Antworten der Kreis Heinberger Parteien in der Reihenfolge des Rücklaufes

1. Sichere Rad- & Gehwege vs. Parkplätze im öffentlichen Raum, wie lösen Sie diesen häufig empfundenen Widerspruch?

FW

"vs.“ heißt ja im „Gegensatz“ oder „gegenüber“.

Die Frage bezieht sich somit auf alle Parkplätze im öffentlichen Raum. Hier differenzieren wir zwischen Parkplätze im Innenstadtbereich und außerhalb dieses Bereiches. Da der Kreis nur geringfügig Parkplätze in Städten und Gemeinden anbietet, beleuchten wir daher vor allem den Bereich außerhalb der geschlossenen Ortschaften. Der Kreis Heinsberg hat eigene innerörtliche Parkplätze vor allem im Bereich der eigenen Einrichtungen. Wie z.B. bei den kreiseigenen Schulen. Diese Parkplätze wurden beim Bau der Gebäude durch die damals geltende Stellplatzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen vorgeschrieben und berechnet. Diese ist jetzt durch die neue Landesbauordnung ersetzt worden. Diese sieht vor, dass die Städte und Gemeinden und nicht der Kreis, eine eigene kommunale Stellplatzverordnung durch den Rat beraten und beschließen. Der Kreis hat also keinen Einfluss auf den Bau eigener notwendiger Stellplätze.

Der Kreis könnte natürlich für die notwendigen Stellplätze an den Objekten, diese in den Ortsrandbereich verlagern, wenn gleichzeitig gewährleistet ist, dass mit einem Buspendeldienst die Besucher der kreiseigenen Immobilien zu den Kreiseinrichtungen gelangen. Das wäre eine Aufgabe, die sinnvollerweise mit den zuständigen Kommunen durchgeführt würden. In Heinsberg z.B. für die Stellplätze des Kreisgymnasiums, der Kreisverwaltung, der VHS und weiterer Einrichtungen. In Heinsberg würden wir so wichtige Flächen im Innenstadtbereich für die Fahrradnutzung und die Rückführung dieser Flächen als wichtiger Beitrag zur ökologischen Nutzung brauchen. An diesen neuen Parkplätzen muss auch ein entsprechender Fahrradverleih vorhanden sein. Auch Lastenfahrräder. Busse sollten elektrifiziert sein oder auf Wasserstoffbasis fahren. Die WEST, mit Ihrer Verkehrssparte, würden wir auffordern, hierzu Ihren Beitrag zu leisten. Fahrrad- und Fußwege in die Innenstadt müssen entsprechend ausgebaut sein. Auch mit Kreismitteln. Dies muss begegnungsfrei zum motorisierten Individualverkehr sein. Ähnlich wie in den Niederlanden oder Kopenhagen. Die Unfallgefahr wird dadurch reduziert. Gut ausgebaute Fuß- und Radwege erhöhen deutlich die Attraktivität und Lebensqualität in der Innenstadt und reduzieren signifikant Abgas- und Geräuschemissionen.

Der Kreis soll nach unserer Meinung die Stadtplanung der einzelnen Kommunen mit einer kreisweitern Landes- und Regionalplanung unterstützen. Kommunen die das nicht unterstützen, sollen in der Kreisumlage eine Sonderabgabe zur Planung eines fahrradfreundlichen Kreises veranlagt werden. Mit dieser Sonderabgabe soll der Kreis in diesen Orten eine fahrradfreundliche Infrastruktur erstellen, einschl. der außerörtlichen Parkplätze.

SPD

Gehwege - und wo erforderlich auch Radwege - haben an den Straßen Vorrang vor Parkmöglichkeiten für PKW. Parkflächen können auch abseits der Fahrbahnen geschaffen werden.

FDP

Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer sehen wir grundsätzliche nicht als Gegner. Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich als Partner gegenseitig akzeptieren und sich rücksichtsvoll begegnen. Dieses beinhaltet, dass der „stärkere“ Partner Rücksicht auf den Schwächeren nimmt. Dies bedeutet u. a., dass Fuß- und Radwege nicht als Parkflächen missbraucht werden. Auf kommunaler Ebene ist erforderlich, dass Verstöße konsequent durch den Ordnungsdienst geahndet werden. 

