Die klassische Drei-Gang-Nabe

Ein Rückblick Die Fa. Fichtel Sachs brachte 1924 ihre erste Drei-Gang-Nabe heraus. Jahrzehnte waren Drei-Gang-Naben die Standard-Schaltung für Gebrauchsräder und Tourenräder, bis sie von aufwendigen Kettenschaltungen sowie 5 / 7 / 12 und gar 14-Gang-Naben verdrängt wurden.

Nachstehend die einzelnen Modelle: (ohne Garantie auf Vollständigkeit)

F & S, Modell 53 mit Rücktrittbremse. F&S Modell M 53

F & S, Modell 55 mit oder ohne Rücktrittbremse,

eine äußerst robuste Nabe! Es wird sogar behauptet, sie sei geeignet für Tandembetrieb. Wer so etwas noch besitzt, behält sie. Leider sind keine Ersatzteile mehr zu bekommen.

obere Zeichnung: F & S Modell 515 (links oben) mit Rücktrittbremse, oder (rechts oben) Modell 415, mit Freilauf, wurden als Nachfolger der Nabe Modell 55 gefertigt. Eine solide Ausführung, leider nicht mehr so stabil wie die Vorgängerin. Diese Naben sind durchaus noch "in Betrieb". Wer sich so etwas mal ansehen möchte, muss sich allerdings gut mit Schrotthändlern stellen. Diese Konstruktion hat eine Eigenart, genau wie ihre Vorgänger. Zwischen dem 2. und dem 3. Gang befindet sich ein Leerlauf. Der Betätigungshebel muss genau auf dieser Stellung gehalten werden, der Schaltzug wird dann auf die Leerlaufposition eingestellt. Wer bei dieser Einstellarbeit nicht genau arbeitet, kann schmerzhafte Erfahrungen machen.

Fotos: F S, Modell H3111 mit Rücktritt oder Modell H3102 mit Freilauf

Diese Modelle waren nicht besser oder schlechter als die Vorgänger. Allerdings hat man die "Leerlaufstellung" eliminiert. Dies war das letzte Drei-Gang-Modell von F & S. Die gesamte Fertigung wurde an die amerikanische Fa. SRAM verkauft.

Sturmey Archer, mit Freilauf

nächstes Foto: Sturmey Archer, mit Freilauf,
Sturmey Archer, mit Freilauf, eine robuste Nabe. Von manchen Radlern wird behauptet, dass ein Betrieb am Tandem damit durchaus möglich ist. Jedenfalls sind stabile Sperrklinken und Zahnräder eingebaut. In Deutschland findet man so etwas recht selten. In Ländern, in denen man nicht so gerne mit einer Rücktrittbremse fährt, ist diese Nabe häufig anzutreffen.

Sturmey Archer, mit Rücktrittbremse
Shimano, SG - 3 C20 mit Rücktrittbremse,
Shimano, SG - 3 C30, mit Rollen-Rücktrittbremse und
Shimano, SG - 3 S20, mit Freilauf.
Wer eine der letzt genannten Naben auseinander nimmt, stellt fest, dass die Verarbeitung gar nicht schlecht ist. Aber Achtung: Der Zusammenbau ist m. E. nicht so einfach wie bei den F & S - Modellen. Anwendung aus heutiger Sicht. Heute kauft kaum noch jemand ein Rad mit einer Drei-Gang-Nabe, so etwas bringt kein Ansehen (mein Gott wie poplig, zu mehr hat es wohl nicht gereicht!).
Dabei hat diese Nabe durchaus so ihre Vorteile:

  1. Die Stabilität! Je weniger an so einem Bauelement dran ist, um so weniger kann kaputt gehen.
  2. Das Einstellen der Schaltzüge ist verhältnismäßig einfach.
  3. Diese Nabe kann gut repariert werden. Gerade die F&S-Naben sind recht wartungsfreundlich. Wer es in Ruhe versucht und nicht allzu ungeschickt ist, kann evtl. erforderliche Wartungen durchaus selbst durchführen.
  4. Da die gesamte Technik gekapselt ist, können Schmutz und Sand innen keine Störungen und keinen Verschleiß verursachen. (Gilt auch für die 5-7-12-14-usw.-Gang-Naben)
  5. Da die Nabe so "unmodern" ist, hat man gute Chancen eine gebrauchte zu ergattern.
  6. Für Radler, die Rücktritt-Bremsen nicht mögen, gibt es auch Freilauf-Naben in Kombination mit einer Trommelbremse.

