Fliegen mit dem Flyer

Erste Erfahrungen mit dem Elektrorad Swiss-Flyer von zwei Laien

Von Ingrid und Heinz-Gustav Dingerdissen (Text und Fotos)

Wie ist das Fahren mit einem Elektrobike? Ist das wirklich so leicht, wie die Werbung verspricht? Und was ist anders als beim normalen Rad fahren? Das wollten wir schon immer gern wissen. In diesem Jahr (2009) haben wir es im Urlaub in Österreich ausprobiert. 

Seit vielen Jahren ist der Wanderurlaub in Österreich ein Muss. Inzwischen kennen wir fast alle Berge im Rauriser Tal. In diesem Jahr gab es etwas Neues. Der Tourismusverband verlieh in Kooperation mit „movelo“ erstmals Elektrobikes aus der Flyer C-Serie. Es sind sogenannte Pedelecs, deren Motor einen nur dann unterstützt, wenn man auch selbst kurbelt. Das mussten wir unbedingt ausprobieren. Für 12 Euro pro Tag konnten wir mit dem Rad die Berge rauf und runter fahren, ein Mountainbike kostet immerhin 15 Euro pro Tag. 

Also holten wir uns morgens die Räder, bekamen eine kurze Einweisung und los ging’s. Uhpps! Erste Erfahrung: Beim ersten Mal sollte man die Elektrounterstützung beim Starten ausschalten, sonst fährt das Rad schneller los als der Fahrer im Sattel sitzt und nicht der Po, sondern der Rücken bekommt schmerzhaften Kontakt mit dem Sattel. Also noch mal. Erst mal normal losfahren und dann die Elektrounterstützung einschalten. Prima. So ging es gut. Wir fuhren sofort einen kleinen Hügel hoch und das ging wirklich leicht. 

Links: Der Akku (am Sitzrohr) und der Motor (verdeckt im Bereich des Tretlagers) sind in der Mitte des Fahrrades platziert. Rechts: Die Kombinationsanzeige am Lenker. 

 

Die von uns getesteten Räder haben eine Drehgriff-Nabenschaltung mit acht Gängen und drei unterschiedlich starke Unterstützungsprogramme (Eco, Standard, High). Die Unterstützung kann man auch ganz abschalten. Für das Anfahren am Berg gibt es ferner eine Anfahrhilfe. Die konnten wir später noch gut gebrauchen. Die Sitzhaltung war etwas gewöhnungsbedürftig für uns. Man sitzt wie auf einem Hollandrad, ist aber viel schneller. 

Schneller als ein Mountainbike - erstaunlich ... 

 

Als erstes größeres Ziel hatten wir uns den Schrieflingbauer, einen Bergbauernhof etwa 350 Höhenmeter direkt über dem Ort, ausgesucht. Auf der schmalen, asphaltierten Straße ging es in Serpentinen mit Unterstützungsprogramm High zügig bergauf. Da wir eigentlich nicht so gut trainiert sind, war es uns fast peinlich, als wir die sportliche Mountainbikerin überholten. Treten mussten wir zwar auch, und wir haben auch geschwitzt, aber ohne die Elektrounterstützung wären wir nicht mal auf die Idee gekommen, dort hinauf zu radeln. Hinunter war es nicht leichter, denn die Räder sind recht schwer und erreichen daher eine hohe Geschwindigkeit, so dass wir ständig bremsen mussten.  Außerdem sind die Bremsen an unseren eigenen Rädern anscheinend besser.  

Links: Hoch zum Schrieflingbauer.   Rechts: 350 Meter über dem Tal. 

 

Das zweite Ziel, das Lechnerhäusl, liegt etwa 12 Kilometer weiter hinten im Tal. Die Höhendifferenz beträgt rund 250 Meter. Es geht also nicht so steil bergauf, dafür aber viel länger und der Weg ist nur auf einigen Abschnitten asphaltiert. Das Fahren auf dem Schotter ist genauso unangenehm wie mit einem normalen Rad, so dass uns das letzte wirklich steile, aber glücklicherweise asphaltierte Stück fast angenehmer erschien als die flachere aber unbefestigte Strecke. Die meiste Zeit nutzten wir hier die Unterstützungsprogramme Eco und Standard. Nach dem verdienten Kaiserschmarren fuhren wir dann auf der Autostraße zurück. Hier zeigte sich, wie schnell diese Räder sein können. Auf gerader Strecke ging es schon sehr zügig dahin, bergab rollend erreichten wir ohne zu treten mehr als 50 km/h. Dabei flatterte das Rad überhaupt nicht, so dass das Fahren ein Vergnügen war. Zumindest solange wir nicht ans Bremsen dachten. 

Links: Hinein ins Tal.  

 

Nun wurde es auch Zeit, wieder zurückzukommen. Nach etwa 40 Kilometern, auf denen wir alle drei Unterstützungsstufen genutzt hatten, war an einem Rad der Akku ganz leer, am anderen fast. Dabei war der Tag doch erst halb um. Die Reichweite könnte unserer Meinung nach noch verbessert werden. 

Fazit

Ein Pedelec, so heißt der von ausprobierte Elektroradtyp, eignet sich dafür, Strecken bis zu 40 Kilometern leichter zu bewältigen. Der Akku muss immer mit einem speziellen Ladegerät am Stromnetz aufgeladen werden, er lädt sich beim Bergabfahren leider nicht auf. 

Ein Elektrorad ist schwer. Wer sein Rad in den Keller tragen muss oder es ab und zu mit dem Auto transportieren möchte, sollte vor dem Kauf ausprobieren, ob er das Rad auch tragen kann. 

Ohne Treten geht beim Pedelec nichts. Wer beim Rad fahren immer nur ein paar Mal tritt und das Rad dann rollen lässt, kommt nicht weit. Es empfiehlt sich, auch beim Pedelec mit Kraft zu treten, denn je stärker ich trete, desto schneller fährt das Rad. Natürlich steigt dann auch der Stromverbrauch. 

Uns hat dieser Tag durchaus Spaß gemacht. Wenn wir zu Hause in Bielefeld täglich bei Peter auf’m Berge über den Teutoburger Wald fahren müssten, würden wir über die Anschaffung eines Elektrorades nachdenken. Da wir das aber nicht müssen, radeln wir weiter mit unseren guten alten Rädern mit fünf, sieben oder 21 Gängen. 

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