Grüne

Bisher wurde dieser Widerspruch viel zu oft zugunsten des Autos entschieden. Wir möchten im öffentlichen Raum mehr Platz für Radfahrer und Fußgänger schaffen, auch zu Lasten des Autos.

Landrat Grüne: Ruth Seidl

Gerade in unseren Straßendörfern mit z.T. sehr engen Durchfahrten müssen die Parkplätze an zentrale Orte im Dorf verlegt werden, damit Geh- und Fahrradwege breiter gebaut werden können, um Fußgänger- und Fahrradfahrer*innen zu schützen. Dazu benötigen wir ein Modernisierungsprogramm für bestehende Radwege als auch für Lückenschlüsse (teilweise hören Radwege im Nichts auf) sowie eine klare Absprache zwischen den Baulastträgern Bund, Land, Kreis und Kommune, um gleiche Standards bei den Radwegen zu ermöglichen.

CDU / Landrat S. Pusch

Eine sichere Benutzung der innerörtlichen Rad- und Gehwege ist durch das zunehmende Parken auf den Straßen tatsächlich häufig nicht gewährleistet. Dieser Problematik wird durch entsprechende Beschilderung seitens der jeweils zuständigen Straßenverkehrsbehörde begegnet. Die Beschilderung zielt einerseits auf das Verhalten des Radfahrers bzw. des Fußgängers ab, andererseits natürlich auch auf den motorisierten Verkehr. An Gefahrenstellen und damit Unfallschwerpunkten werden ferner durch die Unfallkommission sinnvolle Maßnahmen initiiert und durchgeführt, z. B. bauliche Veränderungen, Abpollerungen, Markierungen, Anordnung von Halte- oder Parkverboten. Zu begrüßen sind sicherlich die Regelungsgedanken der StVO-Novelle hinsichtlich den neuen Abstandsregelungen zu den Zweiradfahrern sowie deutlich erhöhten Bußgeldern für das Parken auf Radwegen, Gehwegen, Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Diese dürften für die Radfahrer zu einem „mehr“ an Sicherheit führen.

Landrat SPD: R. Derichs

Gehwege - und wo erforderlich auch Radwege - haben an den Straßen Vorrang vor Parkmöglichkeiten für PKW. Parkflächen können auch abseits der Fahrbahnen geschaffen werden.

Landrat FDP: Dr. Klaus Wagner

Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer sehen wir grundsätzliche nicht als Gegner. Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich als Partner gegenseitig akzeptieren und sich rücksichtsvoll begegnen. Dieses beinhaltet, dass der „stärkere“ Partner Rücksicht auf den Schwächeren nimmt. Dies bedeutet u. a., dass Fuß- und Radwege nicht als Parkflächen missbraucht werden. Auf kommunaler Ebene ist erforderlich, dass Verstöße konsequent durch den Ordnungsdienst geahndet werden. 

 

2. Der Unterschied zwischen Tempo 30 und Tempo 50 kann im Unfall den entscheidenden Unterschied zwischen Unversehrtheit und schwersten Verletzung ausmachen. Wie stehen Sie dazu, zur Sicherung der Nahmobilität (Fußgänger und Fahrradfahrer) innerorts Tempo 30 einzuführen?

FW

Wenn die Vorschläge aus der Antwort zu Frage 1 umgesetzt würden, würde eine direkte Begegnung von Fahrradfahrern/Fußgänger mit dem motorisierten Individualverkehr auf ein geringes Maß reduziert.  Diese geringen Begegnungsorte sind sicherlich temporär auf geringe Geschwindigkeiten einzurichten. Leider existiert bei Tempo 30 ein ungünstiger Lastbereich bei Verbrennungsmotoren, der die Abgase deutlich gegenüber Tempo 50 ansteigen lässt. Der Begegnungsverkehr zwischen Fahrrädern und Fußgängern ist also drastisch zu reduzieren. In kritischen Bereichen soll eine temporäre Reduzierung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 erfolgen. Da hierfür aber vor allem die Kommunen zuständig sind und nicht der Kreis, ist die Initiative bei diesen zu sehen. Lediglich hat der Kreis ein Mitspracherecht bei Kreisstraßen in Kommunen. Den berechtigten Wünschen der Kommunen sollte man sich aber nicht entgegenstellen, wie das das Land bei der Durchgangsstraße in Hilfarth gemacht hat und rechtlich die Rückführung der Tempo 30-Regelung auf Tempo 50 durchgesetzt hat.

