Wildes schönes Südfrankreich

Unterwegs in Languedoc und Roussillon 

Von Claudia Matz

Im Anschluss an den Südfrankreich-Vortrag "Wildes schönes Südfrankreich" des Bielefelder ADFC-Fahrradfrühlings 2009 haben wir angekündigt, verschiedene Reisetipps und weiterführende Hinweise auch auf unserer Internetseite zugänglich zu machen. Hier sind sie: 

Im Süden Frankreichs zwischen Pyrenäen, Zentralmassiv und Mittelmeer erstreckt sich eine ideale Radreiseregion. Kleine Landsträßchen führen durch malerische Dörfer und einsame Gebirgslandschaften. Stille Treidelpfade am Canal du Midi unter 300 Jahre alten Platanen bieten Radlern ein besonderes Erlebnis.

Die Radtour beginnt in Narbonne mit einem Ausflug ans Meer, weiter geht es durch die Weinbauregion Minervois in die grünen Berge der Montagne Noire. Ein Weg entlang der Rigolle, eines Zuflusskanals des Canal du Midi, bringt die Radler wieder hinaus aus den Wäldern in die offene Landschaft des Lauragais. Es folgen die wilden Corbières mit Felsen, Schluchten und Burgen. Die kleine Kapelle Serrabone mit ihren großartigen romanischen Skulpturen aus rosafarbenem Marmor lockt hinauf in die Aspres, einen Ausläufer der Pyrenäen. Und als Abschluss: Ausrollen bis ans Mittelmeer! 

  • Anreise

Mit dem DB-Nachtzug von Bielefeld nach Paris-Nord. Diese Verbindung wurde leider im Dezember 2008 eingestellt. Stattdessen kann man jetzt in Hannover in einen anderen Nachtzug nach Paris-Ost einsteigen. Ab Paris gibt es Züge nach Südfrankreich, von denen einige Fahrräder mitnehmen. Die Fahrradreservierungen für diese Züge gibt es nicht bei der DB, sondern nur direkt bei der französischen Bahngesellschaft SNCF.

Die SNCF hat aber ein Verkaufsbüro in Köln, bei dem man telefonisch Fahrkarten und Reservierungen bestellen kann. Für die Planung der Bahnfahrten in Frankreich empfehlen wir die deutschsprachige Internetseite www.tgv-europe.de. Hier ist auch angegeben, welche Züge unverpackte Fahrräder mitnehmen.

  • Landkarten

Für die Planung zuhause und die Orientierung unterwegs haben wir zwei Landkarten benutzt: Die Michelinkarte Nr. 344 "Roussillon" im Maßstab 1:150.000. In Frankreich wird diese Karte ohne Pappumschlag verkauft. Auch wenn die Karte in Frankreich billiger ist als in Deutschland, würden wir die Karte immer schon hier kaufen - nicht wegen des Pappumschlags, sondern weil sie für Reiseplanung unverzichtbar ist.

Als Ergänzung zur Michelinkarte haben wir die IGN-Karte Nr. 72 "Beziers/Perpignan" im Maßstab 1:100.000 benutzt. Diese Karte deckt auch fast das ganze Reisegebiet ab. Nicht mit drauf sind die Montagen Noire im Norden und das Gebiet westlich von Limoux. Ich finde, die beiden Karten ergänzen sich gut. Die Michelinkarte ist sehr übersichtlich, es sind tatsächlich die Ortsnamen darauf, die man auch auf den Wegweisern lesen kann, die unterschiedlichen Farben und Linien für Straßen geben gute Anhaltspunkte zu Verkehrsbelastung und Oberfläche. Die Michelinkarte zeigt allerdings nicht jede kleine Straße und enthält auch keine Höhenlinien.

Das Landschaftprofil kommt auf der IGN-Karte besser raus. Allerdings ist in bergigen Gebieten der Verlauf der Straßen manchmal schwer zu erkennen. Wir schauen immer zuerst in die Michelinkarte und benutzen die IGN-Karte nur für Detailinformationen. 

