Radeln auf historischen Pfaden

Heimische ADFC-Mitglieder legten in drei Wochen 2.390 Kilometer zurück / Länder an der Ostsee besucht

VON KARIN WESSLER (Quelle - NW vom 13.7.2012)

Begeistert waren Hans-Hermann Göhner, Uwe Schröter, Wilhelm Büscher und Walter Witte (v.l.) von dem Charme dieser historischen Hansestadt.

Auf dem Marktplatz in Riga

Enger. "Es war eine sehr schöne Tour, wir haben viele historische Städte gesehen. Es gab keine Unfälle und keinen Speichenbruch", zieht Hans-Hermann Göhner vom ADFC Enger Bilanz. Drei Wochen lang war die Gruppe unterwegs. Von Enger aus waren die Radler über Berlin, Danzig, Riga, Tallinn in Estland und Helsinki in Finnland drei Wochen auf Tour und legten in 131 Stunden reiner Fahrzeit 2.390 Kilometer zurück. Das einzig Negative waren die lästigen Begleiter: Fast ständig wurde die Gruppe von Mücken umschwärmt.


Zu siebt fuhr die Gruppe in Enger los. Doris Brinkmann aus Spenge, Marianne Rullkötter aus Herford und Kurt Holzapfel aus Spenge begleiteten Uwe Schröter aus Herford, Walter Witte aus Oerlinghausen, Wilhelm Büscher aus Bünde und Hans-Hermann Göhner auf den ersten 450 Kilometern bis nach Berlin. Über Hannover fuhr die Gruppe zunächst nach Brandenburg. "Da war Havelfest, und wir fanden kein bezahlbares Quartier." Zufällig machten die Radler Bekanntschaft mit einem Mann, der ihnen seine Datscha für die Übernachtung zur Verfügung stellte. "Wir haben abends noch ein schönes Grillfest gefeiert – ein echtes Highlight", erinnert sich Göhner gerne. Der weitere Weg führte zum Schloss Sanssouci und über die Glienicker Brücke nach Berlin, hier machte die Gruppe am Brandenburger Tor Station. Göhner: "Da haben wir auch eine Stadtrundfahrt mit dem Rad unternommen."

Hier schmolz die ADFC-Gruppe auf ein Quartett zusammen. "Von Berlin aus ging es nordwärts zum Oder-Radweg." Richtung Stettin. In Polen und später auch in Litauen, Lettland und Estland waren die heimischen Radfreunde positiv von der Infrastruktur überrascht. "Wir waren erstaunt, wie viele gute Hotels es gab. Das mitgenommene Zelt haben wir gar nicht gebraucht." Zudem sei die Tour finanziell recht günstig gewesen; zumindest in Polen, Litauen und Lettland. "Die Esten haben den Euro als Währung, da war es nicht mehr ganz so preiswert."

Besonders in Polen habe es in jeder noch so kleinen Ortschaft Tante-Emma-Läden gegeben. "Die hatten sogar sonntags und bis spät abends auf. Da konnten wir uns mit allem eindecken." Und eine weitere Erfahrung machten die vier Radfahrer, die sich zwischendurch gern mal ein Stück Kuchen gönnten: Der wird in Polen abgewogen. "Da werden die Stücke auf Wunschgröße geschnitten."

Lange Strecken legte das Quartett auf dem Ostsee-Radweg zurück. Hinter Kolberg führte der Weg dann wieder landeinwärts. "Da gab es weite Landschaften und die so typischen Alleen prägten das Bild. Aber die Straßenverhältnisse waren doch sehr gewöhnungsbedürftig", erinnert sich Göhner noch gut. Pommern habe er sich nicht ganz so hügelig vorgestellt. "Da ging es rauf und runter. An einem Tag haben wir mal 1.061 Höhenmeter zurück gelegt."Begeistert waren alle von der Stadt Sopot. "Das ist ein ganz mondäner Badeort, mit herrlichem Strand und tollem Flair." Weiter ging es nach Danzig mit einer historischen Altstadt. Mit einer Fähre ließen sich die vier Radler über die Weichsel bringen. "Das hier ist ein richtig breiter Fluss."

Die Industriestadt Elbing war das nächste Ziel. "Hier gehören zu jedem Haus ein Storchennest, eine Mauer oder ein Zaun und zwei kläffende Hunde", berichtet Göhner schmunzelnd. Aber die vielen – jungen – Störche in den Nestern zu beobachten sei ein Erlebnis gewesen.

An den vielen Seen in Masuren vorbei ging es von Sulvaki nach Jeleniewo. "Über eine von vielen Lkw befahrenen Autostraße fuhren wir nach Litauen hinein", berichtet Göhner weiter. Kaunas, eine schöne alte Hansestadt mit historischem Kern, war das erste Ziel. An kleinen Privatständen boten die Menschen an der Straße Pilze oder unterschiedliche Beeren zum Kauf an. "Das war typisch hier." Über Jedgava, einer "Universitätsstadt mit Charme", wie Göhner findet, fuhr die Gruppe weiter nach Riga. "Diese Stadt hat uns wieder total begeistert." Viele historische Gebäude machten ihren Reiz aus. Und auch die "Bremer Stadtmusikanten", die in Bronze gegossen vor dem Rundfunkgebäude stehen.

Auf dem Ostseeküstenradweg fuhren die ADFC-ler weiter bis Tallinn in Estland. "Hier waren sehr viele Touristen. Wie auch in Riga machen in dieser Hafenstadt viele Kreuzfahrtschiffe fest." Mit dem Schnellboot fuhr das Quartett in nur 85 Minuten über die finnischen Meerbusen nach Helsinki. "Es war der Wunsch von Walter Witte, noch einmal eine Runde im Stadion zu laufen." Vor 50 Jahren sei er als Jugendlicher schon mal hier gewesen. Er hatte Glück: Die Pforten standen auf und der 66-Jährige könnte sich seinen Wunsch erfüllen. "Das war ein Erlebnis für ihn."

Mit einer Fähre kehrten die ostwestfälischen auf deutschen Boden nach Travemünde zurück. Sie radelten noch bis Lübeck und setzten sich hier in den Zug, der sie wohlbehalten in die Heimat brachte.

Dokumenten Information
Copyright © Neue Westfälische 2012
Dokument erstellt am 13.07.2012 um 19:27:40 Uhr
Letzte Änderung am 13.07.2012 um 19:28:27 Uhr


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