SPD

Innerorts, also dort wo Menschen wohnen, sollte ein Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h die Regel sein. Auf Durchgangsstraßen mit entsprechendem Abstand zur Wohnbebauung könnte eine höhere Geschwindigkeit erlaubt sein. Am besten wäre, wenn der Bundesgesetzgeber eine entsprechende generelle Regelung beschließen würde.

FDP

Tempo 30 in den Wohngebieten ist vielfach schon umgesetzt und auch sinnvoll. Sicherlich unterliegt die  Geschwindigkeitsregelung einer ständigen Überprüfung, so dass gegebenenfalls auf weiteren Strecken zur  Vermeidung von Gefahrensituationen die Anordnung von Tempo 30 erforderlich wird. Eine generelle  Festlegung auf Tempo 30 lehnen wir als nicht erforderlich ab.

Grüne

Wir möchten eine Umkehrung der aktuellen Lage und Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften. Damit ist kein generelles Tempolimit 30 gemeint. Vielmehr sollte in Zukunft überlegt werden, wo von der neuen Regel Tempo 30 abgewichen werden soll, weil Tempo 50 sinnvoll und vertretbar ist.

Landrat Grüne: Ruth Seidl

Ziel muss es sein, möglichst autofreie Innenstädte zu realisieren und das Auto so weit es geht aus der Innenstadt zu verbannen. Ansonsten muss rigoros gelten: Tempo 30 innerhalb von Orten und Tempo 70 auf Landstraßen als Regelgeschwindigkeit.

CDU / Landrat S. Pusch

In vielen innerörtlichen Bereichen gibt es bereits Zonen, in denen eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h vorgeschrieben ist. Ferner selbstverständlich an Straßenabschnitten mit Kindergärten, Schulen oder auch anderen Stellen, an denen vermehrt Fußgänger oder Fahrradfahrer unterwegs sind. Die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit muss durch Kontrollen von Polizei und Kreisordnungsamt weiterhin untermauert werden. Im Interesse der Sicherheit von Fahrradfahrern und Fußgängern und auch der von allen gewünschten Verkehrswende, ist davon auszugehen, dass die 30er-Zonen – dort, wo es Sinn macht – erweitert werden.

Landrat SPD: R. Derichs

Innerorts, also dort wo Menschen wohnen, sollte ein Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h die Regel sein. Auf Durchgangsstraßen mit entsprechendem Abstand zur Wohnbebauung könnte eine höhere Geschwindigkeit erlaubt sein. Am besten wäre, wenn der Bundesgesetzgeber eine entsprechende generelle Regelungbeschließen würde.

Landrat FDP: Dr. Klaus Wagner

Tempo 30 in den Wohngebieten ist vielfach schon umgesetzt und auch sinnvoll. Sicherlich unterliegt die Geschwindigkeitsregelung einer ständigen Überprüfung, so dass gegebenenfalls auf weiteren Strecken zur Vermeidung von Gefahrensituationen die Anordnung von Tempo 30 erforderlich wird. Eine generelle Festlegung auf Tempo 30 lehnen wir als nicht erforderlich ab.

 

3. Ein Radwegenetz muss geplant, gebaut, beschildert und gepflegt werden ? wie jede andere Verkehrsachse auch. Das kostet Geld und Personal. Welchen Betrag pro Bürger werden Sie im Haushalt für den Radverkehr ansetzen?

