Beschilderung von touristischen Routen im Radverkehrsnetz NRW

Von Heinz-Gustav Dingerdissen

Mittlerweile sieht man sie in unserer Gegend überall, die primär für Alltagsradler bestimmten Pfeil-, Tabellen- und Zwischenwegweiser des Radverkehrsnetzes NRW, erkennbar an der roten Schrift auf weißem Grund. Welche Bedeutung haben diese Wegweiser für Freizeitradler, die auf einer örtlichen Radroute, einem Radfernweg oder einer touristischen Themenroute unterwegs sind? Dieser Artikel gibt die Antwort.

Radverkehrsnetz NRW in unserer Region nun beschildert

Vor einem Jahr berichtete Thorsten Böhm in den Radnachrichten Nummer 78 ausführlich über das Radverkehrsnetz NRW. Anlass des Berichtes war die Aufstellung des landesweit ersten Wegweisers des Netzes in Oerlinghausen unter tatkräftiger Mithilfe aus Politik und Verwaltung. Inzwischen ist die Beschilderung in der Stadt Bielefeld und den angrenzenden Kreisen Gütersloh und Lippe abgeschlossen. Rund 800 Kilometer Radwege dieser Region wurden mit über 3 500 Pfeil-, Tabellen- und Zwischenwegweisern ausgestattet. Bis das Radverkehrsnetz NRW in ganz Nordrhein-Westfalen einheitlich beschildert ist, werden noch zwei Jahre vergehen.

Die Grundidee

Durch die neuen Wegweiser wird es insbesondere für ortsunkundige Radler einfacher, auf kurzen und direkten Wegen von einer Stadt oder Gemeinde zur anderen, ins Zentrum oder zum Bahnhof zu gelangen. Mit roter Schrift auf weißem Grund zeigen die rechteckigen Pfeil- oder Tabellenwegweiser die Richtung und Entfernung zur nächsten Nachbarkommune als Fernziel und – darunter – zu dem dazwischen liegenden Ort oder Ortsteil als Nahziel. Noch nicht gesehen? Schauen Sie mal nach oben. Meist hängen die Wegweiser höher als man denkt.

Zur Bestätigung der Routenführung dienen entlang der Strecke quadratische Zwischenwegweiser mit Fahrradsymbol und Richtungspfeil.

 

Pfeilwegweiser mit Richtungs- und Entfernungsangaben von Fernziel (oben) und Nahziel (unten), darunter als Einschübe die Piktogramme der hier verlaufenden touristischen Routen. Foto: Heinz-Gustav Dingerdissen 

 

 

Zwischenwegweiser: Gilt für alle hier verlaufenden Routen und ersetzt deren Schilder. Foto: Heinz-Gustav Dingerdissen

 

Weitere Informationsquellen

Wer sich näher über das Radverkehrsnetz NRW informieren will, kann erneut den Artikel in den Radnachrichten Nummer 78 lesen, ins Internet unter www.radverkehrsnetz.nrw.de schauen oder sich im ADFC-Infoladen während der Öffnungszeiten die kostenlose Karte des Radverkehrsnetzes NRW für die Stadt Bielefeld holen. Restexemplare der Radnachrichten Nummer 78 haben wir dort auch noch.

Bedeutung des Radverkehrsnetzes NRW für Freizeitradler

Freizeitradler sind häufig auf örtlichen Radrouten (in Bielefeld BI 1 bis BI 10), Radfernwegen (wie R 3, R 47) oder Themenrouten (zum Beispiel Wellness-Radroute oder die drei Bahn-Radrouten Teuto-Senne, Weser-Lippe und Hellweg-Weser) unterwegs. Bei der Konzeption dieser touristischen Routen stehen andere Dinge als bei den Routen des Radverkehrsnetzes NRW im Vordergrund. Statt auf kurze und direkte Wege von einer Stadt oder Gemeinde zur anderen oder ins Zentrum legt der Freizeitradler eher Wert auf möglichst schöne Routen abseits des Verkehrs. Dafür werden schon mal Umwege in Kauf genommen. Hieraus folgt, dass diese touristischen Routen allenfalls streckenweise, aber kaum durchgängig, auf den Routen des Radverkehrsnetzes NRW verlaufen.

Umlernen bei der Schildersuche

Bisher ist es der Radler auf einer touristischen Route gewohnt, auf der gesamten Route nach dem entsprechenden Schild Ausschau zu halten, sei es als Beispiel BI 1, R 47 oder Bahn-Radroute Teuto-Senne. Abseits der Routen des Radverkehrsnetzes NRW bleibt es auch dabei. Trifft die touristische Route aber auf eine ausgeschilderte Route des Radverkehrsnetzes NRW und führt auf dieser weiter, muss der Radler umlernen:

Wo es weiter geht, zeigt das Piktogramm der touristischen Route, das als Einschub unter dem entsprechenden Pfeil- und Tabellenwegweiser hängt. Auf dem weiter oben gezeigten Foto eines Pfeilwegweisers sind als Einschübe die drei touristischen Routen BI 9, Radwege zur Weserrenaissance und Bahn-Radroute Teuto-Senne zu sehen. Alle drei verlaufen in Richtung Fernziel Gütersloh bis auf weiteres auf der entsprechenden Route des Radverkehrsnetzes NRW.

