Fit zur Arbeit mit dem ADFC-Fahrrad-Fahrsicherheitstraining

Von Thorsten Böhm

"Fit zur Arbeit" ist der Titel einer Fahrradkampagne der Stadt Bielefeld und der Von-Bodelschwinghschen Anstalten Bethel in Bielefeld. Sie wendet sich speziell an Arbeitnehmer der Von-Bodelschwinghschen Anstalten. Nach einer Untersuchung über die Verkehrsmittelwahl der Arbeitnehmer, sollen 50 ausgesuchte Teilnehmer von April bis September 2008 über einen Zeitraum von sechs Monaten bei ihrer Fahrt zur Arbeit möglichst ohne Auto auskommen und stattdessen das Rad nutzen. Diese 50 werden natürlich nicht mit vorgehaltener Luftpumpe gezwungen - im Gegenteil: Es gab rund 250 Interessenten und schließlich musste das Los entscheiden!

Das Projekt wird von verschiedenen Veranstaltungen begleitet, die es den Projektteilnehmern erleichtern sollen, diese Umstellung zu meistern. Dazu gehört ein Fahrrad-Fahrsicherheits-Training, das der ADFC Bielefeld im April 2008 bei sommerlichem Wetter für eine Gruppe interessierter Projektteilnehmer durchgeführt hat. 

Hütchenspiel für Radfahrer?

Wie nun sieht ein solches Training aus? Während einer ersten Runde per Rad durch einen "Hütchen-Parcours" auf dem Verkehrsübungsplatz schauen sich die vier ADFC-Trainer erst einmal an, wie die neun Damen und Herren auf ihren Rädern sitzen, wie sie lenken und bremsen. Danach wird es theoretisch: Welche Auswirkungen hat das Fahrrad auf die Fähigkeit, sicher zu fahren?

Sicherer fahren auf einem ergonomisch sinnvollen Rad

Eine ergonomisch sinnvolle Körperhaltung auf dem Rad beugt Schmerzen am Hintern, im Rücken und in den Händen vor und erleichtert dadurch das ausdauernde Fahren. Aber sie bewirkt noch mehr: Sie sorgt dafür, dass das Rad leicht und sicher beherrscht werden kann. Spontanes und präzises Lenken und Bremsen werden möglich - ohne Anstrengung , ohne Ablenkung durch Schmerzen und Verkrampfungen, ohne unbewusste Ausweichhaltungen des Körpers.

Deshalb erläutern die Trainer, wie eine ergonomisch sinnvolle Körperhaltung aussieht und geben Tipps zur Auswahl und Einstellung von Sattel und Lenker. Sehr unterhaltsam ist die Messung des Sitzknochenabstandes mittels Wellpappe! Schließlich wird noch der richtige Luftdruck an den Reifen eingestellt, denn ein zu geringer Luftdruck erhöht nicht nur Rollwiderstand, Reifenverschleiß und Pannenanfälligkeit, sondern verschlechtert auch das Fahrverhalten und vermindert damit die Fahrsicherheit.

Gar nicht so einfach, wie vermutet: Übungen für die radfahrerische Feinmotorik.
Foto: Ingrid Dingerdissen

 

Der Praxistest: Aus voller Fahrt gegen die Wand!

Danach geht es wieder zurück aufs Rad! Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben jetzt auf dem Übungsplatz die Gelegenheit, ihre Fahrtechnik abseits des Straßenverkehrs praxisnah zu trainieren. Verschiedene Brems- und Lenkübungen haben das Ziel, die Motorik beim Umgang mit dem Rad zu schulen. Die Trainer zeigen, wie ein Fahrrad reagiert und mit welchen Bewegungen es präzise kontrolliert werden kann. Auch gezieltes Ausweichen und wirksames Bremsen werden trainiert.  Dazu gehört der "Elchtest", mit dem spontanes Ausweichen geübt wird. Ein besonderer Höhepunkt ist der Bremstest vor einer eigens errichteten Mauer, der auch schon mal zum Crashtest werden kann! Beruhigend, dass die Mauer aus Schaumstoffwürfeln besteht ...

Gegen die Wand! Foto: Thorsten Böhm

 

Ein bisschen Theorie: Rot, grau und blau

Schließlich gibt es wieder ein bisschen Theorie und Antworten auf verschiedene Fragen: Wozu sind die verschiedenen roten und grauen Streifen auf der Straße und neben Gehwegen da? Was wollen uns die verschiedenen blauen Radweg-Schilder sagen? Was bedeutet es, wenn ein Radweg kein Radwegschild hat? Auf welcher Straßenseite darf ich Rad fahren? Was ist eine Fahrradstraße? Darf ich auf Gehwegen Rad fahren?

Die ADFC-Trainer werfen mit dem Projektor Bilder an die Wand, die typische Gefahrensituationen illustrieren und stellen immer wieder die "Preisfrage": "Wie würden Sie sich in dieser Situation verhalten?" Lebhafte Diskussionen schließen sich an und die Antworten der ADFC-Trainer sorgen für manches "Aha-Erlebnis" bei den Teilnehmern.  

Die ADFC-Trainerin stellt Szenen aus dem wahren Leben des Straßenverkehrs vor.
Foto: Thorsten Böhm

 

Viel gelernt

Sicherlich reicht ein einzelner Nachmittag kaum aus, um die Theorie und Praxis des sicheren Radfahrens zu vermitteln. Trotzdem sind sich alle einig, heute einiges erfahren zu haben, auf das sie beim Radfahren künftig aufbauen können. 

 

Der ADFC Bielefeld unterstützte die Kampagne "Fit zur Arbeit" mit diesem Training, einer integrativen Radtour für Behinderte und Nichtbehinderte, mit Beratungsarbeit und einem "Offenen Abend" im ADFC-Infoladen für die Projekt-Teilnehmer.
Am 25. November 2008 wurde auf einer Abschlussveranstaltung ein Resümee der Kampagne gezogen: "Einmal Australien und zurück"

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