FW

Die Frage kann nur unseriös beantwortet werden, da ein Betrag pro Einwohner nicht am wirklichen Bedarf orientiert ist. Unsere Antwort bezieht sich daher auf die Gesamtfinanzierung. Aktuelle Zahlen über die Mittel, die für den Radwegeausbau und Radwegebetrieb zur Verfügung stehen, sind uns nicht bekannt. Dies werden wir bei der Verwaltung des Kreises Heinsberg anfragen. Grundsätzlich sollen so viele Mittel zur Verfügung gestellt werden, dass unsere Forderungen aus der Beantwortung der ersten beiden Fragen umgesetzt werden können. Klar zu trennen sind hier die unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche. Außerörtliche Verkehrswege und der notwendige Ausbau mit Fahrrad- und Fußwege, wird überwiegend Aufgabe des Kreises, des Landes und des Bundes sein. Der Ausbau bei diesen Wege soll initiiert werden durch den Kreis. Z. B. wie beim jetzt vorgesehenen Bau des Fahrradweges von Waldenrath nach Birgden.

SPD

Zunächst ist der Kreis ist für den Bau und den Unterhalt von Radwegen an den Kreisstraßen zuständig. Für mich gilt:

- Kein Neubau einer Kreisstraße ohne Radweg.
- Planung und rascher Neubau von Radwegen an Kreisstraßen, an denen noch keiner vorhanden ist.
- Kontinuierliche Instandhaltung von Radwegen an Kreisstraßen.

Wie für den Bau und die Instandhaltung von Kreisstraßen im Übrigen auch, sind die Haushaltsmittel im erforderlichen Umfang einzuplanen und keine Frage eines zuvor festgelegten Betrags pro Bürger oder Bürgerin.

FDP

Das touristische Radwegenetz ist im Kreisgebiet sehr gut. Sicherlich gibt es teilweise Verbesserungsbedarf was die Wegeführung bzw. die Ausschilderung betrifft. Hier sind die Hilfe und Anregungen der Nutzer immens wichtig. Die Bürgeranregungen sollten geprüft werden. Für Berufspendler bzw. Kunden der Einkaufsmärkte ist die Ausweisung eines Wegenetzes nicht erforderlich, da dieser Personenkreis sich den für sie richtigen Weg aufgrund eigener Erfahrungen suchen.

Grüne

Wir möchten ein leistungsfähiges Radwegenetz ausbauen und dazu zunehmend Mittel in einer Größenordnung verwenden, die in der Vergangenheit in den Straßenbau geflossen sind. Dieser Wechsel ist dringend notwendig, da es immer noch viele Kreisstraßen ohne dazugehörigen Radweg gibt. Wir wissen aus Erhebungen zum Radverkehr im Kreis Heinsberg, dass der mangelnde Komfort beim Radfahren und insbesondere der Zustand der Radwege ein großes Manko darstellen. Da muss im Sinne einer echten Verkehrswende deutlich mehr investiert werden.

Landrat Grüne: Ruth Seidl

Bei den jährlichen Ausgaben je Einwohner*in würde ich mich gerne am Vorbild  fahrradfreundlicher Städte wie Kopenhagen, Amsterdam oder Stuttgart orientierten. Wir müssen so viel in den Radverkehr investieren wie nötig, um eine Gleichstellung aller Verkehrsarten auch bei uns im ländlichen Raum zu erreichen. Und wir haben gerade jetzt die Chance, enorm viele Programme aus EU-, Bundes- und Landesmitteln abzuschöpfen.

CDU / Landrat S. Pusch

Eine Umrechnung auf einen Euro-Betrag je Bürger und damit einer vergleichenden Betrachtung der Kommunen und Kreise würde zu Verzerrungen der örtlichen und sachlichen Gegebenheiten führen. Der Kreis hat in seiner Zuständigkeit in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in die Verbesserung und den Ausbau der straßenbegleitenden Radwege investiert – dies wird auch in Zukunft der Fall sein. Auch im touristischen Bereich ist der Kreis seit vielen Jahren unterwegs:
- Aufbau, Ausbau und Unterhaltung des Radknotenpunktsystems
- Errichtung der sog. West-Bike-Route mit E-Bike-Ladestationen und Rastorten
- Ausbau des RurUfer-Radweges im Zuge des Projekts „Raderlebnis Rur“ unter dem Dach der "Grünmetropole“

