Der Tunnel zwischen Mindener Straße und Friedenstraße

Von Thorsten Böhm

Seit einigen Wochen sind Rad- und Fußweg im Tunnel zwischen Mindener Straße und Friedenstraße durch eine Kette getrennt. Am Tunnelportal an der Friedenstraße befindet sich eine Umlaufsperre („Drängelgitter“). Wie kam es dazu?

Vor einigen Monaten forderten Mitglieder der Bezirksvertretung  Mitte, wegen der Unfallgefahr für Radfahrer den Radweg im Bereich der Überquerung der Friedenstraße aufzuheben. Radfahrer sollten absteigen und die Friedenstraße schiebend überqueren.

Der Fachbereich Verkehr der Stadtverwaltung schlug vor, den Radstreifen bestehen zu lassen sowie durch bauliche Maßnahmen die Geschwindigkeit von Radfahrern und damit die Unfallgefahr zu senken. Gleichzeitig sollten Rad- und Fußverkehr im Tunnel und im Querungsbereich der Friedenstraße getrennt werden. Bislang wurde der Radweg von vielen Fußgängern genutzt. Die unterschiedliche Pflasterung von Rad- und Fußweg war aufgrund schlechter Lichtverhältnisse im Tunnel nicht gut erkennbar, zudem lässt sich die Friedenstraße auf dem roten Radstreifen direkter überqueren.

Richard Schmidtpeter (ADFC Bielefeld) und sein Sohn machen es vor: Kein Durchkommen für Gespanne an der provisorischen Umlaufsperre am Tunnel Friedenstraße. Foto: Jürgen Pott

 

Radfahrer zu Fußgängern?

Der ADFC Bielefeld hat in Gesprächen mit der Stadtverwaltung bereits zu einem frühen Zeitpunkt deutlich gemacht, dass Maßnahmen zur Sicherung des Radverkehrs nicht akzeptabel sind, wenn sie mit Behinderungen für den Radverkehr einherschreiten. Zudem geht die Gefährdung von Radfahrer an dieser Stelle nicht von den Radfahrern selbst aus, sondern von Kraftfahrern, die unachtsam bzw. mit eingeschränkter Sichtmöglichkeit abbiegen und dabei den vorfahrtsberechtigten Radweg überqueren. Maßnahmen zur unfallvermeidenden Beeinflussung des Kraftverkehrs werden von Mehrheiten in der Bezirksvertretung Mitte und dem Stadtentwicklungsausschuss jedoch abgelehnt.

Nach einem Ortstermin folgte die Bezirksvertretung dem Vorschlag des Fahrradbeauftragten der Stadt, durch einen provisorischen Umbau mit Pfählen und Ketten auszuprobieren, ob die Gefahrenstelle entschärft werden kann, ohne den Radweg aufzuheben. Inzwischen hat sie einen endgültigen Umbau in der vorgeschlagenen Weise beschlossen.

 

Auch der Fahrradbeauftragte Hansjörg Gerber stellt fest: Es klemmt. Foto: Jürgen Pott

 

Schadensbegrenzung

In einer solchen Situation blieb dem ADFC lediglich, die Folgen des beschlossenen Übels zu begrenzen. Fahrversuche mit Kinderanhänger und einem Lastenrad belegten bei einem Ortstermin mit Vertretern der Stadtverwaltung, dass die Durchfahrweite der Sperre im provisorischen Zustand zu gering ist. Sie soll vergrößert werden, wenn der endültige Umbau erfolgt. Außerdem hat der ADFC gefordert, zwischen Sperre und Friedenstraße eine ausreichend lange Aufstellfläche freizulassen, damit der (Kinder-)Anhänger wartender Gespanne, die in den Tunnel einfahren wollen, nicht auf der Friedenstraße stehen bleibt. Dies wird notwendig, weil ein Begegnungsverkehr in der Sperre nicht möglich ist. Im Übrigen soll der Tunnel eine, auch vom ADFC mehrfach angesprochene, bessere Beleuchtung erhalten.

 

Die Abmessungen für den endgültigen Umbau werden bestimmt. Foto: Jürgen Pott

 

Fahrradfreundliche Stadt?

Dieses Beispiel belegt, dass die ehrenamtliche Lobbyarbeit des ADFC derzeit eher von mühevoller Schadensbegrenzung geprägt ist, denn von der fachlichen Begleitung einer fortschrittlichen Verkehrspolitik.

So etwa hat der Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss bereits im vergangenen Jahr die Öffnung weiterer Einbahnstraßen für den Radverkehr und die Einrichtung weiterer Fahrradstraßen pauschal und ohne sachliche Begründung abgelehnt. Um so wichtiger ist jetzt für den ADFC der Rückhalt durch Sympathisanten und (neue) Mitglieder.

Weitere Beiträge zum Thema Umlaufsperren in den Bielefelder Radnachrichten

3/2001   4/2003   2/2004

© 2020 ADFC Stadtverband Bielefeld e. V.