Toter Winkel

Von Thorsten Böhm

Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern, was erst recht dann gilt, wenn diese nur höchstens vier mal im Jahr erscheint, wie die Radnachrichten. In der Ausgabe 3/2004 hatten wir noch optimistisch von einem Vorstoß der Bundesregierung berichtet, ab Januar 2005 in Deutschland alle neuen Lkw ab 3,5 Tonnen mit einem vierten Außenspiegel auf der rechten Seite zur Verringerung des gefährlichen toten Winkels ausstatten zu lassen. Nach einer Übergangsfrist sollten auch alte Fahrzeuge nachgerüstet werden müssen. Ein paar Tage nach Erscheinen unseres Blattes kam die kalte Dusche.

Berlin hatte sich auf ein Gebiet gewagt, das erst im Januar 2004 von der EU mit einer Richtlinie beregelt worden war, wobei Brüssel größere Sichtfelder für Lkw verbindlich erst ab Januar 2007 und auch nur für Neufahrzeuge ab 7,5 Tonnen vorsieht. Die EU-Kommission lehnte, wie fast zu befürchten, den deutschen Plan mit der Begrndung ab, hier werde in einen harmonisierten Bereich eingegriffen:Weil ein vierter Außenspiegel nicht EU-weit Pflicht ist, darf er auch in Deutschland nicht gefordert werden.

Da die entsprechenden Spiegel bereits erhältlich waren und die Industrie in Erwartung einer neuen Rechtslage in Deutschland noch mal tüchtig produziert hat, gibt es für Lkw-Halter keinen vernünftigen Grund mehr, diese nicht trotzdem zu montieren und auf einen echten Sicherheitsgewinn zu verzichten. Kostenpunkt: etwa 150 Euro für einen Wagen. Das sollte nicht zuviel sein.

 

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