Umbau der Feilenstraße

Von Thorsten Böhm

Wie erst kurz vorher aus der Presse zu erfahren war, legte das Amt für Verkehr der Bezirksvertretung Mitte (BV) für ihre Sitzung am 6. Februar 2003 eine Beschlussvorlage vor, derzufolge der Radverkehr auf der Nordseite der Feilenstraße auf einem Hochbord-Radweg zwischen Parkstreifen und Gehweg geführt werden sollte. Den gleichen Vorschlag wollte es am 18. Februar 2003 dem Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss (UStA) machen, der abschließend über diese Angelegenheit zu entscheiden hatte.

Aus zahlreichen Untersuchungen ist bekannt, dass die Führung des innerstädtischen Radverkehrs auf Hochbord-Radwegen eine häufige Ursache für Kollisionen zwischen Radfahrern und Kraftfahrern ist. Hierbei ist insbesondere die Beteiligung abbiegender Kraftfahrer auffällig.

Die Planung

Der Verwaltungsvorschlag enthielt weitere Details, die unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit mehr als bedenklich sind:

  • Zwischen Fahrbahn und Radweg befindet sich ein Parkstreifen. Kraftfahrer, die von Osten (Willy-Brandt-Platz) her kommend nach rechts in Grundstückseinfahrten abbiegen, haben keine Möglichkeit, hinter den abgestellten Kfz nahende Radfahrer wahrzunehmen.
  • Kraftfahrer, die von Westen her kommend nach links in Grundstückseinfahrten abbiegen, haben bei noch größerer Entfernung zum Radweg umso weniger die Möglichkeit, nahende Radfahrer wahrzunehmen. Hinzu kommt, dass ihre Aufmerksamkeit durch Kfz-Gegenverkehr in Anspruch genommen wird und sie im Interesse eines zügigen Räumens der Fahrbahn in der Regel mit höherer Geschwindigkeit abbiegen.
  • Kraftfahrer, die aus Grundstücken auf der Nordseite der Straße ausfahren, haben wegen des Fußgängerverkehrs eine eingeschränkte Sicht auf nahende Radfahrer und wegen abgestellter Kfz keine Sicht auf die Fahrbahn. Sie sind gezwungen, auf dem Radweg anzuhalten, um an der Sichtlinie den Kfz-Querverkehr zu beobachten.
  • Das Einschleifen des Hochbord-Radweges am Ende des Parkstreifens birgt weitere Risiken, da sich der Radweg bis dahin nicht im Sichtfeld der Kraftfahrer befindet.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein Radweg, der durch einen Parkstreifen von der Fahrbahn getrennt ist, aufgrund seiner gravierenden Sicherheitsdefizite auch als Kompromisslösung nicht tragbar ist. Abzuwägen waren die Verlegung einer Fernwärmeleitung oder ein Verzicht auf Bäume
im Parkstreifen.

Radfahrer hinter parkenden Autos – so gefährlich hätte es zukünftig an der Feilenstraße kommen können. Foto: Thorsten Böhm

 

Der ADFC mischt sich ein

Daher hat der Vorstand des ADFC Bielefeld an die Politiker in BV und UStA appelliert, einem derartigen Vorschlag nicht zu folgen und sich nachdrücklich für einen Radstreifen entlang der Fahrbahn einzusetzen: Nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse an dieser Stelle die mit großem Abstand sicherste Lösung.

Der ADFC Bielefeld hat hierzu Briefe an die Fraktionen in BV und UStA geschrieben und Gespräche mit verschiedenen Politikern von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen, sämtlich Mitglieder der BV beziehungsweise des UStA geführt. Ferner hat der ADFC entsprechende Briefe an die Verwaltung (Beigeordneter Moss, Dezernat Bauen und Planen; Fahrradbeauftragter Gerber, Amt für Verkehr) geschrieben.

Außerdem hat der Vorstand eine E-Mail-Aktion ins Leben gerufen, bei der er und verschiedene Aktive Leserbriefe an die Lokalpresse geschrieben haben. Zwei davon wurden tatsächlich abgedruckt …

Die Entscheidung

Nachdem im Vorfeld SPD und Bündnisgrüne noch zu einem Hochbordradweg tendierten, hat die BV Mitte am 6. Februar 2003 mehrheitlich den Verwaltungsvorschlag abgelehnt und für einen Radstreifen plädiert. Die SPD hatte auf dieser Sitzung zunächst einen Hochbordradweg favorisiert, ihre Haltung aber aufgegeben, nachdem Bündnisgrüne und CDU sich dagegen aussprachen. Die Verwaltung verzichtete nunmehr darauf, auch dem UStA einen Hochbordradweg vorzuschlagen. Der UStA hat in seiner Sitzung am 18. Februar 2003 beschlossen, einen Radstreifen anlegen zu lassen.

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