Jetzt jeden Tag 15 Euro sparen!

Von Thorsten Böhm 

Uniformierte Damen und Herren bitten zur Kasse. Seit diesem Sommer ist die Polizei in Bielefeld verstärkt unterwegs, um Radfahrerinnen und Radfahrer um einen Beitrag von 15 Euro zu ersuchen. Bargeld lacht – wer nicht gleich zahlt, muss mit einem Bußgeldbescheid rechnen und dann wird es teurer. Natürlich trifft das nicht jeden. Zahlen muss, wer Radwege in falscher Richtung befährt und damit sich und andere gefährdet.

Damit Ihnen so etwas nicht passiert und damit Sie vielleicht auch im Freundes- und Bekanntenkreis zur Schonung der dortigen Geldbeutel beitragen können, möchten wir Sie mit den Grundregeln der Radwegbenutzung bekannt machen, über die bei vielen Verkehrsteilnehmern (ob mit oder ohne Rad!) noch Unklarheiten bestehen. 

 

Die Straßenverkehrsordnung sagt:

  • Das Radfahren ist grundsätzlich nur an der - in Fahrtrichtung gesehen - rechten Straßenseite erlaubt.

Nur dort, wo ein blaues Radweg-Verkehrszeichen (siehe oben) es ausdrücklich erlaubt, darf auch ein Radweg links der Fahrbahn benutzt werden!
Dies gilt so lange, bis der Radweg endet.

Wo endet der Radweg denn?

Oft endet der Radweg an der nächsten Straßeneinmündung. Dies ist auch dann der Fall, wenn die Straßeneinmündung den Radweg unterbricht. Dort muss zur Überquerung der einmündenden Straße der Bereich verlassen werden, der von Bordsteinkanten eingegrenzt wird. Es spielt keine Rolle, dass die Bordsteinkanten eventuell abgesenkt sind.

Dass ein Radweg dort endet, erkennt man auch daran, dass entweder gar keine Markierung auf die Fahrbahn aufgebracht worden ist, oder lediglich eine "Furt" markiert worden ist, die nicht von ununterbrochenen Linien eingefasst wird.
Eine solche "Furt" ist rechtlich kein Radweg, auch wenn sie rot eingefärbt ist (siehe Bild unten rechts)
Ein Schild "Radweg Ende" ist an dieser Stelle übrigens nicht zwingend vorgeschrieben.

Das linksseitige Radfahren ist hinter einer solchen Einmündung nur dann weiterhin erlaubt, wenn ein weiteres blaues Radweg-Verkehrszeichen
hinter der Einmündung dies erneut ausdrücklich erlaubt.

Foto: Thorsten Böhm

Hier endet er nicht:

Anders ist es, wenn der Radweg von der Straßeneinmündung nicht unterbrochen wird und daher dort auch nicht endet (siehe Bild unten rechts)

Dies ist der Fall, wenn er (oft zusammen mit dem Gehweg) ununterbrochen über die Einmündung hinweg gebaut, z.B. gepflastert, worden ist. Erkennbar endet er nicht an der Einmündung und folglich bedarf es jenseits der Einmündung keines neuen blauen Radweg-Verkehrszeichens.

Hier darf der Radweg auch weiterhin linksseitig befahren werden.

Foto: Thorsten Böhm

 

In diesem Beitrag stellen wir einige gefahren- und bußgeldträchtige Stellen in Bielefeld vor.
Anhand von Beispielen sezieren wir mal die Situation an verschiedenen Straßen:
Was ist dort möglich und erlaubt?

 

Dies sind Bielefelder Straßen, an denen die Radwege und Radfahrstreifen oft in falscher Richtung benutzt werden: 

  • Elsa-Brändström-Straße zwischen IHK-Gebäude und Bahnbrücke (siehe unten)
  • Artur-Ladebeck-Straße zwischen Adenauerplatz und Von-der-Recke-Straße (siehe unten)
  • Adenauerplatz zwischen Oetker-Gelände und Zufahrt Johannistal
  • Mindener Straße zwischen Feilenstraße und Elsa-Brändström-Straße
  • Feilenstraße zwischen Am Güterbahnhof und Bahnhofstraße
  • Arndtstraße zwischen Emil-Gross-Platz und Friedenstraße
  • Niederwall zwischen Stadttheater und Hermannstraße sowie zwischen Ravensberger Straße und Rohrteichstraße
  • Am Bach zwischen Niederwall und Neustädter Straße
  • Stapenhorststraße zwischen St.-Franziskus-Hospital und Bismarckstraße
  • Teutoburger Straße zwischen Heeper Straße und Webereistraße (siehe unten)
    sowie auch zwischen Webereistraße und Oelmühlenstraße
    und zwischen Oelmühlenstraße und Ehlentruper Weg 
  • Lönkert zwischen Hauptstraße und Artur-Ladebeck-Straße 

