Radfahrstreifen an der Sudbrackstraße in Gefahr

Von Thorsten Böhm (Text und Foto)

An der Nordseite der Sudbrackstraße (in Gellershagen) zwischen der Kreuzung Apfelstraße und der Kreuzung Grasweg/Am Meierteich hat die Stadt kürzlich (im Herbst 2006) ein kleines Stück Hochbordradweg mit einer baulich  angelegten Rampe als Überleitung zu einem Radfahrstreifen fertiggestellt, der seinerseits bereits durch eine ununterbrochene Linie von der Fahrbahn abmarkiert ist.

Die Bezirksvertretung Schildesche will diesen Radfahrstreifen wieder entfernen lassen und hat veranlasst , die Restarbeiten (Rotfärbung  und Piktogramme) einzustellen. Das der Presse zu entnehmende Motiv der Bezirksvertretung ist, Kunden der Bäckereifiliale „Lamm“ und Anwohnern das Parken zu ermöglichen. Ferner wurde aus der Bezirksvertretung das Argument gehört, auf einen Radfahrstreifen sei zu verzichten, da er ohnehin zugeparkt werde.

Der ADFC Bielefeld hat das Amt für Verkehr sehr dringend gebeten, den bereits erstellten Radfahrstreifen beizubehalten und die Restarbeiten wie geplant auszuführen. Der Anspruch, Kunden der Bäckereifiliale und  Anwohnern das Parken zu ermöglichen, hat hinter dem allgemeinen Recht  auf Verkehrssicherheit und im besonderen auf die körperliche Unversehrtheit nicht motorisierter Verkehrsteilnehmer zurückzustehen.

Warum ein Radfahrstreifen zwischen Apfelstraße und Grasweg?

Die Verkehrsbelastung mit rund 13.000 Kfz pro Tag erfordert aus Gründen  der Verkehrssicherheit einen Radfahrstreifen. Aufgrund der Verkehrsbelastung wäre selbst bei einem – vom ADFC nicht befürworteten – Verzicht auf den Radfahrstreifen das Parken auf der nördlichen Fahrbahnseite aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht vertretbar.

Der bereits gebaute beziehungsweise markierte Radweg/Radfahrstreifen  ist unentbehrlich als Lückenschluss für die bereits bestehenden Radverkehrsanlagen in der Sudbrackstraße. Dieser Abschnitt der  Sudbrackstraße wurde im Hinblick auf die im Zusammenhang mit der Fahrbahndeckensanierung zugesagte Einrichtung eines Radfahrstreifens in das Radverkehrsnetz NRW aufgenommen und dementsprechend eine amtliche Wegweisung nach der StVO angeordnet. Ohne diesen Radfahrstreifen wäre ein wichtiges Qualitätskriterium für die  Aufnahme in das Radverkehrsnetz nicht erfüllt. Ferner ist dieser Abschnitt des Radverkehrsnetzes Zubringer zu den Radfernwegen Wellness-Radroute und BahnRadRoute Weser-Lippe, die als touristische Qualitätsprodukte aus Gründen der regionalen Wirtschaftsförderung mit Hilfe öffentlicher Mittel initiiert wurden und weiterhin mit öffentlichen Mitteln unterhalten werden.

Die heutige Verkehrssituation hat hier bereits für eine Verdrängung  des Radverkehrs auf dieser wichtigen und alternativlosen Verbindung gesorgt. Als Quellen und Ziele des Radverkehrs seien hier beispielhaft aufgezählt: Jugendverkehrsschule, Abenteuerspielplatz, Sudbrackfriedhof, Sportplatz Am Meierteich, Geschäfte an der Sudbrackstraße und Apfelstraße zur Nahversorgung.

Des weiteren ist das bisher praktizierte Parken im Bereich der  Kreuzung Grasweg/Am Meierteich unzulässig: Es findet auch im unmittelbaren Knotenpunktbereich an der Sudbrackstraße statt und ist daher stark sichtbehindernd.

Das aus der Politik mitgeteilte Argument, auf einen Radfahrstreifen sei zu verzichten, da er ohnehin zugeparkt werde, ist nicht stichhaltig. Im selben Stadtbezirk zeigt das Beispiel Talbrückenstraße, dass ein ehemals gewohnheitsmäßig zugeparkter Radweg durch regelmäßige Kontrollen sehr wohl wirkungsvoll von Parkverkehr befreit werden kann.

Der ADFC Bielefeld hat auch mit dem Bezirksvorsteher Kontakt aufgenommen, um eine einvernehmliche Lösung herbeizuführen.

Mehr zu diesem Thema in den Bielefelder Radnachrichten:

2/2008

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