Schöner Schein

Von Thorsten Böhm

„Radler leuchten künftig mit Batterie“, konnten wir beim Frühstück zunächst verwundert lesen, um dann erleichtert fest zu stellen, dass wohl doch nur das Rücklicht am Rad zum Gegenstand einer Rechtsänderung erkoren worden ist.

Mit unterschiedlichen Ausschmückungen garniert lautete die Botschaft verschiedener Zeitungen und Sender: Fahrräder müssen in Bälde mit batteriebetriebenen Rücklichtern ausgestattet sein. Das ZDF illustrierte diese These mit den laufenden Bildern eines Radlers, der ein kleines Batterie-Rücklicht an seiner Sattelstütze befestigt. Quell dieses Informationschaos ist eine sachlich unzutreffende Mitteilung der Pressestelle des Bundesverkehrsministeriums. Nicht nur die ADFC- Bundesgeschäftsstelle, sondern auch der ADFC Bielefeld sah sich unvermutet mit einer Vielzahl von Anfragen konfrontiert. Wir erlauben uns hiermit, Licht ins Dunkel zu bringen.

Kryptische Frühstückslektüre. Foto: Thorsten Böhm

 

Was denn nun?

Das Ministerium bastelt derzeit an einer Änderung der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). Dieses Werk regelt technische Eigenschaften von Fahrzeugen, die für den deutschen Straßenverkehr zugelassen werden sollen. Einige der zu ändernden Teilvorschriften der StVZO betreffen lichttechnische Einrichtungen an Fahrrädern. Im einzelnen ist vorgesehen, dass

  • Fahrräder hinten über ein Standlicht verfügen und
  • die Standlichtfunktion bereits in das nach wie vor vorgeschriebene dynamogespeiste Rücklicht integriert ist, nicht also über einen weiteren Beleuchtungskörper realisiert wird (Ausnahme für Rennräder unter elf Kilogramm Gewicht, deren Fahrer ersatzweise eine Batteriebeleuchtung mitführen müssen). 
  • Die Spannungsquelle für das Standlicht wird nicht vorgeschrieben. Es muss also keineswegs mit Einweg-Batterien oder nachzuladenden Akkus betrieben werden, sondern kann auch mit der seit vielen Jahren bewährten wartungsfreien Kondensatorentechnik arbeiten.

Bevor der Änderungsentwurf zur StVZO dem Bundesrat zur abschließenden Entscheidung vorgelegt wird, muss er auf seine Europarechtskonformität hin geprüft werden. Das Ministerium peilt an, dass die Neuregelung am 1. Januar 2005 in Kraft tritt und mit einer Übergangsfrist von zwei Jahren verknüpft ist. Das bedeutet, dass Neuräder, die dem neuen Standard nicht entsprechen, noch bis zum 31. Dezember 2006 verkauft werden dürfen.

Und außerdem ...

Die Pressemeldungen haben nicht darüber informiert, dass weitere Änderungen der StVZO geplant sind, die der Verbesserung von Lichtanlagen am Rad dienen.

  • Bislang mussten Scheinwerfer in einem bestimmten Bereich Beleuchtungsstärken von 4 lux (bei konventionellen Glühlampen) beziehungsweise 7 lux (bei Halogenglühlampen) erreichen. Dieser Wert soll generell auf 10 lux angehoben werden. Auch werden die Anforderungen an den auf die Fahrbahn zu werfenden Lichtkegel, insbesondere an die Vorfeldausleuchtung im Nahbereich vor dem Vorderrad deutlich erhöht. Der berüchtigte trübe Lichtpunkt mit dem Streifenkranz, der jedenfalls nicht dem Erkennen von Schlaglöchern und anderen Hindernissen auf dem Fahrweg dienlich ist, soll damit der Vergangenheit angehören.
  • Außerdem ist auch eine separate Masseverkabelung vorgesehen,um die störungsanfällige Stromführung durch Schutzblech, Gepäckträger und Rahmen zu vermeiden.
  • Schließlich soll ein Überspannungsschutz für Scheinwerfer und Rücklicht bereits im Dynamo integriert sein.

Auch für diese Änderungen sind die oben erwähnten Termine maßgebend. Eine Nachrüstpflicht für Alträder ist zwar nicht geplant. Erfreulich ist jedoch, dass niemand gehindert wird, bereits vorher ein entsprechend ausgestattetes Rad zu kaufen oder auch das alte nachzurüsten.

Was bringt die Zukunft?

Zum Schluss ein kleiner Blick in die nahe Zukunft: Ende Mai 2004 hat das Kraftfahrtbundesamt einem deutschen Hersteller bereits nach den neuen Kriterien die Zulassung für das Muster eines dynamobetriebenen Fahrrad-Scheinwerfers erteilt, der ohne (Halogen-) Glühlampe auskommt, sondern allein mit Leuchtdioden arbeitet. Der Vorteil einer solchen Konstruktion in der Praxis liegt unter anderem in der extrem viel längeren Betriebsdauer von Leuchtdioden gegenüber Glühlampen. Der Hersteller hofft, den Scheinwerfer noch in diesem Jahr in den Handel bringen zu können.

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