Gottfried Sielmann steht an seinem Rad vor der "höchstgelegenen Cafeteria der Welt" auf rund 5.600 Metern

 

Kaffeepause über den Dächern der Welt

Gottfried Sielmann fährt mit dem Rad 750 Kilometer durch die Hochgebirgslandschaft von Kaschmir - (Quelle : NW vom 7.10.2011)

VON EKKEHARD WIND

Schlamm. Nichts als Schlamm auf der Bergstraße. Die erste Etappe seiner 750 Kilometer langen Mountain-Bike-Tour durch Kaschmir hatte sich Gottfried Sielmann etwas anders vorgestellt. Und der Pass in 4.000 Metern Höhe war noch zehn Kilometer entfernt. Aber der Engeraner ließ sich keineswegs entmutigen.

"Der Monsunregen und der Schlamm machten das Befahren der Pass-Straße unmöglich", sagt der Engeraner rückblickend. Also schulterte der durchtrainierte Physiotherapeut kurzerhand sein Rad und stapfte an der langen Lkw-Schlange vorbei Richtung Gipfel. Nach etlichen Stunden hatte er die Passhöhe erreicht. "Ab da lief die Tour reibungslos", erzählt der Engeraner schmunzelnd.

Hatte er sich vor vier Jahren Tibet für eine mehrwöchige Radtour ausgesucht, so zog es ihn jetzt nach Kaschmir. Mit dem Flugzeug gelangte er zunächst nach Delhi, in die Metropole Indiens. Mit dem Bus ging es weiter in den Norden des Landes, nach Kaschmir.

In der Stadt Manali, 1.800 Meter hoch gelegen, startete er seine Radtour. Ihn reizte neben der sportlichen Herausforderung vor allem die Chance, eine fremde Kultur kennenzulernen. "Ich bin dieses Mal auch nicht in einer Gruppe unterwegs gewesen, sondern allein, um einfach mehr mit Einheimischen in Kontakt zu kommen", sagt der Engeraner.

Ganz allein war er aber nicht. "Die tägliche Etappe bin ich ohne Begleitung gefahren, abends stieß der Fahrer eines Jeeps dazu, der Zelt, Ersatzrad, Verpflegung und Gepäck transportierte." Mit im geländetauglichen Begleitauto saß ein Koch, der abends auf seinem kleinen Gaskocher leckeres Essen für die Drei zauberte. "Das war richtig klasse."

16 Tage saß Sielmann im Sattel, durchquerte Gebirgszüge des Himalaya, quälte sich auf den höchsten befahrbaren Pass (5.606 Meter) und genoss die steilen Abfahrten. "Man muss schon sehr fit sein", sagt Sielmann, der sich Zuhause mit einem speziellen Kraft- und Radtraining auf die abenteuerliche Tour vorbereitet hatte. Aber das allein reicht nicht: "Vieles ist Kopfsache. Man darf einen Pass nicht zu schnell angehen, sondern muss auf seinen Körper hören", berichtet er von seinen Erfahrungen.

Trotz des täglichen Pensums auf dem Rad blieb genug Zeit, mit Mönchen, Dorfbewohnern oder Straßenarbeitern, die kaputte Fahrbahnen notdürftig reparierten, auf Englisch ins Gespräch zu kommen. Und es gab Gelegenheit, alte Klosteranlagen und Dörfer anzuschauen, "in denen die Zeit stehen geblieben zu sein schien".Ein Kontrastprogramm dazu waren Dörfer, die der Tourismus geprägt hat. "Beim Dorfpolizisten musste ich zunächst bezahlen, um Fotos im Ort machen zu dürfen."

"Wenig grün, dafür sehr steinig, trocken und schroff", beschreibt Sielmann seine Eindrücke von der Landschaft im Hochgebirge. "Die Gegend, die Kultur und die Art zu leben ist für einen Westeuropäer sicherlich fremd, für mich aber sehr reizvoll", sagt Gottfried Sielmann.Seine vielfältigen Eindrücke will der Engeraner mit anderen teilen. In zwei Vorträgen wird er über seine 16-tägige Mountain-Bike-Tour berichten und eine Auswahl seiner schönsten Bilder zeigen: am 21. Oktober um 19 Uhr im Gemeindehaus OlPö und am 11. November um 19 Uhr im TVC-Heim in Enger

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Dokument erstellt am 06.10.2011 um 19:56:03 Uhr

Letzte Änderung am 06.10.2011 um 19:56:37 Uhr

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