Verkehrsunfallzahlen 2012 in NRW

Von Thorsten Böhm

Am 24. Januar 2013 gab der ADFC Bielefeld dem Hörfunk von WDR 2 ein Interview. Anlass war die Veröffentlichung der Verkehrsunfallzahlen 2012 für NRW durch das Landesinnenministerium. Danach sind 2012 landesweit 81 Radfahrer bei Verkehrsunfällen zu Tode gekommen. Das waren 12 mehr als im Vorjahr 2011 (+ 17,4%). Die Gesamtzahl der Verkehrstoten 2012 in NRW sank im Vergleich der Jahre 2011 und 2012 von 634 auf 526 (- 17,0%).

Der ADFC Bielefeld machte gegenüber dem WDR darauf aufmerksam, dass jeder getötete Radfahrer einer zuviel ist. Für eine ernsthafte Ursachenforschung müsse man aber die Zahl der getöteten Radfahrer über mehrere Jahre hinweg und zudem auch im Verhältnis zum gesamten (gestiegenen) Radverkehrsaufkommen sehen sowie zu den radverkehrsbeeinflussenden Wetterverhältnissen im jeweiligen Jahr. 

Langjähriger Vergleich aufschlussreicher

So habe sich die Zahl der in NRW getöteten Radfahrer in den Jahren 2007 bis 2012 schwankend zwischen 69 (2011) und 82 (2008) pro Jahr bewegt. Die Zahl von 81 im Jahr 2012 bewege sich damit noch im Rahmen der Vorjahre. Wegen des positiven "Ausreissers" nach unten (69) im Jahr 2011 und der insgesamt relativ niedrigen Ausgangszahl komme es 2012 zu einer hohen prozentualen Steigerung. 

Zudem sei 2012 weitgehend schneefrei gewesen, während es 2011 sowohl in den ersten als auch in den letzten Monaten winterliche Straßenverhältnisse mit Schnee und Eis gegeben habe. Das habe 2012 für viele Radfahrer zu einer gegenüber 2011 deutlich verlängerten "Fahrradsaison" und zu einem Anstieg der Radnutzung insgesamt geführt. Trotzdem sei die Zahl der insgesamt verunglückten (d.h. getöteten und verletzten) Radfahrer im Vergleich 2011/2012 um gut 5% zurück gegangen, ebenso die Zahl der (nicht tödlich) verletzten Radfahrer. 

Infrastruktur an die geänderten Radverkehrsverhältnisse anpassen

Auffällig sei zudem, dass 47 der 81 (d.h. 58%) im Jahre 2012 in NRW der getöteten Radfahrer 65 Jahre und älter gewesen seien. Es mache sich hier eine verstärkte Radnutzung auch unter älteren Menschen bemerkbar, unterstützt durch Benzinpreisauftrieb und Elektrofahrräder sowie generell höhere Lebenserwartung und demografischen Wandel. Bei älteren Menschen sei indes - statistisch gesehen - die Wahrscheinlichkeit geringer,  die Verletzungsfolgen eines Verkehrsunfalls zu überleben. 

Wichtig sei aber nach ADFC-Ansicht, der insgesamt gestiegenen Radnutzung und der Radnutzung durch ältere Menschen bzw. mit Elektrorädern auch durch eine Verbesserung der vielerorts unzureichenden Radinfrastrukur zu begegnen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. 

"Rüpel-Radler"-Klischee nicht hilfreich

Das immer wieder bemühte "Rüpel-Radler"-Klischee - so der ADFC Bielefeld - helfe nicht bei der Entspannung des Verkehrsklimas und der Erhöhung der Verkehrssicherheit. Zum einen sei überhaupt nicht feststellbar, dass Radfahrer sich in stärkerem Maße regelwidrig verhielten als andere Verkehrsteilnehmer. Zum anderen sage das Klischee auch nichts über die tatsächlichen Ursachen von Radfahrerunfällen aus.

So seien die den "Rüpel-Radlern" häufig vorgeworfenen Regelwidrigkeiten (Rotlichtverstoß, Fahren gegen die Einbahnstraßenrichtung, Fahren auf Gehwegen, Fahren ohne Licht) zwar oftmals ärgerlich und rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Als Unfallursachen indes seien sie völlig unauffällig.

Hingegen ereigneten sich die meisten Unfälle unter Beteiligung von Rad- und Kraftfahrern dann, wenn Kfz in/aus Nebenstraßen sowie Grundstücksein- und Ausfahrten ein- und ausbiegen. Hier sei mehr Rücksichtnahme und vorausschauendes Handeln erforderlich. Übrigens sei nach langjährigen Aufzeichnungen der Unfälle von Rad- und Kraftfahrern nahezu konstant über alle Jahre hinweg in rund zwei Dritteln der Fälle das Verhalten des Kraftfahrers unfallursächlich gewesen. 

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