Call A Bike

Von Thorsten Böhm

Nach dem finanziellen Schiffbruch des Münchener Mietradprojektes „Call A Bike“ hat die Bahntochter DB Rent Teile der bisherigen Betreiberfirma übernommen und im Oktober 2001 mit zunächst rund 1000 „Callbikes“ in München einen Neuanfang gewagt. Nach Abschluss der Pilotphase im Frühjahr 2002 soll „Call A Bike“ als Regelangebot von DB Rent weiter geführt werden. Es ist vorgesehen, in größeren Städten und touristischen Zentren Mieträder durch selbständige Unternehmer (Franchise-Nehmer) anbieten zulassen.

Die Fahrräder stehen nach Angabe von DB Rent in München am Hauptbahnhof und an vielen größeren Straßenkreuzungen innerhalb des Mittleren Ringes bereit. Sobald die einmalige Registrierung des Kunden unter der gebührenfreien „Service-Hotline“ (0800-5 22 55 22) abgeschlossen ist, kann er die „Callbikes“ jederzeit mieten.

Foto: Thorsten Böhm

Wie es gemacht wird und was es kostet

Ausleihe und Rückgabe werden telefonisch abgewickelt und sollen jeweils 30 Sekunden dauern.

Abgerechnet wird ausschließlich bargeldlos über Kreditkarte oder Bankeinzug. Die Nutzung kostet im Normal-Tarif 1,80 Euro Grundgebühr pro Fahrt zuzüglich 0,03 Euro Zeitgebühr für jede Nutzungsminute. Die Zeitgebühr beträgt höchstens 15,- Euro je 24 Stunden. Maßgebend ist der Zeitraum zwischen dem Ausleih- und dem Rückgabeanruf. Wird das Rad länger benutzt, gilt nach 24 Stunden wiederdie Zeitgebühr von 0,03 Euro pro Minute bis zum erneuten Erreichen des Höchstbetrages von 15,- Euro. Im sogenannten Aktiv-Tarif entfällt die Grundgebühr von 1,80 Euro pro Fahrt und man zahlt nur die Zeitgebühr. Dafür sind einmalig 20,- Euro für 12 Monate zu berappen. Wer die Bahn-Card hat, fährt automatisch im Aktiv-Tarif.

Für Langzeitmiete gelten Sondertarife, zum Beispiel 60,- Euro für eine Woche.

Nach der erstmaligen Anmeldung als Kunde werden 15,- Euro von der Kreditkarte (entsprechend einer Mietdauer von 7:20 Stunden im Normal- bzw. 8:20 Stunden im Aktiv-Tarif) abgebucht. Falls dieser Betrag nicht verbraucht wird, wird das Guthaben gleichwohl nicht erstattet.

Eine spontane Ausleihe ist nur bei Abbuchung von einer Kreditkarte möglich. Wer die Mietgebühren per Bankeinzug zahlen möchte, muss zunächst die „Service-Hotline“ anrufen und seine Kontonummer angeben. DB Rent überweist innerhalb von fünf Tagen 0,10 Euro und gibt als Verwendungszweck eine Telefonnummer an, die vom Kunden angerufen werden muss, um die Kundenummer zu aktivieren. Danach werden 15,- Euro abgebucht (siehe oben).

Zur Rückgabe schließt man das „Callbike“ an einer größeren Straßenkreuzug innerhalb des Mittleren Ringes an einem festen Gegenstand an und teilt den Standort über die „Service-Hotline“ mit. Nach telefonischer Rücksprache kann man das Rad auch außerhalb des Mittleren Ringes zurückgeben. Dies kostet 10,- Euro extra, wenn der Rückgabeort in München liegt oder einen nach Aufwand berechneten (höheren) Preis, wenn dieser Ort sich außerhalb der Stadtgrenzen befindet.

Die Räder sind mit einem Schloss ausgestattet, das sich durch Eingabe eines Codes öffnen lässt, der telefonisch mitgeteilt wird.

Ausstattung der Räder

Ich hatte auf einer Werbeveranstaltung die Gelegenheit zu einer kostenlosen Probefahrt. Die Räder sind vollgefedert und verfügen über eine Achtgang-Kettenschaltung und zwei Handbremsen (Shimano-“Rollerbrakes“). Eine offene „Gepäckschale“ mit Spanngurten erlaubt es, kleinere Gegenstände wie Handtasche oder Tagesrucksack über dem Hinterrad zu befestigen. Fahrradpacktaschen hingegen können nicht eingehängt werden.

Fazit

Ihre Ausstattung prädestiniert die Räder für gemütliche Kurzstreckenfahrten, nicht jedoch für längere Touren oder gar das Fahren in bergigem Gelände. Dies und nicht zuletzt auch die Höhe der Mietgebühren machen „Call A Bike“ für Radreisende uninteressant. Es ist daher keine Alternative zur Fahrradmitnahme und kann entgegen mancher Verlautbarung aus DB-Kreisen diese nicht ersetzen sondern allenfalls ergänzen.

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