Nicht die Interessenvertretung der Rüpel!

Von Claudia Matz und Thorsten Böhm

Üblicherweise reagiert der ADFC Bielefeld nicht auf Zeitungsleserbriefe, in denen über Rad fahrende Menschen hergezogen wird.  Manchmal aber ist es anders.

Ein Leser der "Neuen Westfälischen" kritisiert in seinem Leserbrief (Ausgabe vom 16./17.8.2008) das Fehlverhalten von Radfahrern und kommt zu dem Schluss, der ADFC solle sich auf Radwegen rechtskonform verhalten, anstatt straßenbauliche Missstände oder Unzulänglichkeiten zu beklagen. Zudem äußere der ADFC sich nicht zu Verkehrsvergehen durch Radfahrer und solle - wenn schon Polizei und Ordnungsamt deren Fehlverhalten nicht ahndeten - hier positiv einwirken und nicht ausschließlich Mängel im Radverkehrsnetz kritisieren. Diese Ausführungen des NW-Lesers erwecken einen Eindruck, der jeder Grundlage entbehrt.

Der ADFC Bielefeld hat mit einem Leserbrief an die "Neue Westfälische" reagiert und dabei folgendes betont:

  • Der ADFC ist nicht die Interessenvertretung der Rüpel und Rücksichtslosen.
  • Der ADFC wirbt in seinen Medien und auf seinen Veranstaltungen für mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr und informiert auch über fahrradspezifische Verkehrsregeln.
  • Der ADFC ist keine "Radfahrerpolizei". Auf dem Gebiet der Verkehrssicherheitsarbeit kooperiert er allerdings mit der Polizei sowie anderen öffentlich-rechtlichen und gemeinnützigen Institutionen.
  • Radfahren entlastet unsere Straßen und hilft bei der Vermeidung von Lärm und Abgasen. Es ist ein Beitrag zur Bekämpfung von Krankheiten, die durch den heute weit verbreiteten Bewegungsmangel hervor gerufen werden.
  • Daher ist Radverkehrsförderung nicht etwa eine Belohnung für das individuelle Wohlverhalten von Radfahrern, sondern kommt der Allgemeinheit zu Gute. Sie nützt auch Menschen, die selbst nicht oder noch nicht das Rad benutzen. Andersherum: Über Verkehrsplanung sollte man sich nicht erst dann Gedanken machen, wenn alle Verkehrsteilnehmer sich vorbildlich verhalten. 

Bitte nicht so: Der Herr im Vordergrund gurkt falsch herum auf dem eh schon schmalen Radweg und geradewegs auf eine schlecht einsehbare Einmündung zu. Die Radfahrerin mit dem Rucksack (im Hintergrund) hat das schon hinter sich und macht jetzt den Gehweg zu ihrem Fahrweg.
Foto: Thorsten Böhm

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