Der Fahrradstadtplan Paris ist sehr praktisch. Damit kann man leicht den besten Weg von einem Pariser Bahnhof zum anderen finden oder auch eine Stadtrundfahrt planen. Den Fahrradstadtplan Paris kann man bei www.cartovelo.fr bestellen. Hier bekommt man auch französische Radwanderführer, zum Beispiel zum Canal du Midi. 

  • Unterkünfte

Wir haben in Frankreich meist in Privatquartieren übernachtet, die zu der Vereinigung Gites de France gehören. Das Logo von Gites de France findet man vielen Häusern in Frankreich. Das Wort Gite bedeutet einfach nur Unterkunft oder Privatquartier. Gites de France ist eine Vereinigung privater Anbieter von ganz unterschiedlichen Unterkünften. Wir fanden das mit den Gites anfangs sehr verwirrend. Grundsätzlich gibt es 3 verschiedene Arten von Gites, die wir nun genauer erklären möchten.

– Die erste Art sind Gites rureaux, das sind Ferienhäuser auf dem Lande. Ein solches Gite rural wird meist wochenweise von Samstag bis Samstag vermietet oder für ein ganzes Wochenende. Es kommt also für Radtouristen weniger in Frage. 

– Besser geeignet ist ein Gite d’etape, eine Etappenunterkunft. Das ist eine Art Wandererheim, eine einfache Unterkunft. Für etwa 10 Euro pro Person und Nacht schläft man hier in der Regel in Mehrbettzimmern und muss sein eigenes Bettzeug oder einen Schlafsack mitbringen. Ein Gite d’etape hat normalerweise eine Kochgelegenheit, manchmal wird auch ein Abendessen angeboten. 

– Die dritte Unterkunftsart heißt Chambre d’hote, auf deutsch Gästezimmer. Ein französisches chambre d’hote ist am ehesten mit dem englischen Bed & Breakfast vergleichbar. Damit hat es gemeinsam, dass im Übernachtungspreis ein reichhaltiges Frühstück enthalten ist, und dass man hier problemlos ein Zimmer auch nur für eine Nacht mieten kann. Chambres d’hotes gibt es in allen Preisklassen, ab etwa 30 Euro pro Doppelzimmer. Der Durchschnittspreis liegt bei 50 Euro, dafür bekommt man ein hübsch eingerichtetes Zimmer mit eigenem Bad und WC. Einzelreisende müssen hier leider etwas tiefer in die Tasche greifen: Wenn man ein Gästezimmer alleine nutzt, ist es nur unwesentlich billiger. Oft werden vom Doppelzimmerpreis nur 5 Euro für das zweite Frühstück abgezogen. 
Uns haben besonders die Gästezimmer gefallen, die auch ein Abendessen anbieten. Dieses Angebot nennt sich Table d’hote. Das heißt wörtlich übersetzt Gästetisch und sieht meist so aus, dass alle Gäste gemeinsam mit den Gastgebern an einem großen Tisch sitzen und üppig und lange tafeln. Table d’hote kostet im Durchschnitt zwischen 15 bis 22 Euro pro Person einschließlich aller Getränke und eines Kurses in französischer Sprache und Landeskunde.

www.gites-de-france.com
www.clevacances.com
www.bienvenue-a-la-ferme.com

  • Weitere Information über Regionen und Routen

Eine sehr informative Internetseite zu den Bergdörfern der Montagne Noire ist: 
http://villagesperches.free.fr

Deutschsprachige Beschreibungen von Rennradtouren in den Corbieres gibt es auf der Seite www.cyclo-cathare.com. Die Touren sind sehr detailliert und anschaulich beschrieben, so dass man leicht die weniger anspruchsvollen Strecken herausfindet, die auch für Reiseradler geeignet sind.

 

Autorin: Claudia Matz

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