Normalerweise wird das Kettenritzel an der Nabe mit 19 Zähnen geliefert. Wer jedoch in einer hügeligen Gegend wohnt oder viel in der Stadt fährt, kann ohne Schwierigkeiten die Charakteristik des Antriebes ändern, indem er das Ritzel gegen eines mit 24 Zähnen austauscht; und siehe da, plötzlich hat er 2 Berggänge und einen Normalgang. So etwas reicht z. B. für Einkaufsfahrten in der Stadt vollkommen aus. Ein Vorteil ist, dass man im Stillstand den Gang wechseln kann; ein Vorteil besonders bei Einkaufsfahrten. Das technische Prinzip Gehen wir doch mal die Funktion so einer Nabe durch:

Wenn der erste Gang, z. B. zum Anfahren eingelegt werden soll, wird das Hohlrad angetrieben. Der Abtrieb erfolgt durch die Planetenräder. Wenn man das Ganze genau verfolgt, stellt man fest, dass die Planetenräder gegenüber dem Hohlrad langsamer laufen.
Der zweite Gang arbeitet, wenn das Getriebe nicht aktiviert ist. Die Kraft geht über die Nabenhülse direkt auf das Kettenritzel.
Beim dritten Gang werden die Planetenräder angetrieben. Die Abtriebsdrehzahl über das Hohlrad ist dann schneller als die Eingangsdrehzahl.
Wenn man sich so etwas ansieht, kann man nur sagen: Herrlich einfach! Nicht wahr!

Achtung! Einige Punkte sollte man bei Nabenschaltungen (nicht nur bei Dreigang-Naben) beachten:

Die Wärmekapazität bei Rücktrittbremsen ist nicht sehr hoch. Wer einen langen Berg herunterbremst, wird feststellen, dass der Rücktritt sehr heiß wird, ja u. U. sogar qualmt. Je nach Belastung ist danach kein Fett in der Nabe enthalten. Die Reibung zwischen Bremsmantel und Nabenhülse darf aber auf keinen Fall ohne Fett erfolgen. Man merkt das, wenn die Bremswirkung plötzlich erheblich "besser" wird. Dann hilft nur noch, Demontage und Fetten der Nabe! Wie das unterwegs bewerkstelligt werden soll, kann problematisch werden. Also, besser zwischendurch mal absteigen und die Nabe auskühlen lassen.

Wenn die Schaltzüge nicht genau eingestellt wurden und es beim kräftigen Treten verdächtig knackt, wurden der Nabe u. U. "Zähne gezogen" oder weniger salopp, das Getriebe ist beschädigt. In diesem Fall ist in der Einsamkeit einer wunderschönen Landschaft guter Rat teuer. Weiterfahren bringt nichts, im schlimmsten Fall kann das ganze Laufrad blockiert werden. Ob jedoch der nächste Fahrradhändler Ersatzteile vorrätig hat, ist zu mindest fraglich. 5 - 7 - oder gar 12 - 14 - Gang-Naben können teilweise nur im Herstellerwerk oder ausgesuchten Werkstätten repariert werden. Wie die Schaltzüge justiert werden, steht in der Betriebsanleitung. Der Fahrradhändler hat sie doch mitgeliefert? Wenn nicht, sofort reklamieren. Übrigens, jedes Fabrikat macht es anders!

Nabenschaltungen bringen mehr Gewicht auf die Waage. Wer sich ein besonders leichtes Rad zulegen möchte, sollte das beachten.

Nach einer Reifenreparatur muss der Bremshebel der Nabe wieder sorgfältig befestigt werden. Falls das vergessen wurde, können beim heftigem Bremsen so hohe Kräfte auftreten, dass der Bremsmantel regelrecht gesprengt wird. Das Laufrad wird dann blockiert! Die Folgen kann sich jeder ausrechnen.

Resümee:

Die gute alte 3-Gang-Nabe, leicht veraltet, ist für manche Einsatzfälle durchaus zu gebrauchen. Wer so etwas beim der Sperrgut erbeuten kann, sollte ruhig zugreifen. Eine Nabe, z. B. die H3111, kostete vor wenigen Jahre mit Zubehör, ohne Einbau, Speichen und Felge ca. DM 120,00. Das Ganze war also kein "Billigteil". Zum Vergleich: Eine 7-Gang-Nabe mit Rücktritt kostet heute ohne Einbau ca. € 140,00, eine 14-Gang-Nabe, ohne Rücktrittbremse ohne Einbau ca. € 800,00.

Das Ganze ist sicherlich eine Überlegung wert.

 

 

Klaus Schröder

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