Weitere in Planung befindliche Radwegeprojekte, bei denen der Kreis Heinsberg ebenfalls vertreten ist, erfolgen durch den Zweckverband Landfolge Garzweiler und dienen der Entwicklung eines optimierten Rheinischen Radreviers. Für alle diese Maßnahmen wurden und werden erhebliche Geldmittel investiert, und sie bedürfen eines hohen Personaleinsatzes, um sie umzusetzen – vor allem aber auch, um sie dauerhaft zu unterhalten.

Landrat SPD: R. Derichs

Zunächst ist der Kreis ist für den Bau und den Unterhalt von Radwegen an den Kreisstraßen zuständig. Für mich gilt:
- Kein Neubau einer Kreisstraße ohne Radweg.
- Planung und rascher Neubau von Radwegen an Kreisstraßen, an denen noch keiner vorhanden ist.
- Kontinuierliche Instandhaltung von Radwegen an Kreisstraßen.
Wie für den Bau und die Instandhaltung von Kreisstraßen im Übrigen auch, sind die Haushaltsmittel im erforderlichen Umfang einzuplanen und keine Frage eines zuvor festgelegten Betrags pro Bürger oder Bürgerin.

Landrat FDP: Dr. Klaus Wagner

Das touristische Radwegenetz ist im Kreisgebiet sehr gut. Sicherlich gibt es teilweise Verbesserungsbedarf was die Wegeführung bzw. die Ausschilderung betrifft. Hier sind die Hilfe und Anregungen der Nutzer immens wichtig. Die Bürgeranregungen sollten geprüft werden. Für Berufspendler bzw. Kunden der Einkaufsmärkte ist die Ausweisung eines Wegenetzes nicht erforderlich, da dieser Personenkreis sich den für sie richtigen Weg aufgrund eigener Erfahrungen suchen. Der Ansatz eines festen Haushaltsbetrages ist nicht möglich. Unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten sind im Rahmen eines sorgfältigen Abwägungsprozesses die Arbeiten festzulegen und zu finanzieren."

 

4. In der öffentlichen Meinung wird das Fahrrad noch häufig eher als ein Freizeitsportgerät angesehen und als Verkehrsmittel unterschätzt. Mit welchen Maßnahmen werden Sie in der Öffentlichkeit für das Fahrrad werben?

FW

Sobald ein deutlicher Ausbau und eine Instandsetzung des Radwegenetzes mit entsprechender Beschilderung erfolgt ist, wird die Attraktivität zu dessen Nutzung ebenfalls deutlich ansteigen und bedarf kaum neuer Werbung. Es können natürlich zur Initialzündung Kaufprämien, wie beim motorisierten Individualverkehr, angeboten werden. Hierzu gehören natürlich auch Lastenfahrräder oder elektromotorunterstützte Fahrräder. Die beste Werbung wird aber sein, wenn sich Arbeitgeber, Geschäftsleute, Handel und Tourismus auf den Personenkreis mit Fahrrädern einstellen.

Hierzu gehören entsprechende Abstellflächen, Reparaturservice (auch mobiler), Sanitärräume (z.B. mit Wasch- und Duschgelegenheiten), Leihsysteme, Trockenräume für nasse Kleidung und z.B. auch Liefersysteme im Handel bei großen oder sperrigen Gütern. Die beste Werbung für uns ist ein attraktives Angebot. Dies muss geplant werden, wie wir dies bei der Beantwortung zur Frage 1 beschrieben haben. In den Gebäuden des Kreises Heinsberg sollen daher Sanitärräume für Fahrradfahrer erstellt werden. An außerörtlichen Pendlerparkplätzen soll der Kreis, z.B. mit der WEST zusammen, ausreichende Leihfahrräder zur Verfügung stellen.

