Radfahrende besonders gefährdet

30.03.20
Kategorie: Unna, Kreisverbände, Sicherheit, Verkehr

V.l.: Leitender Polizeidirektor Peter Schwab (Abteilungsleiter Polizei), Polizeirat Stephan Werning (Leiter Direktion Verkehr) und Landrat Michael Makiolla (Leiter der Kreispolizeibehörde Unna) Foto: Kreispolizei Unna



Die meisten Radler sterben durch rechtsabbiegende Lkws


Unfallzahlen im Kreis Unna veröffentlicht

Im letzten Jahr gab es laut der Verkehrsunfallstatistik 2019 im Kreis Unna 8.616 Unfälle. Damit stiegt die Unfallzahl gegenüber dem Vorjahr minimal an. Problematisch ist jedoch das deutliche Ansteigen der Schwerverletzten und der Getöteten. Bei den acht Getöteten handelt es sich um fünf Fußgänger*innen, zwei Autofahrer*innen und einen Radfahrer.

 

Radfahrende besonders gefährdet

Neben den Zufussgehenden sind die Radfahrenden eine besonders gefährdete Gruppe. Rund 20 Prozent aller Verunglückten sind Radfahrer*innen. Rechnet man die Pedelec-Nutzer hinzu, kommt man sogar auf knapp 24 Prozent.  Bedenkt man, dass Radfahrende laut der Mobilitätsbefragung des Kreises Unna lediglich einen Anteil von gut 12 Prozent aller Verkehrswege zurücklegen, machen diese Zahlen sehr nachdenklich.

Gott sei Dank sind die hohen Unfallzahlen bei radfahrenden Kindern nach dem dramatischen Anstieg im letzten Jahr wieder auf das Niveau der Vorjahre zurückgegangen. Eine Erklärung für den Riesenanstieg im letzten Jahr konnte seitens der Polizei nicht genannt werden. Bei den pedelecfahrenden Senioren über 65 Jahre ist für das letzte Jahr kreisweit ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Dies liegt wohl an der stark gesteigerten Nutzung dieser neuen Radform. Eine besonderen Gefährdung durch das elektrisch unterstützte Rad sieht die Polizeibehörde jedoch nicht. Der Anstieg der Verkehrsunfälle fällt mit etwa 14 Prozent geringer aus, als es die Verkaufszahlen befürchten ließen. 

 

Falsche Schuldzuweisung in Richtung Radfahrende

Die Aussage der Unfallstatistik: „In ca. 40 % dieser Verkehrsunfälle mit Personenschaden wurde der Unfall durch Radfahrer verursacht bzw. mitverursacht.“ muss kritisch kommentiert werden. Mit dieser Formulierung wird das schuldhafte Verhalten der Radfahrenden nach vorn gestellt. Rein mathematisch müsste der Focus allerdings auf den 60 Prozent-Anteil gelegt werden, bei dem die Radfahrenden die Opfer sind und die Schuld woanders zu suchen ist.

Massiver Ausbau der Fahrradinfrastruktur notwendig

Um der Vision Zero, dem Ziel von Null Verkehrstoten im Straßenverkehr näher zu kommen, fordert der ADFC Kreisverband einen massiven Ausbau der Fahrradinfrastruktur. Das Angebot für Radfahrende besteht aus einem gefährlichen Flickenteppich veralteter, viel zu schmaler Radwege, die oftmals nachträglich auf der bestehenden Fahrbahn markiert wurden. Diese fehlende Priorisierung des Radverkehrs spiegelt sich auf tragische Weise in den Unfallzahlen wider. 

Geschützte Radfahrstreifen geben Sicherheit

Das Sicherheitsgefühl auf dem Fahrrad entscheidet darüber, ob Menschen Rad fahren oder nicht. Um die Sicherheit der Radfahrenden zu erhöhen, sind breite und geschützte Radwege (Protected Bike Lanes) notwendig - die Radfahrende mit physischen Barrieren vor dem Autoverkehr schützen.  

Kreuzungen stellen Unfallschwerpunkte dar

Um Kreuzungen zu entschärfen, müssen Radfahrende im Sichtbereich des Kfz- und des Lastkraftwagenverkehrs geführt werden. Getrennte Ampelphasen für Abbieger und Geradeausfahrer und mehr Tempo 30-Zonen sind wichtige Maßnahmen, um die Sicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer zu erhöhen. Auch muss der Mindestabstand von 1,50 Meter innerstädtisch beim Überholen von Radfahrenden kontrolliert und mit Bußgeld geahndet werden.

Lkw-Abbiegeassistenten zur Pflicht machen 

Eins der Hauptprobleme im Fahrradalltag ist eine unzureichende Radinfrastruktur in Kombination mit rechts abbiegenden Autos oder Lastkraftwagen. Nicht selten enden diese Unfälle tödlich oder mit lebenslangen Verletzungen. Um Unfälle dieser Art zu verhindern fordert der ADFC einen verpflichtenden Einsatz von Abbiegeassistenten und ein deutliches Umdenken in der Verkehrsplanung.

 

 

Download der Unfallstatistik 2019 der Kreispolizeibehörde Unna


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