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Stellungnahme von VCD, Projektwerkstatt Fahrradfreundliches Brand, Bürgergruppe Fahrradfreundliches Eilendorf, Fahrradfreundliches Frankenberger Viertel und ADFC zum Beschluss Einrichtung Fahrradstraße in der Lothringerstraße

20.03.19

Die Verbände und Initiativen begrüßen, dass der Mobilitätsausschuss der Stadt Aachen das Projekt Rad-Vorrang-Routen weiter vorantreibt und die Lothringerstraße nun auf ganzer Länge zur Fahrradstraße umgebaut werden soll. Damit aber der Straßenabschnitt nicht nur auf dem Papier eine Fahrradstraße ist, sondern auch als solche von allen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird und entsprechend wirkt, sind ergänzend zu den bisher beschlossenen Punkten folgende Maßnahmen erforderlich:

1. Weitere Reduzierung des KFZ-Verkehrs
Die von der Verwaltung prognostizierten verbleibenden 225 Kfz/h in der Spitzenzeit werden von
den Verbänden als zu hoch eingeschätzt. Die in der RASt06 angegebene Höchstgrenze von 4.000
Kfz/Tag (= ca. 400 Kfz/Spitzenstunde) gelten für einen Querschnitt mit Kfz-Verkehr in beiden
Richtungen, was pro Fahrtrichtung 2.000 Kfz/Tag (= ca. 200 Kfz/Spitzenstunde) entspricht. Für die
Lothringerstraße als Einbahnstraße sollten also 2.000 Kfz/Tag bzw. 200/Kfz/Spitzenstunde die
Obergrenze sein.


Daher sind weitere Maßnahmen zur Reduzierung der KFZ-Verkehrsmengen erforderlich. Hier
könnten geschwindigkeitsdämpfende Maßnahmen für Kfz umgesetzt werden, die jedoch nicht
zur Behinderung des Radverkehrs führen dürfen. Ohne Geschwindigkeitsdämpfung wird sich der
KFZ-Verkehr voraussichtlich zu häufig an der derzeitigen Geschwindigkeit von 50km/h
ausrichten.


Grundsätzlich ist es problematisch und mit einer Fahrradstraße bzw. der Radvorrangroute nicht
vereinbar, dass die Lothringerstraße nicht nur den Anliegerverkehr, sondern in Fahrtrichtung
Innenstadt weiterhin auch den Durchgangsverkehr in Richtung Normaluhr aufnehmen soll. Dies
muss spätestens in einem zweiten Schritt unterbunden werden, z.B. durch die Sperrung der
Einfahrt für Kfz von der Oppenhoffallee aus.


2. Markierung
Roteinfärbung der Fahrbahn analog zum Beschluss für die obere Lothringerstraße


3. Vorbeifahrspur Ampel Wilhelmstraße
An der Ampel bilden sich regelmäßige Rückstaus. Damit der Radverkehr in beiden
Fahrtrichtungen den wartenden KFZ-Verkehr sicher, komfortabel und schnell passieren kann,
sind bauliche Maßnahmen erforderlich wie z.B. eine bauliche getrennte Fahrradspur.


4. Ladezonen
Damit der weiterhin erforderliche Ladeverkehr nicht auf der Fahrbahn parkt, sind in ausreichend
engem Abstand Ladezonen einzurichten (siehe Bürgervarianten von Mai 2019 Kap. 7)


5. Phasenanzeigen und Haltebretter
Vorgezogene Phasenanzeigen (s. Seite 21 Bürgerantrag) sowie sogenannte Haltebretter (s. Seite
22 Bürgerantrag) sind Sekundärfaktoren für attraktiven Radverkehr. Sie sind zwar nicht
notwendig, um eine sicherer Fahrradstraße zu betreiben, aber verstärken den Charakter einer
Rad-Vorrang-Route. Es sind zwei Maßnahmen, die kostenmäßig nicht relevant sind, keine
weiteren Einschränkungen für die übrigen Verkehrsteilnehmer bringen, aber voraussichtlich für
den meisten positiven Gesprächsstoff sorgen. Der Modellcharakter der Route wird dadurch
positiv über Mund-zu Mund Propaganda weitergetragen und macht die Menschen neugierig auf
die Route.


6. Konzept "Abstellplatz für alle Arten von Fahrrädern"
Mit der Planung ist gleichzeitig auch ein Konzept für das sichere Abstellen von Fahrrädern aller
Art notwendig. Dabei ist auch der zukünftige Bedarf für Ladestationen und das Abstellen von ERollern
zu berücksichtigen. Das Konzept ist rechtzeitig der Anwohnerschaft vorzustellen, damit
Anregungen und Wünsche noch eingearbeitet werden können.


Die meisten der aufgeführten Punkte sind in dem Bürgervorschlag vom Mai 2019 zur unteren
Lothringerstraße ausführlicher beschrieben, der von den Verbänden und Initiativen im Vorfeld
Verwaltung und Politik vorgelegt wurde.


Wir möchten die Politik und die Verwaltung ermutigen, nach dem ersten wichtigen Entschluss im
nächsten Schritt auch die aufgeführten weiteren Maßnahmen zu beschließen. Eine gute Gelegenheit
hierzu ist die kommende Sitzung der Bezirksvertretung Mitte am Mittwoch, 03.07.2019.


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