 

Beispiel Elsa-Brändström-Straße

Auf der Westseite Seite der Elsa-Brändström-Straße (ab IHK-Gebäude bis zur Eisenbahnbrücke) ist das Fahren links der Fahrbahn nicht erlaubt, eben weil es dort kein blaues Radweg-Verkehrszeichen gibt. Mehr noch: Zur Verdeutlichung des Verbots befindet sich hier zusätzlich ein Verkehrszeichen "Verbot für Radfahrer" (Kreisscheibe mit rotem Rand und schwarzem Fahrradsymbol auf weißem Grund).

Für Irritationen sorgte ein weißes Rad-Piktogramm mit Pfeilen auf dem Radwegpflaster. Es befindet sich in der Kurve zwischen Alfred-Bozi-Straße und Elsa-Brändström-Straße nahe dem IHK-Gebäude. Einer der Pfeile schien in den Radweg links der Elsa-Brändström-Straße zu weisen. Was hatte das nun zu bedeuten? Der Pfeil sollte eigentlich darauf hinweisen, dass man hier die Elsa-Brändström-Straße überqueren und linksseitig entlang der Alfred-Bozi-Straße weiter in Richtung Jahnplatz fahren darf.

 

Im August 2008 hat der missverständliche Pfeil einen Knick in Richtung Jahnplatz erhalten. Das im Hintergrund zu sehende Schild "Verbot für Radfahrer" verdeutlicht nochmals, was auch ohne das Schild schon gilt: Der Radweg links entlang der Elsa-Brändström-Straße darf in dieser Richtung nicht befahren werden. Foto: Thorsten Böhm

Ein weißes Rad-Piktogramm mit Pfeilen auf dem Radwegpflaster (nicht zu verwechseln mit einem blauen Radweg-Verkehrszeichen auf dem Boden!) hat für sich gesehen gar keinen Regelungsgehalt wie ein Verkehrszeichen, sondern soll nur der Verdeutlichung dessen dienen, was ohnehin schon vorgeschrieben ist. In diesem Fall funktionierte das erkennbar nicht, weil der Pfeil nicht deutlich genug auf den Überweg in Richtung Jahnplatz hinwies, sondern anscheinend in den Radweg Elsa-Brändström-Straße hinein. Wegen des fehlenden blauen Radwegschildes und des zusätzlichen Verbotsschildes wird man beim Falschfahren trotzdem kaum um ein Bußgeld herum gekommen sein. 

Ein blaues Radweg-Verkehrszeichen zeigt sich am entgegengesetzten Ende der Elsa-Brändström-Straße (also an der Eisenbahnbrücke) nur denen, die rechts dieser Straße in Richtung Alfred-Bozi-Straße fahren. Nur in dieser Richtung darf er befahren werden - und muss es dann auch, denn mit dem blauen Radweg-Verkehrszeichen wird es verpflichtend angeordnet.

Auf der anderen Seite der Elsa-Brändström-Straße (Karstadt-Parkhaus) ist der rot gepflasterte Radweg überhaupt nicht mit blauen Radweg-Verkehrszeichen versehen. Hier gilt daher wieder die Grundregel: Er darf ausschließlich in Fahrtrichtung rechts der Straße benutzt werden. Da das blaue Radweg-Verkehrszeichen, das ein Benutzungs-Gebot ausdrückt, aber auch für diese Richtung fehlt, darf der Radweg benutzt werden, muss es aber nicht. Hier darf auch auf der Straße Rad gefahren werden. Der Anlass für die Aufhebung der Benutzungspflicht waren die gefährlichen Parkhaus-Ein- und Ausfahrten. 

 

Beispiel Alfred-Bozi-Straße

Der Radweg entlang der Westseite der Alfred-Bozi-Straße darf zwischen Von-der-Recke-Straße und Jahnplatz in beiden Richtungen befahren werden.

Er ist in beiden Richtungen mit blauen Radweg-Schildern versehen. Hier fahren Sie in Richtung Jahnplatz auch links der Straße und dabei auf der aus Ihrer Sicht rechten Seite des Zwei-Richtungs-Radwegs. Das Einbiegen von hier aus in die Radwege links der Stapenhorststraße und links der Elsa-Brändström-Straße ist, wie bereits beschrieben, aber nicht erlaubt.

 

Beispiel Artur-Ladebeck-Straße

Vom Haller Weg aus in Richtung Innenstadt darf der dortige Radweg (mit zwischenzeitlichem Schwenk über die Johannistal-Brücke) linksseitig benutzt werden, solange das blaue Radweg-Verkehrszeichen das ausdrücklich erlaubt. Das heißt: Bis zur zweiten Ampel am Adenauerplatz.

