Pressemitteilung: Verbände enttäuscht von der beschlossenen Umgestaltung des "Schildplatzes"

31.05.20

neue Hindernisse in der Rad-Vorrang-Route von Eilendorf und Brand in die Innenstadt

Am Freitag, den 29.05.2020 haben mehrere Fahrrad-, Umwelt, und Fußgänger-Verbände die folgende Pressemitteilung versendet.

 

Der "Schildplatz", der gar nicht so heißt und der auch eher ein "Schildplätzchen" ist, verbindet die Harscamp- mit der Schildstraße. Hier verlaufen die geplanten beiden Radvorrangrouten aus Brand und Eilendorf sowie ein Premium-Fußweg aus dem Frankenberger Viertel parallel über die Fläche. Bei der gestern im Mobilitätsausschuss beschlossenen Variante wird der ganze Bereich zum Gehweg mit "Radverkehr frei"-Beschilderung. Das führt oft zu Situationen, die sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer und insbesondere für Sehbehinderte als störend oder gar gefährlich empfunden werden. Jeder muss sich einen Weg suchen und je erfolgreicher die Routen werden, desto größer wird das Chaos. Konflikte zwischen allen Verkehrsteilnehmenden sind also vorprogrammiert. Die erwünschte Verkehrswende, die lebenswerte Innenstadt erreicht man bestimmt nicht, indem man besonders Fußgänger und Radfahrende behindert. Die Beschilderung "Gehweg, Radverkehr frei" ist gemäß den Regelwerken EFA [1] und RASt06 [2] bei so stark frequentierten Stellen und insbesondere bei Hauptverbindungen des Radverkehrs „generell ungeeignet“.

 

Die Umwelt-, Rad- und Fußgänger-Verbände hatten im April einen Vorschlag zur Trennung des Rad- und Fußverkehrs an Verwaltung und Politik verschickt, in dem die Rad-Vorrang-Route als Fahrradstraße und der Premium-Fußweg parallel nebeneinander und unterbrechungsfrei über das „Schildplätzchen“ führen. Da, wo sich Wege kreuzen, bekommen die Fußgänger per Zebrastreifen Vorrang gegenüber den Radfahrern. So weiß jeder, wo er hingehört, und Konflikte werden vermieden. Die Führung als Fahrradstraße erlaubt es zudem, Radfahrern entlang der Rad-Vorrang-Route Vorfahrt vor dem Autoverkehr zu gewähren. Wir sind enttäuscht, dass in der Bezirksvertretung Mitte und im gestrigen Mobilitätsausschuss stattdessen eine Variante beschlossen wurde, die diesen Konfliktbereich beibehalten oder sogar noch verschärfen wird.

 

Die jetzt getroffene Entscheidung ist umso unverständlicher, weil in Aachen an anderen Stellen mit deutlich größeren Fahrbahnquerschnitten, z.B. Pontstraße oder Fußgängerzone Burtscheid, in der Vermischung von Rad- und Fußverkehr ein so großes Problem gesehen wird, dass man in der Politik beschlossen hat, den Radverkehr dort komplett zu unterbinden. Wir sehen in der beschlossenen Variante einen Widerspruch zu vorangegangenen politischen Beschlüssen zur Realisierung eines Netzes von zügig zu befahrenden Rad-Vorrang-Routen, um insbesondere Pendler vom Auto auf das Fahrrad zu locken. Darüber hinaus widerspricht der aktuelle Beschluss mehreren Kernzielen des Radentscheids Aachen, die bereits vom Rat der Stadt Aachen beschlossen worden sind, z.B.:

 

Ziel 1 (durchgängiges Routennetz; Radhauptverbindungen unterbrechungsfrei und baulich vom Fußverkehr getrennt),

 

Ziel 2 (Kreuzungen mit Priorität auf Sicherheit und zügigem Vorankommen für Fuß- und Radverkehr bei grundlegenden Umbaumaßnahmen) sowie

 

Ziel 4 (Radfahrflächen deutlich durch rote Farbe vom übrigen Straßenraum abgesetzt, Geh- und Radwege werden baulich getrennt, Führung eindeutig und unterbrechungsfrei).

 

Wir fordern daher, dass im weiteren Planungsprozess die beschlossene Variante deutlich überarbeitet wird, um dem Rad-Vorrang-Routen-Netz auch im Bereich des Schild“platzes“ gerecht zu werden. Der Entwurf der Verbände [3] (s. Anlage 5 der Stellungnahme) wäre hierfür eine gute Grundlage, um alle Belange zu vereinen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Marvin Krings, 1. Vorsitzender ADFC Aachen e. V.
Anne Stockmeyer, ADFC Aachen - Stadtteilgruppe Eilendorf
Daniel Herding, „Fahrradfreundliches Brand“
Matthias Salb, „Fahrradfreundliches Frankenberger Viertel“
Günter Mänz, „Fahrradfreundliches Haaren“
Peter Struben, Sprecher Landesverband NRW FUSS e.V.

 

[1] Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen (EFA)

[2] Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen (RASt 06)

[3] Stellungnahme zur Planung der Rad-Vorrang-Route im Bereich „Schildplatz“ vom 14.04.2020



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