„Gestricheltes Niemandsland“ oder Schutzraum?

Von Thorsten Böhm 

Die "Neue Westfälische" berichtete am 20. Juli 2010 unter der Überschrift „Auto- und Radfahrer auf einer Spur“ am Beispiel der Vilsendorfer Straße in Jöllenbeck über Verunsicherung bei Rad- und Autofahrern: Gestrichelte Linien grenzen Schutzstreifen für Radfahrer von der übrigen Fahrbahn ab.

Radweg Ende? Der rote Radweg im Vordergrund endet, ein Schutzstreifen schließt sich an. Foto: Thorsten Böhm
Radweg Ende? Der rote Radweg im Vordergrund endet, ein Schutzstreifen schließt sich an. Foto: Thorsten Böhm

Radwege abseits der eigentlichen Fahrbahn vermitteln subjektiv oft ein Gefühl der Sicherheit, sind aber objektiv in vielen Fällen mit Sicherheitsrisiken behaftet, denn Radfahrer werden dem Blickfeld der Kraftfahrer auf der Fahrbahn entzogen und von diesen nicht mehr wahrgenommen.

An Einmündungen und Grundstückszufahrten treffen die beiden dann "überraschend" aufeinander, wenn Kraftfahrer abbiegen wollen, und es kommt nicht selten zu Unfällen. Rund zwei Drittel der Unfälle zwischen Radfahrern und Kraftfahrern ereignen sich an solchen Stellen. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist es gerade in der Stadt vorteilhafter, mit dem Rad im Fahrbahnbereich zu fahren.   

Sicherer Radfahren auf der Fahrbahn mit Schutzstreifen

Eine Möglichkeit der Radverkehrsführung auf der Fahrbahn sind Radfahrer-Schutzstreifen, die von der restlichen Fahrbahn mit einer unterbrochenen Linie abmarkiert werden. Diese Schutzstreifen kann die Stadtverwaltung dann einsetzen, wenn die Straße zu schmal ist, um einen richtigen Radfahrstreifen (mit einer nicht unterbrochenen Linie) zu markieren.

Schutzstreifen sollen 1,50 m breit markiert werden (Mindestmaß 1,25 m) und Autofahrern den Bereich verdeutlichen, in dem Radfahrer sich aufhalten. Die Markierung darf - im Gegensatz zu dem Radfahrstreifen - bei Bedarf auch überfahren werden, z.B. wenn sich Lkw oder Busse begegnen oder Radfahrer einander überholen wollen. 

Kein Mehrzweckstreifen

Es handelt sich jedoch nicht um Mehrzweckstreifen oder "Kombispuren" für Rad- und Kraftverkehr. Pkw sollen die Markierung in der Regel gar nicht überfahren, und daher werden die Schutzstreifen an beiden Fahrbahnseiten so markiert, dass zwischen ihnen genug Platz bleibt, dass Pkw sich auf der restlichen Fahrbahn begegnen können. Auch beim Warten vor einer roten Ampel dürfen Autos nicht den Schutzstreifen in Anspruch nehmen. 

Sicherheitsabstand beachten

Wichtig bleibt, dass Autofahrer beim Überholen von Radfahrern den notwendigen seitlichen Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern einhalten. Das kann dazu führen, dass sie vor dem Überholen den Gegenverkehr abwarten müssen, weil der dieser Sicherheitsabstand größer ist als der vom Schutzstreifen angedeutete Raum.  

Die Erfahrungen in Städten, die Schutzstreifen bereits ausprobiert haben, stimmen optimistisch: Autos fahren langsamer und halten ausreichend Abstand, die Unfallzahlen sinken. Radfahrer sind komfortabler unterwegs und bleiben auch nicht mehr im Autostau stecken.

Alles klar?

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