SPD

Die beste Werbung ist ein attraktives, dichtes und instandgehaltenes Radwegenetz. Um deutlich zum machen, dass das Rad nicht nur zur Freizeitgestaltung dienen kann, sondern auch um rasch "von A nach B" zu kommen, wären Radschnellverbindungen sinnvoll. Im Kreis Viersen wird derzeit eine solche Verbindung von Mönchengladbach über Willich nach Krefeld geplant. Als Gemeinschaftsprojekt mit anderen Kreisen und Städten kann ich mir solche Verbindungen auch im Kreis Heinsberg vorstellen, z. B. von Aachen oder Sittard nach Mönchengladbach. Auch Mobilstationen, an denen verschiedene Verkehrsträger zusammengeführt werden und mit der Möglichkeit dort auch Leihfahrräder anzumieten, gehören zu einem Verkehrskonzept der Zukunft.Zudem können Radwege außerhalb geschlossener Ortschaften - wo erforderlich - windgeschützt werden, z. B. durch Hecken.

FDP

Die Erkenntnis, dass das Fahrrad ein alternatives Verkehrsmittel ist, wird weithin wahrgenommen Die beste  Werbung und das beste Argument für ein Umsteigen auf das Fahrrad sind vernünftige Radwege. Für uns ist in Gesamtkonzept, welches alle Verkehrsteilnehmer in den Blick nimmt, wichtig. Dies zu fördern und voran zu bringen ist die Aufgabe in den nächsten Jahren.

Grüne

Auf unser Betreiben hin bewirbt sich der Kreis Heinsberg gerade um die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft der fahrrad- und fußgängerfreundlichen Städte, Gemeinden und Kreise NRW. Wir setzen darauf, die Rahmenbedingungen für die Benutzung des Fahrrades zu verbessern, z.B. durch verstärkten Ausbau und Unterhalt des Radwegenetzes, mehr Raum für Radfahrer, Anschaffung von Dienstfahrrädern etc. Es muss viel einfacher für die Menschen im Kreis Heinsberg werden, das Auto stehen zu lassen.

Landrat Grüne: Ruth Seidl

Ich fände es toll, wenn der ADFC zusammen mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern und im Klimaschutz Aktiven einen Radentscheid im Kreis Heinsberg ins Leben rufen würde. Ich glaube, das würde viele Menschen mobilisieren und wäre die beste Öffentlichkeitsarbeit für das Rad überhaupt. Der Kreis müsste das Rad als sicheres Verkehrsmittel in seinen Broschüren präsentieren. Er müsste zusammen mit den Städten und Gemeinden einen Aufruf für eine Verkehrswende starten. Gleichzeitig muss er aber die Voraussetzungen  für  gut ausgebaute und deutlich gekennzeichnete Fahrradwege sowie sichere Kreuzungen vorantreiben. Dazu gehört auch die kostenlose Mitnahme von Fahrrädern im ÖPNV. Man kann nur für etwas werben was auch attraktiv ist.

CDU / Landrat S. Pusch

Mit folgenden Maßnahmen wird dafür geworben, das Fahrrad als Verkehrsmittel weiter nach vorne zu bringen:
- Beitritt des Kreises zur AGFS – Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e. V.
- Beteiligung des Kreises am Niederrheinischen Radwandertag
- Erneute Durchführung der im vergangenen Jahr erstmals initiierten Mobilitätstestwochen: Dieses Angebot richtet sich an Mitarbeiter eines Betriebes; in diesem Rahmen können u.a. Lastenfahrräder und ÖPNV ausprobiert werden
- Benutzung der mit Fahrradanhängern ausgestatteten MultiBusse

Zudem ist beabsichtigt, im Jahr 2021 das Projekt „Kreisradeln“ durchzuführen. Dies ist im Klimaschutzkonzept vorgesehen. Zudem ist angedacht, gemeinsam mit der Volkshochschule des Kreises, der Energieagentur NRW und unserer Klimaschutzmanagerin eine „KlimaTour“ zu organisieren – natürlich alles unter der Voraussetzung, dass die Entwicklung der Covid 19-Pandemie dies zulässt.

