ADFC-Fahrradfrühling auf Tournee

„Filmabend mit Dr. Steiger“ umfunktioniert

Von Thomas P. Kiper

Unverhofft hatte der ADFC Bielefeld die Gelegenheit, sich auf einer von ihm bisher noch nicht bespielten Bühne zu zeigen. Am 27. Februar 2009 fiel eine vom Sennestadtverein angekündigte Filmvorführung mit Dr. Steiger aus. Deshalb sprangen Ortrud und Wolfgang Nürck vom ADFC Bielefeld ein und zeigten im Sennestadthaus ihren Lichtbildervortrag über eine Radreise von Bielefeld zum Bodensee, den sie bereits beim ADFC-Fahrradfrühling 2008 in der Ravensberger Spinnerei gezeigt hatten.

Dr. Steiger war zwar da, aber er saß diesmal unter den 70 Zuschauern, die Ortrud und Wolfgang Nürck am 27. Februar auf ihrer 1140 km langen Fahrradtour von Sennestadt an den Bodensee folgten. Für das Ehepaar Nürck war es die erste große gemeinsame Radreise. Sie ließen die Besucher der Beamershow an allen Aspekten einer 15-tägigen Radreise entlang von acht Flüssen quer durch Deutschland teilhaben. Als da wären zuerst einmal die schönen Landschaften entlang der Flüsse Weser, Fulda, Kinzig, Main, Tauber, Jagst, Neckar und Donau. Dann die vielen berühmten und weniger berühmten Städte.

Fast durchweg asphaltiert, keine nennenswerten Steigungen und ein malerisches Landschaftsbild – für Ortrud und Wolfgang Nürck war das Teilstück des Fulda-Radwegs bis nach Kassel eines der schönsten zwischen Bielefeld und dem Bodensee.
Foto:Wolfgang Nürck

 

Besonders aufschlussreich für potenzielle Nachahmer solcher Radreisen dürften die Einblicke ins Alltagsleben der Radreisenden gewesen sein: Räder vorbereiten, packen, Tagesablauf planen, Pannen überstehen, Quartier suchen, Kleiderwirtschaft. „Das ist keine Unordnung", meinte Ortrud Nürck bei einem Bild, das ein über und über mit Wäsche belegtes Hotelzimmer zeigte. Nein: Das war das tägliche Ritual mit dem Ausspülen der Radlerwäsche unter der Dusche, Vortrocknen, Ausbreiten und zuletzt eventuell auch noch Fönen. 

Bei den Quartieren (nur die ersten drei Stationen waren vorgebucht) gab es angenehme Überraschungen: Gute Qualität war ab 38 Euro fürs Doppelzimmer mit Frühstück zu haben. Aber auch 180 Euro wurden den beiden „angeboten“. „Ein Abwehrpreis“, meinte Wolfgang Nürck. „Da wollte man keine Radler.“ Nach täglich durchschnittlich 76 Kilometern blieb trotzdem genügend Zeit, die ausgewählten Übernachtungsstädte nach Sehenswürdigkeiten und Kuriositäten zu durchstreifen. „Wichtig war dabei auch, ein schönes Restaurant für den Abend zu suchen“, gaben die beiden unumwunden zu. Am Anfang stand allerdings immer die Quartiersuche. Da wurden die beiden zu ihrem Leidwesen auch schon mal den Berg hochgeschickt, um oben zu erfahren, dass die mögliche Unterkunft doch unten liegt. „Dafür mussten wir fürs Restaurant aber wieder nach oben.“ Das Publikum lachte mit.

Fazit: Die Zuschauer nahmen an viel Freud (und auch ein bisschen Frust) einer 8-Flüsse-Fahrradreise durch Deutschland sehr persönlich teil. Sie waren sich einig: Weitere (Rad)Reiseberichte sind erwünscht! Und für den ADFC Bielefeld war dies vielleicht der erste Schritt hin zu einer stärkeren Präsenz in Sennestadt. Es wäre zu wünschen.

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