Eine Genießer-Tour für die Kameras der WDR-Lokalzeit

Bloß nicht in die laufende Kamera schauen: ADFC-Aktive bei den Dreharbeiten für einen „Lokalzeit“-Beitrag. Foto: Heinz-Gustav Dingerdissen.

 

Von Wolfgang Nürck

Bereits im Jahre 2006 haben ADFC-Aktive aus Lippe und Bielefeld vier Radtouren zum Nachradeln erarbeitet, die das WDR-Landesstudio Bielefeld in seiner (fast) allabendlichen Fernseh-Sendung „Lokalzeit“ vorgestellt hat. Im Frühjahr 2007 stellte der WDR vier neue Fahrrad-Tagestouren in der „Lokalzeit“ vor. Die „bewährten“ Experten des ADFC aus der Region haben sie wieder zusammengestellt und die „Lokalzeit“-Zuschauer konnten sich ein Bild davon machen, ob eine der Touren auch etwas für sie wäre. Wir berichten hier über die sogenannte Genießertour, allerdings schwerpunktmäßig nicht so sehr über die Strecke selbst, als vielmehr über unser „Abenteuer“, bei den Fernsehaufnahmen als Akteure dabei gewesen zu sein.

Haben Sie schon mal bei Fernsehaufnahmen mitgewirkt? Wir jedenfalls nicht und so müssen wir gestehen, dass wir ein wenig aufgeregt waren. Wir, das sind die beiden Sennestädter Ehepaare Erika und Wilfried sowie Ortrud und Wolfgang. Wir erfüllten ein wichtiges Selektions-Kriterium für diese Tour: Wir sind alle jenseits der 60. Der Name Genießer-Tour ist nämlich die freundliche Umschreibung für eine Senioren-Tour.

So stehen wir am 4. Juni 2007 um kurz vor 8 Uhr am Krackser Bahnhof in Sennestadt und warten auf Ingrid und Heinz-Gustav vom ADFC, die mit der WDR-Redakteurin Cordula von Bielefeld aus anreisen. Wir kennen Cordula noch nicht und deshalb will sie sich auf der Zugfahrt noch ein wenig mit uns unterhalten, um Anhaltspunkte für mögliche Interviews zu bekommen.

Wir steigen in Paderborn-Kasseler Tor aus. Ingrid fährt weiter, sie muss noch ein GPS-Leihgerät bei der Stadt Paderborn abholen. Am Dom treffen wir auf das Kamerateam, das uns mit Kameramann Bernd, Kamera-Assistentin Maren und einer Fahrerin an diesem Tag begleiten wird. Es geht recht unkonventionell zu, was sich auch in einem zwanglosen „Du“ bei der Anrede ausdrückt.

Film läuft!

Für das „Intro“ werden nun die ersten Aufnahmen gemacht, in denen die Testgruppe vorgestellt wird. Wir nesteln jeweils an irgendeinem Fahrrad- oder Ausrüstungsteil herum, wobei wir ausnahmsweise mal in die Kamera schauen dürfen. Für den Rest des Tages werden wir aber „verpflichtet“, dies zu unterlassen. Wir sind froh, dass wir bei diesen Aufnahmen noch nichts sagen müssen und trösten uns damit, dass es keine Livesendung ist und eventueller Blödsinn für die Sendung unberücksichtigt bleiben wird!

Inzwischen ist Ingrid mit dem GPS-Gerät eingetroffen. An Wilfrieds Lenker ist noch Platz und deswegen wird es dort montiert. Es ist ein Garmin „Geko“ ohne Anzeige eines Kartenhintergrundes. Solange wir stehen, kann das Gerät keine sinnvolle Richtung anzeigen. Wilfrieds Skepsis gegenüber dieser etwas abstrakten Routenführung ist unübersehbar.

Bevor die Fahrt beginnt, hält das Organisationsteam ADFC/WDR eine Lagebesprechung ab, bei der die interessanten Kreuzungspunkte von Straßen mit unserer Radroute festgelegt werden. Dort soll der Ausrüstungswagen für mögliche

Aufnahmen auf unsere Gruppe treffen.

Bernd hat zwei Kameras im Einsatz: Eine große, die hauptsächlich auf ein Stativ montiert zum Einsatz kommt, und eine kleinere, die sogar fast in eine Fahrradpacktasche passt und für die „mobilen“ Aufnahmen geeignet ist.

 

Links: Ein voller Arbeitstag für fünf Minuten Programm. Fotos (6):Wolfgang Nürck

 

Die Luft ist 'raus?!