Landrat SPD: R. Derichs

Die beste Werbung ist ein attraktives, dichtes und instandgehaltenes Radwegenetz. Um deutlich zum machen, dass das Rad nicht nur zur Freizeitgestaltung dienen kann, sondern auch um rasch "von A nach B" zu kommen, wären Radschnellverbindungen sinnvoll. Im Kreis Viersen wird derzeit eine solche Verbindung von Mönchengladbach über Willich nach Krefeld geplant. Als Gemeinschaftsprojekt mit anderen Kreisen und Städten kann ich mir solche Verbindungen auch im Kreis Heinsberg vorstellen, z. B. von Aachen oder Sittard nach Mönchengladbach. Auch Mobilstationen, an denen verschiedene Verkehrsträger zusammengeführt werden und mit der Möglichkeit dort auch Leihfahrräder anzumieten, gehören zu einem Verkehrskonzept der Zukunft. Zudem können Radwege außerhalb geschlossener Ortschaften - wo erforderlich - windgeschützt werden, z. B. durch Hecken.

Landrat FDP: Dr. Klaus Wagner

Die Erkenntnis, dass das Fahrrad ein alternatives Verkehrsmittel ist, wird weithin wahrgenommen Die beste 
Werbung und das beste Argument für ein Umsteigen auf das Fahrrad sind vernünftige Radwege. Für uns ist ein Gesamtkonzept, welches alle Verkehrsteilnehmer in den Blick nimmt, wichtig. Dies zu fördern und voran zu bringen ist die Aufgabe in den nächsten Jahren."

 

5. Ein steigendes Problem ist das Eltern-Taxi-Aufkommens vor Schulen bzw. Kindergärten. Wie stehen Sie zu diesem Thema und wie werden Sie damit umgehen?

FW

Dies stellt ein gravierendes Problem, auch was die Unfallgefahr durch wild kurzparkende Autos betrifft, dar. Hier muss mittels sicherer Rad- und Fußwege und durch Verbote jeglichen Parkens vor Schulen und Kindergärten das Problem gelöst werden. Mögliche Parkplätze bei Kindergärten, um Eltern das Bringen Ihrer Kinder per Auto zu ermöglichen sollen mit entsprechender Entfernung zum Kindergarten erfolgen. Fahrradabstellanlagen sind in ausreichender Zahl zu erstellen. Auch für Sonderfahrräder, wie Lastenfahrräder oder Dreiräder. Der Weg vom legalen PKW-Parkplatz bis zum Kindergarten oder einer Schule ist in einer Entfernung zu erstellen, dass das Bringen mit Fahrrädern attraktiver ist. Sichere Parkmöglichkeiten sind nie direkt vor Schulen oder Kindergärten möglich. Die Überwachung ist permanent durch die Kreispolizeibehörde durchzuführen. Der Gesetzgeber (Land oder Bund) soll die Busgelder zum Parken oder Halten in den Verbotszonen drastisch verteuern. Das Halten im Halteverbot vor Kindergärten und Schulen stellt eine Gefahr für uns alle dar. Es geht um die Sicherheit aller Kinder. Nicht nur derer, die es sich leisten können Ihre Kinder mit dem eigenen PKW zur Schule oder Kindergarten zu bringen.

SPD

Abgesehen von Halteverboten unmittelbar vor Kindergärten und Schulen stehe ich Verboten skeptisch gegenüber. Sie wären oft auch kaum durchzusetzen. Ich setze auf gute und gut geschützte Schulwege durch eine kindergerechte Verkehrsplanung, damit Kinder sicher zu Fuß oder mit dem Rad zum Kindergarten oder zur Schule kommen. Hinzu kommen gute Busanbindungen. Flankiert werden sollte das mit viel Aufklärung, Verkehrserziehung und die Organisation von Gruppen von Kindern, die sich gemeinsam auf den Weg zum Kindergarten oder zur Schule begeben.