Dort steht ein Schild "Radweg Ende"! Das anschließende Stück Radweg darf nur in stadtauswärtiger Richtung, also aus Ihrer Sicht als Radfahrerin rechts der Fahrbahn benutzt werden. Wollen Sie von hier aus zum Jahnplatz fahren, müssen Sie an der Ampel die Artur-Ladebeck-Straße überqueren und dann auf dem Radweg rechts der Straße (hier Oberntorwall) vor der Kunsthalle her in Richtung Jahnplatz fahren. Alternativ ist es auch möglich, bereits vom Haller Weg an den Radweg auf der rechten Seite der Artur-Ladebeck-Straße zu benutzen, um zum Adenauerplatz zu gelangen.

Wer von dort aus ein Ziel links der Alfred-Bozi-Straße ansteuern will, kann entweder hinter der Einmündung der Straße Waldhof den Oberntorwall/die Alfred-Bozi-Straße überqueren und in die Von-der-Recke-Straße fahren oder (ab hier ist es durch blaue Radweg-Verkehrszeichen wieder ausdrücklich erlaubt!) linksseitig der Alfred-Bozi-Straße in Richtung Jahnplatz fahren. Alternativ kann man den Oberntorwall/die Alfred-Bozi-Straße hinter der Einmündung der Notpfortenstraße oder in Höhe der Einmündung der Friedenstraße überqueren und linksseitig in Richtung Jahnplatz fahren.

Führe man von der oben erwähnten Ampel am Adenauerplatz an trotzdem linksseitig weiter, merkte man, dass der Radweg irgendwann in einen Radfahrstreifen auf der Fahrbahn übergeht (Radfahrstreifen auf der Fahrbahn dürfen niemals in Gegenrichtung befahren werden!) und ansonsten nur der Gehweg bleibt, der hier aus Sicherheitsgründen aber ausschließlich Fußgängern vorbehalten ist. Es fehlt dementsprechend auch einem blauen Verkehrszeichen "Fußweg" mit dem Zusatz "Radfahrer frei", das ein Mitbenutzen im Schritt-Tempo erlauben würde.  

 

Beispiel Adenauerplatz

zwischen Oetker-Gelände und Zufahrt Johannistal

Diese Dame macht es richtig: Auf diesem Radstreifen (Adenauerplatz) fährt man natürlich nur in Richtung Brackwede - und nicht entgegengesetzt in Richtung Innenstadt und gar noch über die links zu sehende Fahrspur hinweg gegen den Autoverkehr zum nächsten Geh-und Radweg.
Foto: Thorsten Böhm

 

Beispiel Oberntorwall 

Entgegen der Grafik in der „Neuen Westfälischen“ (Bielefelder Ausgabe, erste Seite „Stadtteile“) vom 11. Juli 2008 ist der Radweg zwischen Notpfortenstraße und Klosterstraße nicht linksseitig zu befahren.

Wer erlaubtermaßen linksseitig vom Jahnplatz kommt, trifft vor der Notpfortenstraße auf ein blaues Radweg-Verkehrszeichen mit dem Zusatzschild „Radweg Ende“ und einen gelben Rad-Wegweiser, der dem stadtauswärts fahrenden Radverkehr anzeigt, hier den Oberntorwall und die Alfred-Bozi-Straße auf einer durch Ampeln gesicherten Furt zu überqueren.

Jenseits der Notpfortenstraße wandelt sich der Hochbord-Radweg zu einem Radfahrstreifen auf Fahrbahn-Niveau, der niemals in Gegenrichtung befahren werden darf. Dementsprechend fehlt es hier auch an einem blauen Radweg-Verkehrszeichen. 

Am Oberntorwall (Blickrichtung Adenauerplatz). Von links mündet die Notpfortenstraße ein, dahinter ist in der Bildmitte der rote Radfahrstreifen neben der Fahrbahn zu erkennen.  Foto: Thorsten Böhm

 

Beispiel Teutoburger Straße

zwischen Heeper Straße und Webereistraße

Bitte nicht so: Der Herr im Vordergrund gurkt falsch herum auf dem eh schon schmalen Radweg und geradewegs auf eine schlecht einsehbare Einmündung (Webereistraße) zu. Die Radfahrerin mit dem Rucksack (im Hintergrund) hat das schon hinter sich und macht jetzt den Gehweg zu ihrem Fahrweg. Foto: Thorsten Böhm

 

 

Zur Illustration und als Tipp für ein "Nachschlagewerk" mit Abbildungen möchten wir hier auf unsere Seite Wege für den Radverkehr hinweisen

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