schuld?

Verkehrsunfälle mit Radfahrerbeteiligung:
Eine Betrachtung der Unfalltypen, der Unfallursachen und der Verursacher

Von Thorsten Böhm

Es geistern viele Gerüchte umher: Darüber, weshalb Radfahrer verunglücken und wer dafür verantwortlich ist, wird oftmals nur nach Gefühl diskutiert und berichtet. Der ADFC Bielefeld wollte es genauer wissen und hat deshalb die polizeilich erfassten Daten der Fahrradunfälle ausgewertet, die sich in den Jahren 2002 bis 2006 in Bielefeld ereignet haben. Denn nur, wer die Ursachen der Unfälle kennt, kann auch gezielt etwas gegen diese unternehmen: Dies betrifft diejenigen, die sich beruflich mit der Unfallvermeidung befassen ebenso wie die Verkehrsteilnehmer selbst.

Hier stellen wir nun die Auswertungen über Ursachen, Verursacher und Tageszeiten der Unfälle vor. Es zeigen sich klare Ergebnisse, die bei vielen für Überraschung sorgen könnten,  besonders im Hinblick auf die wesentlichen Unfallursachen und die Unfallverursacher. 

Die Zahlen der Jahre 2007 und 2008 sind dem ADFC noch nicht zur Verfügung gestellt worden, doch deuten Aussagen der Polizei darauf hin, dass sich an den bisherigen Verhältnissen nichts wesentliches geändert hat.

Die Ursachen der Fahrrad-Unfälle

 

Fahrrad-Unfälle 2002 bis 2006, dargestellt nach Ursachengruppen.
Im Uhrzeigersinn, beginnend bei "12 Uhr":
Abbiegen im weiteren Sinne (34%) und Vorfahrtsverstöße (25%)
sind die beiden weitaus häufigsten Ursachen für Unfälle mit Radfahrerbeteiligung.
Diese Darstellung sagt noch nichts darüber,
ob der Radfahrer oder sein Unfallgegner diese Unfallursache verschuldet hat.

Datenquelle: Polizei Bielefeld, Auswertung und Grafik: ADFC Bielefeld e.V./Christof Hanke


Im Einzelnen: Die Unfall-Ursachengruppen lt. Polizei
und die jeweilige Zahl der Fälle (absolut und anteilig):

Abbiegen im weiteren Sinne: 712, entsprechend 34,25 %
Vorfahrt: 513, entsprechend 24,68 %
Verkehrstüchtigkeit: 145, entsprechend   6,97 %
Straßenbenutzung: 124, entsprechend   5,96 %
Geschwindigkeit:  96, entsprechend   4,62 %
Ruhender Verkehr:  53, entsprechend   2,55 %
Technische Mängel:  47, entsprechend   2,26 %
Überholen:  46, entsprechend   2,21 %
Fußgänger missachtet:  33, entsprechend   1,59 %
Abstand:  19, entsprechend   0,91 %
Vorbeifahren:    8, entsprechend   0,38 %
Nebeneinander fahren:    6, entsprechend   0,29 %
Ladung:    2, entsprechend   0,09 %
Sonstiges: 275, entsprechend  13,23%
Gesamte Anzahl: 2079, entsprechend 100 %

Zwei Unfallursachen treten besonders zutage und übertreffen mit zusammen rund 60 % alle anderen bei weitem an Bedeutung:

  • Autofahrer kollidieren beim Abbiegen mit Radfahrern, weil sie diese aus verschiedenen Gründen übersehen: Der "tote Winkel", der fehlende "Schulterblick", Unaufmerksamkeit oder ungünstige Radverkehrsführung in Einmündungen und auf Kreuzungen können dies begünstigen.
  • Die Missachtung der Vorfahrtsregeln ist die zweite wesentliche Unfallursache.

Nicht bestätigen lässt sich die verbreitete Einschätzung, Radfahrer würden in engen Passagen durch überholende Autos quasi von hinten angefahren.


Die Verursacher von Fahrrad-Unfällen

Fahrradunfälle 2002 bis 2006, dargestellt nach Verursachergruppen.
Diese Darstellung zeigt, zu welchen Anteilen die Radfahrer (grüne Balken) und ihre Unfallgegner (rote Balken) die Unfälle mit Radfahrer-Beteiligung verursacht haben. Der Anteil der Radfahrer liegt über alle Jahre gesehen ohne große  Änderungen bei etwa 35 %.
Datenquelle: Polizei Bielefeld, Auswertung und Grafik: ADFC Bielefeld e.V./Christof Hanke


Die Tageszeit, zu der  Fahrrad-Unfälle sich ereignen

Fahrradunfälle 2002 bis 2006, dargestellt nach Tageszeit des Unfalls.
Große Überraschungen fördert diese Auswertung nicht zutage. Festzuhalten ist, dass sich während der dunklen Tageszeiten vergleichsweise wenige Unfälle ereignen. Die meisten Unfälle ereignen sich tagsüber, ausgeprägte Spitzen sind in den Berufspendlerzeiten zu bemerken.
Datenquelle: Polizei Bielefeld, Auswertung und Grafik: ADFC Bielefeld e.V./Christof Hanke


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