Sensationell! Neues Mittel gegen die Fallsucht!

Von Thorsten Böhm

Dieser Beitrag wurde ursprünglich veröffentlicht in den Bielefelder Radnachrichten Nr. 64, Ausgabe 4/1998. Wegen seiner ungebrochenen Aktualität wird er hier in nur leicht redigierter Fassung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Sprechen wir ganz offen darüber: Wer von uns, die wir mit dem Rad durch die Galaxien pflügen, ist nicht schon Zeuge eines ungeheuerlichen Vorfalls der nachfolgend beschriebenen Art geworden? Das beladene Vehikel wird mittels seines Seitenständers geparkt und neigt sich, sobald wir uns entfernt haben, wie von Geisterhand bewegt zur linken Seite. Alsdann verlässt es den vollends den Zustand stabilen Gleichgewichts und nimmt, willig den Gesetzen der Schwerkraft sich beugend, mitsamt seiner Fracht Bodenkontakt auf. "Wie kommt das?", fragt sich das geneigte Publikum.

Gehen wir dem Geheimnis auf den Grund. Meteorologische Phänomene wie andauernde Niederschläge können bewirken, dass ein unbefestigter Boden noch mehr an Tragfähigkeit einbüßt. Auch kann es vorkommen, dass - wie in diesem Sommer (1998, Anm. d. Autors) vielfach zu beobachten, wochenlange Gluthitze die Asphaltdecke unserer Straßen ihrer Festigkeit beraubt. Das Ergebnis ist in beiden Fällen das Gleiche: Der dünne metallene Seitenständer bohrt sich geschwind in den weichen Boden und löst die bereits geschilderte Katastrophe aus.

Abhilfe versprechen Ständerfüße aus weichem Kunststoff, wie sie beispielsweise für (ESGE-)Pletscher-Ständer angeboten werden. Bedauerlicherweise ist ihre Lebensdauer recht überschaubar, wenn sie nicht lediglich auf weichem Untergrund verwendet werden, sondern auch auf Asphalt-, Stein- oder Betonböden, die sich in einem ihrer endgültigen Bestimmung gemäßen Aggregatzustand befinden. Im Klartext: Die "Fußsohle" hat der schmirgelnden Wirkung der rauhen Oberfläche des Bodens wenig entgegen zu setzen, ist alsbald verschlissen und wird vom Ständer unbarmherzig durchbohrt. Auch ein Gang zum Schuster hilft hier nicht wirklich weiter.

Eine dauerhaftere Lösung hat sich nunmehr golden strahlend über den Horizont und in den Fahrradtechnikhimmel erhoben. Der seriöse Eisenwarenfachhandel (und nicht etwa der Gummiwarenfachhandel) hält Türstopper in Form von etwa tischtennisballgroßen Kuntstoffkugeln bereit. Diese wiederum sind mit einer in ihr Inneres ragenden Öffnung versehen, die es möglich macht, sie auf das Ende der Parkstütze zu stecken. Aufgrund ihrer Elastizität verbleiben sie dort ohne weiteres Zutun. Die Kugeln bieten eine bessere Verteilung der Last und sind aufgrund anderen Materials und dickerer "Sohle" auch verschleissfester als die erwähnten Ständerfüße.

Das Angebot ist mit derzeit (1998!) drei bis fünf Deutschmark als durchaus wohlfeil zu bezeichnen, zumal im Lieferumfang gemäß der eigentlichen Zweckbestimmung "Türenstoppen" noch ein Dübel und eine Schraube von stattlichen Ausmaßen enthalten sind. Mit deren Hilfe können wir lieben Mitmenschen eine Freude bereiten, da wir sie für unsere Zwecke nicht benötigen.

Zur individuellen Anpassung kann es im Einzelfall eventuell hilfreich sein, die Stütze per Stellmechanik oder bei deren Abwesenheit per Säge etwas zu kürzen, falls das Rad ansonsten zu aufrecht stehen und Gefahr laufen würde, zur rechten Seite zu kippen.

Geben Sie sich die Kugel!

Stabiler Stand auf weichem und hartem Grund. Fotos (3): Thorsten Böhm

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