Denn sie wissen nicht, was sie tun ...

Von Thorsten Böhm

Immer noch hoch ist die Zahl der Radfahrer, die mit mangelhafter Beleuchtung unterwegs sind und damit sich selbst und andere gefährden. Häufige Ursache ist die bei vielen Rädern schlechte Qualität der Lichtanlage. Nicht zuletzt von der Polizei wird dies immer wieder beklagt.

In ihrem großen Bericht „Mit Rixe-Rad auf Streife“ berichtete die „Neue Westfälische/Bielefelder Tageblatt“ am 7. Januar 2004 auf der Seite „Stadtteile Heepen/Mitte/Stieghorst“ über ein Dienstfahrrad der Bielefelder Polizei und krönte den Beitrag mit der Aussage, das Vehikel sei „sicherheitstechnisch ... auf dem aktuellen Stand“.

Dynamo als akustischer Signalgeber

Der arglosen Leserschaft präsentierte sie ein vierspaltig gedrucktes Foto des Rades, das insbesondere eines zeigt: Es repräsentiert den mangelhaften und längst überholten Sicherheitsstandard der 1970er Jahre: Der Dynamo einfacher Bauart (geringer Wirkungsgrad, Durchrutschen am Reifen), der Scheinwerfer ohne Halogenlicht (geringe Leuchtstärke, kein Standlicht), das Glühbirnchen-Rücklicht (anfällig gegen Durchbrennen, fehlendes Standlicht) und die fehlende Doppelverkabelung (daher keine zuverlässige elektrische Verbindung) sind typisch für die Leistungsschwäche und Unzuverlässigkeit vieler Fahrradbeleuchtungen. Da passt es ins Bild, dass ein Polizeibeamter launig zum Besten gibt, der lautstarke Dynamo ersetze ein Signalhorn.

Ein Tipp vom ADFC: Problemlösungen (Nabendynamo mit Halogenscheinwerfer und LED-Rücklicht, beide mit Standlichtfunktion) sind bereits seit Jahren im Fachhandel erhältlich und auch an alten Rädern leicht nachrüstbar.

Chance vertan

Bei aller Sympathie für die liebevolle Pflege des alten Dienstrades:„Neue Westfälische“ und Polizei hätten einen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten können,wenn sie bei ihren Lesern nicht den falschen Eindruck erweckt hätten, ein Rad mit 70er-Jahre-Beleuchtung zeige den aktuellen Stand einer verkehrssicheren Ausstattung. Schließlich käme auch kaum jemand auf die Idee, bei einem Auto aus den 1970er Jahren zu behaupten, es sei sicherheitstechnisch auf dem Laufenden. Die Auto-Fahrberichte in der „Neuen Westfälischen“ sind in dieser Hinsicht jedenfalls vorbildlich.

Es geht auch anders

Auch ist uns nicht erinnerlich, dass die Bielefelder Polizei bei ihrer Aufklärungskampagne gegen Wohnungseinbrüche ähnlich konsequent wie in diesem Bericht der „Neuen Westfälischen“ Großvaters Buntbart-Türschloss als Krone der Haussicherheitstechnik preist. Ihre Kollegen in Paderborn sind auf dem Laufenden: Bei den Paderborner Zweirad-Tagen im Februar informierten sie die Besucher über Nabendynamos. 

 

Möchten Sie sich selbst über zeitgemäße Beleuchtung informieren oder andere charmant auf dieses Thema aufmerksam machen?Im ADFC-Infoladen gibt es Postkarten und eine 16-seitige Broschüre gratis. Bildnachweis: AGFS NRW e.V.

© 2020 ADFC Stadtverband Bielefeld e. V.