Kommentar zu "Autos sollen raus aus der Innenstadt"

03.10.19
Kategorie: Velbert

Die WAZ berichtet am 03.10.2019 über den Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Velbert.

Den Verkehrsentwicklungsplan in einem Zusammenhang mit einer Stärkung des Radverkehrs zu erwähnen, grenzt an einen schlechten Scherz und offenbart, wie wenig es den Verantwortlichen tatsächlich um Klimaschutz und Radverkehrsförderung geht. Wer die Historie dieses Plans kennt, weiß, dass sich dieser ausschließlich auf den motorisierten Individualverkehr konzentrierte. Erst nachträglich hat man hier einige Aspekte zur Radverkehrsinfrastruktur hinzugefügt. Die partielle Freigabe des Innenstadtrings für den Radverkehr ist ein solches Beispiel. Natürlich ist die Freigabe des Innenstadtrings richtig, aber nur, wenn man dies auch konsequent für den gesamten Ring macht. So ist es lediglich Stückwerk ohne durchschlagende Wirkung. Mehr Wege werden dadurch mit dem Rad nicht erledigt, denn dafür bedarf es einer ganzheitlichen Planung.

Bei allen derzeitigen Diskussionen rund um Klimaschutz ist nicht nachvollziehbar, wie das Planungsbüro eine Zunahme des motorisierten Individualverkehrs von bis zu 30 % annehmen kann. Wir hätten sehr viel falsch gemacht, falls sich dieser Wert tatsächlich so einstellen würde.

Dabei sind es genau diese geplanten Tangenten, die den Autoverkehr stärken und erhöhen werden. Mit der A44/A535 gibt es bereits Tangenten, die den Verkehr aufnehmen könnten. So lange es jedoch (zeitlich) attraktiver ist, mitten durch die Stadt zu fahren, darf ich mich als Stadt nicht über Verkehr wundern. Stattdessen sollten redundante Verkehrsachsen zurückgebaut und die freigewordenen Flächen für eine bessere Radinfrastruktur genutzt werden. Die Heidestraße ist beispielsweise bereits jetzt für die meiste Zeit überdimensioniert und nur zu wenigen Spitzenzeiten ist der vierspurige Ausbau zu rechtfertigen. Autorennen lassen sich so natürlich hervorragend fahren.

Velbert hat, trotz Panoramaradweg, einen Radverkehrsanteil von unter 2 % (NRW-Schnitt: 8 %). Beim ADFC-Klimatest belegt Velbert den vorletzten Platz. Es gibt also viel Potential und man könnte mit wenigen Maßnahmen bereits viel erreichen. Als Radfahrer bin ich bereits heute in Velbert-Mitte genauso so schnell oder schneller als der PKW-Fahrer. Für eine Steigerung des Radverkehrsanteils muss es jedoch für alle sicher, schnell und bequem sein.

Anstatt also von der selbsterfüllenden Prophezeiung auszugehen, dass der motorisierte Individualverkehr weiter zunehmen wird, sollten die Verantwortlichen die Zeichen der Zeit erkennen und sich klar für Klimaschutz und Radverkehrsförderung positionieren.

Christoph Evers, ADFC Velbert

© 2019 ADFC ADFC im neanderlandOrtsgruppe Velbert