Schilderbäume adé

In Richtung des Pfeilwegweisers ersetzen nun die quadratischen Zwischenwegweiser des Radverkehrsnetzes NRW die Schilder aller hier verlaufenden touristischen Routen. Damit sollen die häufig entstandenen „Schilderbäume“ abgebaut werden.

Auch wenn der Radler sich eine Zeit lang an den Wegweisern des Radverkehrsnetzes NRW orientiert, darf er das Piktogramm der touristischen Route, auf der er fahren möchte, nie vergessen. Bei jedem Pfeil- oder Tabellenwegweiser sollte er sich zunächst vergewissern, dass unter dem Wegweiser der Richtung, aus der er kommt, das Piktogramm seiner touristischen Route hängt. Nur so kann er sicher sein, dass er an diesem Standort noch richtig ist und getrost nach der weiterführenden Richtung Ausschau halten. Diese erkennt er wieder am Piktogramm als Einschub.

Irgendwo wird die touristische Route, der der Radler folgen möchte, die Routenführung des Radverkehrsnetzes NRW verlassen. An dieser Stelle hängt dann das bekannte Schild der jeweiligen touristischen Route. Jetzt gilt es, der Pfeilrichtung dieses Schildes zu folgen und alle Pfeil-, Tabellen- oder Zwischenwegweiser des Radverkehrsnetzes NRW, die in eine andere Richtung weisen, zu ignorieren.

Nehmen wir als Beispiel wieder unser oben gezeigtes Foto eines Pfeilwegweisers und betrachten wir das Einschub-Piktogramm der Bahn-Radroute Teuto-Senne. Aus Richtung Fernziel Gütersloh kommend sehen wir, dass diese BahnRadRoute zwar an diesem Standort ankommt (was ja beruhigend ist), aber im Gegensatz zu den beiden anderen touristischen Routen BI 9 und Radwege zur Weserrenaissance nicht in Richtung des Pfeilwegweisers mit Fernziel Bielefeld weiterführt. Offensichtlich verläßt die BahnRadRoute Teuto-Senne hier die Route des Radverkehrsnetzes NRW. Und nun heißt es das Schild der BahnRadRoute suchen. Schön wäre es, wenn es direkt hier am Pfahl hängen und die weitere Richtung zeigen würde. Das ist augenscheinlich nicht der Fall. Wenn es nicht böse Buben entfernt haben, finden wir es aber in Sichtweite, meist in der Richtung, in der es weitergeht. Weiteren Schildern der Bahn-Radroute folgen wir dann wie gewohnt.

Alles wird gut

Glauben Sie mir: Künftig der Ausschilderung von Radfernwegen und anderen touristischen Routen im Radverkehrsnetz NRW zu folgen, ist einfacher als diesen Artikel zu schreiben. Auf Radtouren gewöhnt man sich schnell an die neue Systematik der Beschilderung. Wir Ostwestfalen haben als Vorreiter (besser Vorradler) in NRW die Chance, schon jetzt zu üben.

Drei Hinweise aus der Praxis

Die Entfernungsangaben für Fern- und Nahziele auf den Pfeil- oder Tabellenwegweisern gelten nur für die Routen des Radverkehrsnetzes NRW. Weicht eine touristische Route von dieser Streckenführung zeitweise oder endgültig ab, sind auch die Entfernungen zum Ziel andere.

Bei der nächsten Beschilderungskontrolle müssen die Ausschilderer von touristischen Routen in unserer Region noch einiges verbessern. Sei es, dass sie nach der neuen Systematik überflüssige Schilder entfernen oder dass sie auch künftig notwendige Schilder am gleichen Standort wie die Schilder des Radverkehrsnetzes NRW anbringen.

Schicksal der R-Wege

Bei den zunächst noch bestehen bleibenden Radfernwegen R 3 und R 47 kümmern sich zur Zeit Aktive des ADFC Bielefeld darum, im Stadtgebiet Bielefeld Beschilderungsmängel aufzuzeigen und unnötige Abweichungen vom Radverkehrsnetz NRW festzustellen. Bei dieser Gelegenheit sollen auch die unzumutbaren Streckenabschnitte des R 3 im Bereich Haller Weg/Einschlingen und des R 47 im Moorbachtal entfallen. Mehr hierzu in den Bielefelder Radnachrichten 2/2003

© 2020 ADFC Stadtverband Bielefeld e. V.