Eine Radtour vorbereiten

Irgendwann ist man eingeladen, es wird über den letzten Fahrradurlaub berichtet, Dias werden vorgeführt, jaaa…. und dann schleicht sich der Gedanke ein: Warum mache ich so etwas nicht? Immer nur Mallorca?

Es kann sein, dass dieser Gedanke in kurzer Zeit verschwindet, oder aber man geht weiter mit ihm schwanger.

Letztlich kommt der Entschluss:

Ich mache eine mehrtägige Radtour

Die große Frage: was muss ich alles beachten bzw. beschaffen?

Manchmal sind Zeitschriften hilfreich. Also kauft man welche! Alles gut und schön, meistens wird über einzelne Touren berichtet, Räder werden „getestet“, das Ganze ist in Details gar nicht schlecht, aber es fehlt ein Zusammenhang.

Ein Fahrrad

Also versuchen wir gemeinsam mal die einzelnen Punkte durchzugehen.

Da wäre zuerst das Fahrrad, im Keller geparkt, seit längerer Zeit nicht mehr benutzt. Schauen wir uns das Vehikel doch mal an.

Ein solides Rad mit einer Dreigang - Schaltung müsste schon einsetzbar sein. Da wir ja vernünftig sind und nicht gleich zu einer Bergtour starten wollen, ist eine Dreigang - Nabe durchaus zu vertreten. Wir sollten uns das treue Vehikel aber genau ansehen und auf evtl. Mängel prüfen, als da sind:

  • Alle Schrauben vorschriftsmäßig fest? Bei dieser Gelegenheit die Muttern für Gepäckträger usw. möglichst gegen selbstsichernde Muttern tauschen.
  • Ist der Gepäckträger für schwere Lasten stabil genug? Ein wackelnder Gepäckträger ist eine Quelle für steten Ärger; das Rad ist durch die schwankende Last sehr anstrengend zu fahren, außerdem sind Strebenbrüche zu erwarten! Wenn nur ein billiges Drahtgestell vorhanden ist, austauschen!
  • Laufräder können unterwegs Freude bereiten, besonders wenn sie einen Schlag haben (z. B. durch lose Speichen), die Bereifung rissig ist und der frisch aufgepumpte Reifen nach einigen Stunden wieder die Luft verliert. Die Speichen spannen und das Laufrad zentrieren, sollte man dem Fachmann überlassen. Die Bereifung wechseln, kann eine gute Übung für unterwegs sein.
  • Eine kritische Untersuchung der Bremsen ist unbedingt erforderlich. Schließlich muss zusätzlich zu unserer Körperlast auch noch das Gepäck abgebremst werden! Haben die Felgenbremsen noch einwandfreie Gummis? Vielleicht sollte vorsichtshalber ein Austausch vorgenommen werden. Die Bowdenzüge müssen geölt werden und leichtgängig arbeiten.

Bitte beachten: die Kombination Stahlfelge – Felgenbremse ist nicht besonders wirksam! Aluminiumfelgen sind im Gegensatz zu verchromten Felgen mikroskopisch rauh und bei gleichem Anpressdruck wesentlich effektiver.

  • Beim Einsatz von Rücktrittbremsen muss unbedingt beachtet werden, dass die gesamte Einheit genügend gefettet ist. Wenn die Bremse schon beim schwachen "Rücktritt" blockiert, ist meistens Fettmangel der Grund. Das Ganze ist ein Fall für den Fachmann..
    Eine weitere häufige Bremse ist die Trommelbremse. Hier sind wenig Probleme zu erwarten. Ich habe bisher noch keine total verschlissenen Bremsbeläge gesehen. Also, die Bremsen sorgfältig prüfen!
  • Ist die Kette noch ok oder hat sie Rost angesetzt und ist damit recht schwergängig geworden? Ketten längen sich im Laufe der Zeit und müssen dann getauscht werden. Wer nicht die erforderlichen Werkzeuge besitzt, sollte hier den Fachmann beauftragen.
  • Beleuchtung überprüfen! Ist alles vorhanden? Die Polizei legt großen Wert auf eine funktionierende Beleuchtung, bestehend aus – Dynamo --- Frontscheinwerfer – Rücklicht -- Frontreflektor - Pedalreflektoren – 4 Speichenreflektoren –- roter Reflektor hinten - ! (Alles klar?) Übrigens, die Reflektoren sind nicht allzu teuer. Wahrscheinlich findet die erste Tour im Sommer statt. In dieser Jahreszeit kommt man kaum in die Verlegenheit im Dunklen zu fahren. Luxusanlagen sind daher nicht unbedingt erforderlich.
  • Dass Gabel, Lenker, Tretlager nicht wackeln, sollte selbstverständlich sein.

Werkzeug

Spätestens zu diesem Zeitpunkt kommt die Erkenntnis, dass auf einer Radtour Werkzeug und ein paar Ersatzteile hilfreich sein könnten. Also, Ersatzteile. Der Plattfuß ist der häufigste Schaden; Ersatzschlauch, Flickzeug, ggf. Ersatzventile und (wichtig) eine Luftpumpe einpacken. Es gibt mittlerweile gute kompakte Luftpumpen, die im Gepäck verstaut werden können (Diebstahl). Wenn man schon beim Fahrradhändler ist, Ersatzlämpchen, Kettenschloss für die Antriebskette und je nach Schlauchausführung einen Ventiladapter kaufen. Folgendes Werkzeug hat sich noch bewährt: Ein verstellbarer 6-Zoll- Schraubenschlüssel (Rollgabelschlüssel aus dem Baumarkt), Universalwerkzeug mit div. Schlüsseln und Schraubendrehern, 3 Reifenheber und eine kleine Sammlung Schrauben, selbstsichernder Muttern und Scheiben (M5 und M6). Diese Sammlung passt gut in eine leere Filmdose! Das ganze obige Material ist nicht allzu schwer. Wenn man mit so einer „Reparatur“ überfordert ist, bedenke man bitte, auch ein hilfreicher Mitmensch kann ohne Ersatzteile und Werkzeug nichts machen. Übrigens, wenn eine etwas schwierigere Reparatur erforderlich ist, hilft evtl. auch eine Tankstelle weiter.

