Fahrradbeleuchtung – Praxisgerecht und komfortabel

Von Thorsten Böhm

 

Hell, zuverlässig und – lautlos! Moderne Fahrradbeleuchtung macht es möglich.
Foto:Thorsten Böhm

 

Immer wieder sieht man Radfahrer unbeleuchtet durch die Dunkelheit fahren. Kontrollen haben ergeben, dass an etwa einem Drittel der in Bielefeld kontrollierten Fahrräder die Beleuchtungsanlage Mängel aufwies. Dies entspricht übrigens in etwa dem Anteil mangelhafter Beleuchtungsanlagen, den die DEKRA bei ihren Überprüfungen von Kraftfahrzeugen ermittelt hat. Man kann daraus den Schluss ziehen, dass die Fahrzeugbesitzer im Allgemeinen der Beleuchtung ihres Fahrzeugs keine besondere Aufmerksamkeit widmen. Um so wichtiger ist es, dass diese auch ohne ständige Wartung zuverlässig und effektiv arbeitet - eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.

Viele Fahrradbeleuchtungskomponenten leiden unter konstruktiven Mängeln, die zu schlechter Leistung und Unzuverlässigkeit bis hin zum Ausfall führen - und dies, obwohl sie StVZO- und TA-konform sind und das Prüfzeichen des Kraftfahrt-Bundesamtes erhalten haben.  Denn ihre gravierenden Mängel zeigen sich nicht im prüfungsrelevanten Bereich.

Diese Mängel lassen sich auch durch Reparaturen nicht grundlegend beseitigen, so dass die frustrierten Fahrradbesitzer schließlich gleichgültig werden und ohne Licht oder mit unvollständiger Beleuchtung fahren.

Es geht auch anders

Auf dem Gebiet der Fahrradbeleuchtung hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Endlich gibt es Dynamos, Scheinwerfer und Rücklichter, die zuverlässig für gutes Licht am Fahrrad sorgen.

Der Dynamo

Der Dynamo sollte möglichst wenig Trittenergie vergeuden. Wichtig sind daher Leichtlauf und hoher Wirkungsgrad. Aufgrund seiner Zuverlässigkeit, Robustheit und leichten Bedienbarkeit empfehlen wir unbedingt einen Nabendynamo, dessen Antrieb nicht durchrutscht, wie es bei vielen traditionellen Dynamos der Fall ist, deren Antriebsrolle auf der Flanke oder der Lauffläche des Reifens läuft. Der Nabendynamo befindet sich in der Nabe des Vorderrades. Nabendynamos ohne Getriebe haben in der Regel einen deutlich höheren Wirkungsgrad als andere Dynamotypen.

Nabendynamos ohne Getriebe

Vorab etwas Allgemeines zu diesem Dynamotyp: Das Licht wird durch einen elektrischen Schalter am Lenker oder Scheinwerfer ein- und ausgeschaltet. Der zusätzliche Widerstand beim Fahren mit Licht wird nicht wie beim Reifen-Dynamo durch Reibung verursacht, sondern durch Elektomagnetismus. Er ist aber vergleichsweise gering und wird beim Fahren praktisch nicht wahrgenommen. Bei ausgeschaltetem Licht reduziert sich dieser elektromagnetische Widerstand nochmals erheblich.

Der Nabendynamo ohne Getriebe hat sich wegen seiner unproblematischen Gebrauchseigenschaften weitgehend gegen den Nabendynamo mit Getriebe und gegen den Reifendynamo durchgesetzt.

Der Scheinwerfer

Vorn am Rad ist ein Halogenscheinwerfer mit Ellipsoid- oder Freiformflächen-Reflektor, der für eine vernünftige Fahrbahnausleuchtung sorgt, inzwischen Standard. Integriertes LED(=Leuchtdioden)-Standlicht (zusätzlich zur Halogen-Glühlampe) bietet einen deutlichen Sicherheitszuwachs bei Stopps.

Seit Herbst 2004 werden erstmals LED-Scheinwerfer für den Dynamobetrieb mit StVZO-Zulassung nach der nun gültigen 10-Lux-Norm angeboten. Der Vorteil der Leuchtdioden liegt in ihrer erheblich höheren Lebensdauer und daher größeren Zuverlässigkeit gegenüber Halogen-Birnen oder gar konventionellen Glühbirnen. Leuchtdioden halten 10.000 bis 100.000 Stunden und damit praktisch das ganze Fahrradleben

Seit Herbst 2007 sind Varianten der LED-Scheinwerfer auf dem Markt, die mit besonderer Reflektortechnik Beleuchtungsstärken von bis zu 40 Lux erzielen und dabei für eine Ausleuchtung von bisher nicht gekannter Großflächigkeit und Gleichmäßigkeit sorgen. Auch diese LED-Scheinwerfer sind mit der unbedingt empfehlenswerten Standlicht-Funktion erhältlich.

Scheinwerfer mit konventionellen Glühlampen ("ohne Halogen") sollten wegen ihrer geringen Leistungsfähigkeit und ihrer Unzuverlässigkeit nicht mehr verwendet werden. Sie erfüllen ohnehin nicht die aktuellen Anforderungen der StVZO z. B. an die Beleuchtungsstärke und dürften daher als Neuware nicht mehr in den Handel gebracht werden.

