Konflikte im Kreisel

Der Kreisverkehr an der Schildescher Straße (vor der Neumarkierung der Kreisinsel). Fotos: Hansjörg Gerber

 

Von Thorsten Böhm

In den Radnachrichten haben wir bereits mehrfach darüber berichtet, dass Pkw-Fahrer, die auf der Schildescher Straße von Süden her in den Kreisverkehr am Stadtwerke-Hochhaus einfahren, überwiegend nicht die ihnen zugedachte asphaltierte Kreisfahrbahn benutzen. Statt dessen durchqueren sie den Kreisverkehrsplatz nahezu geradlinig und daher mit kaum verminderter Geschwindigkeit, wenn sie ihn auf der Schildescher Straße nach Norden wieder verlassen wollen.

Dabei benutzen sie die für Busse und Lkw gepflasterte Fläche der Kreisinsel und schneiden auf gefährliche Weise den Fahrweg von Radfahrern, die die Kreisfahrbahn im Bereich des Nordarms der Schildescher Straße befahren. Für diese Radfahrer kommen die Kraftfahrer nicht von hinten, sondern gleichsam von links. Letztlich führt dies zu Behinderungen und Gefährdungen sowie einer ungenügenden Akzeptanz des Kreisverkehrs bei Radfahrern, die daraufhin so illegal wie sorglos den Gehweg benutzen und an der Grundstücksausfahrt der Stadtwerke Unfälle provozieren.

Um diesem Problem zu begegnen, hat das Amt für Verkehr 2004 eine weiße Markierung um die Kreisinsel herum anbringen lassen. Dies hat zunächst für eine Besserung gesorgt. Leider ist dieser Effekt inzwischen verflogen und der vorherige Zustand wieder eingetreten. Des weiteren behindern Kraftfahrer die Einfahrt von Radfahrern in den Kreisverkehr von Süden her, indem sie den rechten Fahrbahnrand trotz des dort verlaufenden Schutzstreifens für den Radverkehr benutzen.

Daher hat der ADFC die Stadt erneut gebeten, die Behinderung und Gefährdung von Radfahrern in diesem Kreisverkehr zuverlässig zu unterbinden. Am 6. September 2006 hat der städtische Arbeitskreis Rad, an dem unter anderem Stadtverwaltung, Polizei und ADFC beteiligt sind, das Dilemma besichtigt. Dabei wurde folgendes beschlossen: Zunächst wird die teilweise abgefahrene Innenkreismarkierung wieder hergestellt. Darüber hinaus untersucht das Amt für Verkehr folgende Möglichkeiten:

  • Veränderung der Knotenpunktsgeometrie, damit Kraftfahrzeuge „rechtwinkliger“ in den Kreisverkehr einbiegen müssen.
  • Roter Beistrich oder Roteinfärbung des Schutzstreifens oder Fortführung des Radfahrstreifens bis zur Einmündung.
  • Ergänzendes Schild mit Hinweis für Kraftfahrer auf die Benutzungspflicht für die Asphaltfahrbahn und auf das Rechtsfahrgebot.
  • Markierungsbegleitende Nagelreihe an der Einfahrt (Abgrenzung Schutzstreifen) und im Innenkreis.

Einen positiven Effekt haben die schlechten Erfahrungen mit diesem Kreisverkehr bereits: Zukünftig will die Stadt bei ähnlichen kleinen Kreisverkehren die gepflasterte Mittelinsel nicht mehr niveaugleich mit der Fahrbahn, sondern etwas erhöht einbauen, damit sie nur noch von Bussen und Lastwagen überfahren wird und Pkw auf der Fahrbahn bleiben. Hoffen wir, dass das auch in diesen Zeiten wirksam ist, in denen Geländewagen und „SUVs“ nicht nur auf Kriegsschauplätzen und auf Großwildsafari benutzt werden, sondern auch den zivilen Straßenverkehr bereichern.

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