Stand der Dinge beim Fahrradparkhaus

Von Thorsten Böhm

Die im November 2004 installierte Fahrradschleuse im Fahrrad-Parkhaus am Hauptbahnhof hat die befürchteten Einschränkungen in der Funktionalität herbei geführt und darüber hinaus weitere Mängel offenbart. In den beiden letzten Ausgaben der Radnachrichten haben wir darüber berichtet, dass der ADFC die Parkhaus-Betreiberin moBiel GmbH in Briefen und Gesprächen mehrfach gebeten hat, die Mängel von vornherein auszuschließen bzw. zu beseitigen.

Bislang sind die grundlegenden Mängel nicht behoben: Fahrräder mit Packtaschen, Anhängern, Kindern im Kindersitz können die Schleuse nicht passieren.

Der Standpunkt des ADFC in dieser Sache ist klar: Das Rad ist ein vielseitiges Verkehrsmittel und es wird als solches genutzt. Eine weitere Steigerung des Radverkehrsanteils ist wünschenswert. Die Radverkehrsinfrastruktur,wozu auch Fahrradparkhäuser gehören, hat diesem Umstand selbstverständlich Rechnung zu tragen, anstatt die Möglichkeiten der Mobilität per Rad einzuschränken.

Das Fahrradparkhaus Bielefeld war in dieser Hinsicht bis zum November 2004 unproblematisch und bot eine praxisgerechte Funktionalität, wie sie selbstverständlich sein sollte und in Fahrradparkhäusern andernorts auch üblich ist. Fahrradparkhäuser in anderen Städten, allein in Nordrhein-Westfalen sind es über fünfzig, zeigen seit Jahren, dass es geht.

Packtaschen und Anhänger

Packtaschen, -koffer, Anhänger und Kindersitze sind „Kofferraum“ und „Rücksitzbank“ eines Fahrrades. Derart ausgestattete Räder sind seit langem verbreitet. Ein Fahrradparkhaus sollte keine Einschränkungen für die Nutzer solcher Räder bereithalten, so wie auch in Kfz-Parkhäusern keine vergleichbaren Hindernisse für die Nutzer von Pkw mit Kofferraum und Rücksitzbank oder Motorrädern mit Seitenkoffern und „Top- Case“ bestehen.

Kinder, Kinder ...

Ebenso sollten die Kunden ihre im Kindersitz oder Anhänger mitfahrenden Kleinkinder während der gesamten Öffnungszeiten unproblematisch ins Parkhaus mitnehmen können und nicht gezwungen sein, sie vor dem Eingang zurückzulassen. Insbesondere während der nicht personell bedienten Betriebszeiten dürfte dies weder zumutbar noch praktisch durchführbar sein. Besonders schwierig ist die Lage für diejenigen Kunden, die mit Kind(ern), Packtasche(n), Drehkreuz und Fahrrad gleichzeitig hantieren müssen. Die einzig vernünftige Lösung ist daher, dass Kinder auch dann im Anhänger oder Sitz verbleiben können,wenn das Rad durch den Ein-/Ausgangsbereich geschoben wird.

Im übrigen ist für einen Kunden, der vor der Schleuse steht, keineswegs erkennbar, dass sich nur die untere Hälfte des Sperrgitters öffnet und ein Kind derzeit nicht im Kindersitz verbleiben kann,wenn das Rad ins Parkhaus geschoben wird.

Die derzeit einzige Ausweichmöglichkeit, eine separate Tuür, ist nur während der eingeschränkten personell betriebenen Öffnungszeiten nutzbar.

Komfortabler Durchgang?

Personen, die wie derzeit vorgeschrieben, Taschen vom Rad abnehmen und über der Schulter tragen, können gefährdet werden,weil das Drehkreuz den Taschenriemen erfassen kann.

Insbesondere für kleinere (erwachsene) Personen ist das Passieren des Drehkreuzes mit gleichzeitigem Schieben des Drehkreuzes einerseits und des Rades in der Schleuse andererseits unkomfortabel.

Das Problem wird verschärft,wenn Kinder mitgeführt werden sollen, die derzeit nicht im Sitz oder Anhänger sitzen bleiben können (siehe oben).

„Schlag“bäume

Die Schlagbäume in den Schleusen können sich auch dann bewegen,wenn sich unter ihnen Gegenstände oder Personen (z.B. Kinder) befinden. Auf diese Weise ist es möglich, dass Fahrräder an Bowdenzügen oder Lenker erfasst und vom Schlagbaum aufwärts gerissen und Gepäckträger vom niedergehenden Schlagbaum beschädigt werden. Wie in Kfz-Parkhaus-Zu- und -ausfahrten, Fahrstühlen und ähnlichen maschinellen Einrichtungen obligatorisch, sollten die Schlagbäume (sofern sie bestehen bleiben sollen) sich nicht bewegen, solange sich Gegenstände oder Personen in ihrem Schwenkbereich befinden.

Eigentlich selbstverständlich ...

Entscheidend ist aus Sicht des ADFC , dass die Nutzer künftig ihre Räder mit Packtaschen, -koffern, Anhängern und Kindersitzen während der gesamten Öffnungszeiten (moBiel wirbt mit einem 24-Stunden-Service) zügig einund ausstellen können, und zwar ohne Montage- oder Demontagearbeiten durchzuführen. Die Nutzung eines Fahrradparkhauses muss auch für einen ungeschulten Nutzer unmittelbar einleuchtend und einfach sowie gefahrlos zu bewerkstelligen sein. Hierfür wird sich der ADFC auch unter seinem neuen Vorstand einsetzen.

Weiteres zu diesem Thema in den Bielefelder Radnachrichten 1/2006

 

Mehr zur Fahrradstation am Bielefelder Hauptbahnhof in den Bielefelder Radnachrichten

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