Damit der Scheinwerfer nicht ständig leuchtet, wenn er zusammen mit einem getriebelosen Nabendynamo betrieben wird, braucht er einen Schalter, der den Stromkreis öffnet und schließt. Es empfielt sich, einen Scheinwerfer zu wählen, der bereits über einen Schalter an seinem Gehäuse verfügt, damit man nicht einen separaten Schalter in die Stromleitung installieren muss. Manche Scheinwerfer haben zusätzlich einen „Dämmerungsschalter“: Eine lichtempfindliche Fotozelle am Scheinwerfer bewirkt ein selbsttätiges Ein- und Ausschalten, wenn es dunkel und wieder hell wird. Der zusätzlich vorhandene Schalter für das manuelle Ein- und Ausschalten sollte trotzdem nicht ignoriert werden, weil es zum Beispiel tagsüber bei Dunst und Nebel noch nicht dunkel genug für ein automatisches Einschalten ist, aber sich das Fahren mit Licht trotzdem anbietet.

Das Rücklicht

Hinten am Rad gibt es nie mehr durchgebrannte Glühbirnen (und keine durchgebrannten Scheinwerferbirnen als Folgeschaden) dank langlebigen Leuchtdiodenrücklichts, das stoßgeschützt am Gepäckträger montiert werden kann. Auch hier empfiehlt es sich unbedingt, ein Modell mit Standlichtfunktion zu wählen.

Die Verkabelung - am besten doppeladrig und mit Steckern

All die schöne Technik nutzt aber wenig, wenn die Kabel in weiten Schlaufen um den Rahmen hängen. Eine sorgfältige Verlegung unter Berücksichtigung des Lenkereinschlags (Kabel hier spiralig wickeln) ist daher notwendig.

Problematisch ist es auch,wenn der sogenannte Massekontakt nicht mehr gewährleistet ist. Der elektrische Strom, der zwischen Dynamo und Lampen durch das Fahrrad fließen soll, wird dabei an Übergangsstellen zwischen Rahmen, Schutzblechen und Gepäckträger unterbrochen. Ursache sind Rost, Schmutz und manchmal auch elektrisch nicht leitende Verbindungsteile an Schutzblechen und Gepäckträger. Eine doppeladrige Verkabelung löst das Problem, weil der Strom nicht mehr durch das Fahrrad fließen muss.

Unterbrechungen können auch an den Verbindungsstellen zwischen Leuchten und Kabeln einerseits sowie Dynamo und Kabeln andererseits auftreten. Zuverlässige Abhilfe schaffen spezielle Steckanschlüsse an Dynamos und Leuchten.

Batterielicht: Eine ernsthafte Lösung?

Manche Radfahrer, die des unzuverlässigen und kraftzehrenden Reifen-Dynamos alter Art überdrüssig sind, sehen in einer Batteriebeleuchtung das Ei des Kolumbus. Sie ahnen oftmals nicht, dass eine batteriegespeiste Beleuchtung auf ihre Art genauso fehleranfällig und wartungsbedürftig ist, wie die eingangs erwähnten mit Reifen-Dynamo betriebenen Lichtanlagen. Die kurze Batterielaufzeit in Halogen-Scheinwerfern, die Kälteempfindlichkeit von Batterien, die Empfindlichkeit von Akkus, aber auch die oftmals mangelhaften Anbaumöglichkeiten der Leuchten mit der Folge schlechter Sichtbarkeit seien beispielhaft erwähnt. Batteriebeleuchtung ist daher nichts für Leute, die eine möglichst wartungsarme Anlage suchen, die ihnen zuverlässig „Licht auf Knopfdruck“ liefert.

Sinnvoll (und erlaubt) ist ein nicht blinkendes batteriebetriebenes LED-Rücklicht zusätzlich zum nabendynamobetriebenen Rücklicht: Eine bessere Rundum-Sichtbarkeit und größere Auffälligkeit kann so leicht herbeigeführt werden. Besseres Sehen und Gesehenwerden würde auch ein guter batteriebetriebener LED-Scheinwerfer bewirken, der zusätzlich zur zuverlässigen Nabendynamo-Beleuchtung montiert wird. Zulässig im Geltungsbereich der StVZO ist es im Gegensatz zum zusätzlichen Rücklicht derzeit nicht (Stand Januar 2008).

Speichenreflektoren

Die traditionellen gelben Kunststoff-Reflektoren kranken häufig an dem Mangel zu spröden Materials und technisch unseriöser Befestigungselemente. Die Folge: Sie lösen sich, üblicherweise während der Fahrt, und verhelfen nun nicht mehr zu besserer Sichtbarkeit. Noch schlimmer: Sie können sich in der Vorderradgabel querstellen, das Laufrad blockieren und dem Fahrer zu einem bösen Sturz verhelfen.

Eindeutig zu bevorzugen sind daher neben dem reflektierenden Streifen in der Reifenflanke solche Reflektoren, die als Ring parallel zur Felge in die Speichen geflochten oder als Stäbchen (nun auch mit StVZO-Zulassung) auf die Speichen geschoben werden. Sie lösen sich nicht unbeabsichtigt und haben außerdem fahrdynamische Vorteile, denn im Gegensatz zu ihren gefährlichen und schwereren Verwandten neigen sie nicht dazu, eine Unwucht zu verursachen und damit das Fahrverhalten des Fahrrades ungünstig zu beeinflussen.

50 kg schwere Lkw-Räder werden notfalls mit 100-g-Gewichten ausgewuchtet, wenn die Lenkung zum "Flattern" neigt. Das mag verdeutlichen, weshalb der exzentrische Einbau von 20-g-Gewichten in Form gelber Kunststoff-Reflektoren in das 1 kg schwere Laufrad eines Fahrrades nicht als technisch seriös gelten kann.

 

Bitte beachten Sie:
Die in diesem Beitrag erläuterten Grundsätze werden aktualisiert und durch Abbildungen illustriert auf unseren separaten Seiten zum Thema Fahrradbeleuchtung.

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