Stolperkanten

Von Thorsten Böhm 

Auf Einladung des städtischen Amtes für Verkehr der Stadt Bielefeld erörterte ein Vertreter des ADFC Bielefeld am 25. April 2003 mit Vertretern des Amtes und des städtischen Beirates für Behindertenfragen die Gestaltung von Gehwegabsenkungen an Straßeneinmündungen. Es ging darum, bei künftigen Baumaßnahmen die Bedürfnisse verschiedener Gruppen von Verkehrsteilnehmern gleichermaßen zu berücksichtigen.

Dabei wurde deutlich, dass die durchaus unterschiedlichen Anforderungen der Nutzergruppen nicht allein aus einem individuellen Komfortbedürfnis resultieren, sondern auch handfeste Gründe haben:

Unterschiedliche Wünsche

Für Rollstuhlfahrer wäre es ideal, wenn die beim Überqueren einer Straßeneinmündung zu überwindenden Gehwegbordsteine auf Fahrbahnniveau abgesenkt wären. Je nach Art einer Querschnittsverletzung kann das Überfahren einer Kante mit entsprechender Erschütterung erhebliche Schmerzen nach sich ziehen.

Radfahrer, die auf einem Hochbord-Radweg unterwegs sind, haben ebenfalls den Wunsch nach einer derartigen Absenkung der Kante auf Fahrbahnniveau, da sie an der im Einmündungsbereich üblicherweise bogenförmig angelegten Bordsteinkante insbesondere bei Feuchtigkeit unvermittelt abgleiten können.

Blinde und Sehbehinderte hingegen sind auf möglichst hohe Kanten angewiesen, da sie nur bei solchen die vom Taststock vermittelten Informationen über die Bodenbeschaffenheit eindeutig interpretieren können.

Fazit

Das Gespräch mündete in folgende einvernehmlich beschlossene Empfehlungen, die zukünftig beachtet werden sollen:

Planfall 1 – Radweg auf Fahrbahnhöhe und vom Gehweg getrennt

  • Absenkung des Gehwegbordsteins auf 3 cm über Fahrbahnniveau
  • keine Verwendung von taktilen Pflasterplatten, die mit einer für Blinde und Sehbehinderte besonders gut ertastbaren strukturierten Oberfläche, z. B. Noppen versehen sind

Planfall 2 – Radweg auf Hochbord neben dem Gehweg

  • Absenkung des Bordsteins im Radwegquerschnitt auf Fahrbahnniveau, hier keine taktilen Pflasterplatten
  • Absenkung des Bordsteins im Gehwegquerschnitt auf 3 cm über Fahrbahnniveau, hier zusätzlich taktile Pflasterplatten von 40 cm Breite über den gesamten Gehwegquerschnitt

Planfall 3 – Kombinierter Geh- und Radweg mit gemeinsamer und nicht in Längsrichtung getrennter Verkehrsfläche

  • Hierzu will das Amt für Verkehr Informationen über Erfahrungen in  anderen Städten einholen und bewerten. Die Teilnehmer des Gespräches wollen sich im Sommer 2003 nochmals treffen und Lösungsmöglichkeiten diskutieren. Aus Sicht des ADFC Bielefeld können die Ansprüche der verschiedenen Nutzergruppen hier nicht zufriedenstellend berücksichtigt werden, was ein Grund mehr ist, zukünftig derartige kombinierte Rad- und Gehwege nicht mehr einzurichten. 

Mehr hierzu in den Bielefelder Radnachrichten 4/2003

Planfall 4 – Gehweg auf Hochbord mit dem Zusatz „Radfahrer frei“

  • Absenkung des Bordsteins im gesamten Gehwegquerschnitt auf 3 cm über Fahrbahnniveau, zusätzlich taktile Pflasterplatten von 40 cm Breite über den gesamten Gehwegquerschnitt

Planfall 5 – Gehweg ohne Freigabe für den Radverkehr

  • Absenkung des Bordsteins im gesamten Gehwegquerschnitt auf 3 cm über Fahrbahnniveau 

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