Endlich geht es wirklich los. Sobald wir auf unseren Rädern sitzen, fühlen wir uns schon wesentlich sicherer. Bernd wird uns mit der kleineren Kamera die ganze Zeit auf dem Fahrrad begleiten. Er experimentiert vor allem während der Fahrt mit allen möglichen Einstellungen.

Der erste Treffpunkt ist das Schloß Neuhaus. Bernd findet einen erhöhten Beobachtungsposten und wir müssen mehrfach eine bestimmte Strecke fahren, bis die Szene zu seiner Zufriedenheit „im Kasten“ ist. Bei den Wiederholungen sollen wir darauf achten, dass jedes Mal die gleiche Reihenfolge eingehalten wird, um einen späteren Zusammenschnitt der verschiedenen Einstellungen zu ermöglichen.

Wilfried bemerkt bei seinem Hinterrad einen schleichenden Druckverlust, der sich rasch beschleunigt. Die aufkeimende Verärgerung über die nun unvermeidliche Verzögerung sieht Kameramann Bernd eher konstruktiv und baut die Reparatur-Szene in seine Reportage ein.

Die Route führt am Lippesee vorbei und dann den Boker-Heide-Kanal entlang. Kurz vor Delbrück werden Aufnahmen aus dem fahrenden Wagen heraus gemacht, während die Gruppe hinterher fährt. Cordula interviewt Ortrud, Bernd steht mit der großen Kamera im Wagen und ragt aus dem Schiebedach heraus. Maren hängt mit dem Empfangsgerät für die Tonaufnahmen seitlich aus dem Fenster: Es sieht richtig spektakulär aus!

Kurz vor Delbrück geht auch dem GPS-Gerät „die Luft“ aus: Der Akku ist leer! Schon vorher war festgestellt worden, dass die Einstellung des Gerätes nicht optimal und deshalb die Anzeige schlecht interpretierbar war. Wilfrieds Skepsis gegenüber diesem Gerät konnte damit nicht nachhaltig beseitigt werden.

Stars geben sich die Ehre

Zur Mittagszeit sind wir in Delbrück in ein Restaurant eingeladen. Wie es sich für Fernsehstars gehört, gibt man sich sehr viel Mühe mit uns und hofft wahrscheinlich, dass das Restaurant in dem Filmbericht auch zu sehen ist.

Vor der Weiterfahrt wird in Delbrück mit der großen Kamera auf dem Stativ noch eine Szene gedreht, in der wir um die Kirche mit dem „gedrehten“ Turm herum fahren. Bis das zu Bernds Zufriedenheit gelingt, sind wir schon fast schwindelig vom vielen Umkreisen der Kirche!

Von Delbrück nach Rietberg verläuft der Radweg zum Teil auf einer ehemaligen Kleinbahntrasse. Wir fahren am Tierpark Nadermann vorbei weiter in Richtung Rietberg. Zu einer Aussichtsplattform an der Ems wird die große Kamera mit der gesamten Ausrüstung zu Fuß transportiert, um Landschaftsaufnahmen machen zu können. Während das Kamerateam hart arbeitet, gönnen wir uns eine kleine „Verschnaufpause“.

In Rietberg verlassen wir den Verlauf der Landesgartenschau-Route, um die Baustelle der Landesgartenschau 2008 zu besichtigen. Ingrid erläutert der Testgruppe vor laufender Kamera die einzelnen Vorhaben. Der Kameramann moniert, dass wir ihm zeitweise alle den Rücken zuwenden.

Das Finale

Der Tag ist nun schon recht weit fortgeschritten und wir merken, dass Bernd, der die ganze Strecke auf dem Rad mitgefahren ist, das Tempo merklich erhöht. In den Parkanlagen von Rheda-Wiedenbrück nimmt er sich jedoch noch die Zeit, einige Szenen zu filmen, in denen wir durch die sehr schön angelegten Blumenbeete fahren.

Endstation ist das Schloss in Rheda. Noch einmal wird die große Kamera aufgebaut, es werden Bilder vom Schloss und den Anlagen gemacht. In Abschluss-Interviews werden die Teilnehmer über ihre Eindrücke des Tages befragt. Wilfried bleibt bei seiner Skepsis gegenüber dem GPS-Gerät.

Ein interessanter Tag geht zu Ende. Wir haben einem Fernseh-Kamerateam dabei zusehen dürfen, wie sie uns gefilmt haben und wir haben erfahren dürfen, dass ein voller Arbeitstag notwendig ist, um einen knapp fünfminütigen Programmbeitrag zu erstellen.

Die „WDR-Touren“, die die ADFC-Aktiven erarbeitet haben, finden Sie auf unserer Internet-Seite unter Touren-Vorschläge.

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