Fahrradreifen und die griechische Antike

Von Thorsten Böhm

Einige unserer Leserinnen und Leser werden schon herzhaft geflucht haben: Das Montieren und Demontieren von „Schwalbe Marathon“-Reifen auf schmaleren Felgen mit ausgeprägtem Haken (einwärts gewandte Haltekante an der Innenseite der Felgenschulter, die das gefährliche Abspringen des Reifens verhindern soll) kann zu einer rechten Würgerei ausarten. Lädierte Finger und beschädigte Schläuche sind die beklagenswerten Opfer dieses ungleichen Kampfes. Laokoon läßt grüßen.

Nach Auskunft von Werkstätten unserer Fördermitglieder tritt dieses Problem bei dem bis 2002 hergestellten „Marathon“-Standardmodell ohne besondere Zusatzbezeichnung wie „Plus“, „Sport“, „Cross“ oder „XR“ auf. In den Breiten 28 mm und 32 mm ist der Reifen besonders störrisch. Der Grund: Hersteller Bohle hat die Drahtringe in den Kanten der Reifendecke etwas zu knapp dimensioniert.

Seit 2002 ist das Nachfolgemodell im Handel, unter anderem daran zu erkennen, dass es eine vorgeschriebene Laufrichtung hat, die durch einen Pfeil und das Wort „Drive“ auf der Reifenflanke angezeigt wird. Da der alte „Marathon“ wegen seiner Robustheit noch vielfach im Gebrauch ist, geben wir hier einige Hinweise, die den Umgang mit diesem Widerborst und anderen problematischen Felge-Reifen-Kombinationen erleichtern können.

Goldene Regeln

  • Bei Montage oder Demontage ein wenig Schmierseife auf Felgenschulter und Reifenkante auftragen. Der Reifen rutscht dann besser. Hat das Rad Felgenbremsen, bitte die Seife nach der Arbeit sorgfältig von der Felgenflanke entfernen.
  • Zum Abdecken der Speichennippel ein nicht elastisches Felgenband verwenden, das unbedingt vollständig im Tiefbett der Felge liegen muss.
  • Die flachen gelben „Michelin“-Reifenheber gestatten es im Gegensatz zu vielen anderen handelsüblichen Modellen, auch in sehr schmale Spalte zwischen Felge und Reifen zu fassen. Mindestens drei Stück sollte man verwenden, um den Reifen an mehreren Stellen anheben und besser (de)montieren zu können. An dieser Stelle sei mal wieder davor gewarnt, Metall-Reifenheber oder gar Schraubendreher zu verwenden: Eine gute Voraussetzung, um Felge und Schlauch zu beschädigen. 

Helfen auch in kniffligen Fällen: die gelben Michelin-Reifenheber. Foto: Claudia Matz

Wichtige Einzelheiten zu diesem Thema in den Bielefelder Radnachrichten 1/2004

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