FDP

Die Problematik ist bekannt. Auch wir sind der Ansicht, dass das Bewusstsein wachsen muss, dass Eltern-Kinder-Taxis bei Entfernungen, die fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erreichen sind, nicht nur ökologisch und ökonomisch wenig sinnvoll sind, sondern darüber hinaus wegen des An- und Abfahrverkehrs Risiken birgt. Neben der entsprechenden Aufklärung der Eltern und Lehrer setzen wir auf verkehrsberuhigende und -einschränkende Maßnahmen im Umfeld von Schulen und Kindergärten.

Grüne

Damit sprechen Sie ein Problem an, das sich an vielen Schulen im Kreisgebiet beobachten lässt. Nach unserer Vorstellung müssen mit den Schulen und Schulträgern Anreize entwickelt werden, die die Bewältigung des Schulweges ohne Auto fördern. Darüber hinaus müssen im Nahbereich der Schulen Maßnahmen der Verkehrssteuerung genutzt werden, um den Autoverkehr in direkter Nähe der Schulen zu reduzieren (z.B.Elternhaltestellen in fußläufiger Entfernung zum Schulgelände)

 

Landrat Grüne: Ruth Seidl

Die Stadt Aachen hat im Jahr 2008 die Kampagne „FahrRad in Aachen“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, dass mehr Jungen und Mädchen den Schulweg eigenständig zurücklegen. Kinder werden bereits in Grundschulen dafür sensibilisiert, welchen Einfluss ihr Mobilitätsverhalten auf die Umwelt hat. Schulen können darüber hinaus den Straßenbereich um die Schule herum zur „grünen Zone“ erklären. Hier kann dann zukünftig kein Hol- und Bringverkehr mehr mit Autos stattfinden. Stattdessen können im Umfeld der Schule „Elternhaltestellen“ eingerichtet werden, von denen aus der restliche Schulweg zu Fuß zurückgelegt wird. Ich würde in Absprache mit den Schulträgern im Kreis Heinsberg für solche Best practise Beispiele werben. Dazu gehört aber auch, dass der Schulweg für Kinder sicher ist.

CDU / Landrat S. Pusch

Die Verkehrssituation im Bereich der Schulen, insbesondere zu Schulbeginn und -ende, ist in vielen Fällen tatsächlich alarmierend. Die flächendeckende Einführung des School&Fun-Tickets könnte ein guter Beitrag sein, die problematische Situation im Schulumfeld zu entspannen. Ohne den unterstützenden Beitrag von Schulen, Schülern und Elterninitiativen wird es aber auch hier nicht gehen. Eine Reihe von bereits bestehenden Projekten mit einem Anreiz-/Belohnungssystem für Schülerinnen und Schüler – insbesondere im Bereich der Grundschulen – sollen dafür sorgen dass die Schüler, dort wo es möglich ist, zu Fuß oder mitdem Fahrrad zur Schule kommen.

Landrat SPD: R. Derichs

Abgesehen von Halteverboten unmittelbar vor Kindergärten und Schulen stehe ich Verboten skeptisch gegenüber. Sie wären oft auch kaum durchzusetzen. Ich setze auf gute und gut geschützte Schulwege durch eine kindergerechte Verkehrsplanung, damit Kinder sicher zu Fuß oder mit dem Rad zum Kindergarten oder zur Schule kommen. Hinzu kommen gute Busanbindungen. Flankiert werden sollte das mit viel Aufklärung, Verkehrserziehung und die Organisation von Gruppen von Kindern, die sich gemeinsam auf den Weg zum Kindergarten oder zur Schule begeben.

Landrat FDP: Dr. Klaus Wagner

Die Problematik ist bekannt. Auch wir sind der Ansicht, dass das Bewusstsein wachsen muss, dass Eltern-Kinder-Taxis bei Entfernungen, die fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erreichen sind, nicht nur ökologisch und ökonomisch wenig sinnvoll sind, sondern darüber hinaus wegen des An- und Abfahrverkehrs Risiken birgt. Neben der entsprechenden Aufklärung der Eltern und Lehrer setzen wir auf verkehrsberuhigende und -einschränkende Maßnahmen im Umfeld von Schulen und Kindergärten."

 

 

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