Landkarten

Es werden sich Einige gefragt haben, wo bleiben die Landkarten? Diese Teile sind mit die wichtigsten Beschaffungen und bringen vor Allem beim Studium eine gewisse Vorfreude. Was gibt es auf diesem Gebiet?

 

  • Die normalen Radwanderkarten mit eingezeichneten Radwegen, wie z. B. die ADFC-Radtourenkarten im Maßstab 1 : 150000 z. T. auch 1 : 75000 (Bielefelder Verlags Anstalt BVA). Für viele Regionen gibt es da noch die REGIO-Karten im Maßstab 1 : 50000. (RV-Verlag). Alle auf dem Markt erschienen Karten aufzulisten, würde zu weit führen.
  • Radwanderführer aus der BVA, sog Spiralos verbinden gute Radwanderkarten mit Informationen über die Sehenswürdigkeiten der Orte sowie Unterkünfte, m. E. sehr empfehlenswert.
  • Ähnliche Führer sind die von bikeline, erschienen im Verlag Esterbauer. Diese haben ein „Taschenbuchformat“, passend für die Trikottasche. Ebenfalls sehr zu empfehlen.

Das Angebot auf dem Markt ist sehr umfangreich. Man sollte sich in guten Buchhandlungen mal zeigen lassen was es so alles gibt.

Fahrradtaschen

Zum Transport des erforderlichen Gepäcks benötigt man Fahrradpacktaschen. Die Qualität der Taschen steigt proportional mit dem Preis! Billige Taschen halten nicht lange, bei Schäden kann es unterwegs echte Probleme geben. Der Rat von erfahrenen Radlern kann hier weiterhelfen. Die Größe und die Anzahl der Taschen sind abhängig von: -Jahreszeit- -Übernachtungsart- -Länge der Tour-.

Minimal Packliste

für eine Radtour in der warmen Jahreszeit und Hotelübernachtungen

Rad Ausrüstung

  • 2 Packtaschen
  • 1 Lenkertasche
  • 1 Trinkflasche
  • Reiseführer
    Tourenkarten
    Ringbücher
  • 1 Satz Werkzeug
  • 1 Schlauch
  • 1 Messer
  • 1 Taschenlampe
  • 1 Kilometerzähle

Kleidung

  • 1 Gore Tex Jacke oder Regenjacke
  • 1 lange Hose zum Ausgehen
  • 1 Weste
  • 1 Polohemd
  • 1 Pulli
  • 1 lange Radhose
  • 2 kurze Radhosen
  • 1 Radtrikos Langarm
  • 2 Radtrikos Kurzarm
  • Unterwäsche
  • 1P Turnschuhe
  • 1P Regengamaschen
  • Schlafanzug
  • 2 Mützen
  • 1 Helm
  • 2P Handschuhe

Sonstiges 

  • 1 Kulturbeutel
  • 1 Brustbeutel
  • 1 Scheckkarte
  • 1 Kreditkarte
  • 1 Handy mit Ladegerät
  • 1 priv. Notizbuch mit Telefonverzeichnis
  • 1 Ausweis
  • 1 Ersatzbrille
  • 1 Fotoausrüstung
  • 1 Fahrradschloss

Solch eine Aufstellung in einer ruhigen Stunde vorbereiten und sich dann beim Packen stur daran halten, hilft, nichts zu vergessen. Über die Anzahl der Kleidungsstücke sollte man sich im Klaren sein, Einschränkungen müssen sein. Wer 14 Tage unterwegs ist, kann auf keinen Fall 14 Unterhemden, 14 Unterhosen, 14…….. mitnehmen. Die sonst so praktischen Jeans sind leider ziemlich voluminös und schwer. Elegante Jacken für den abendlichen Bummel sind leider ebenso unpraktisch. Im Sommer können Radtrikots aber abends leicht gewaschen werden, sie sind am nächsten morgen wieder trocken. Für solche Fälle habe ich im Gepäck ein Stück Reepschnur einschl. einiger Wäscheklammern. Geht die Unterwäsche zur Neige: Auch in kleineren Orten kann man notfalls Ersatz kaufen.

 

 

Diverse Kleinigkeiten

Dann gibt es noch die diversen Kleinigkeiten, die das Leben unterwegs erleichtern können, als da sind:

  • 1 Spanngurt, um z. B. die nasse Regenjacke auf dem Gepäckträger zu befestigen.
  • 2 Befestigungsgurte, ca. 1m lang
  • Sonnenschutz
  • Mückenabwehr-Spray
  • 2 – 3 Plastiktüten
  • 1 Leinenbeutel für den Einkauf unterwegs
  • Flaschenöffner
  • Schreibutensilien für das „Tagebuch“

Diese Aufstellung lässt sich bestimmt noch erweitern. Bitte beachten:

Wenn man zu mehreren unterwegs ist, können manche Teile auch verteilt werden. Dies gilt besonders für Werkzeug und Ersatzteile.

Die obigen Auflistungen sind kein Dogma, sie sollen hauptsächlich eine Anregung sein, vor allem sollen sie nicht abschrecken! Erkundigungen bei „alten Hasen“ helfen sicherlich im Zweifelsfalle weiter - und bitte, sich nicht von Schauergeschichten abschrecken lassen!!

Viel Spaß bei der Radtour!

Klaus Schöder

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