Radeln durch das klassische Flandern

Mühle

Unsere Radtour geht durch das klassische Flandern. 

Es soll eine gemütliche Tour werden. Deshalb fahren wir in einer kleinen Gruppe und lassen uns das Gepäck unterwegs transportieren.

 

 

Selbst vor wirklich schlechtem Wetter habe ich keine Angst. Wir können uns jederzeit von unterwegs abholen lassen, um dann kurzerhand auf Besichtigungen der Städte, Museen, Kneipen zurückzugreifen. Da wir nur eine kleine Gruppe sind, kann man sich sicherlich schnell einigen. Das nenne ich „Radeln deluxe“.
Was haben wir vor: In Knocke halten wir kurz einen Fuß in die Nordsee und es geht weiter nach Brügge über Gent nach Mechelen. Der letzte Tag soll uns dann noch Leuven zeigen.

Ein guter Plan!

Verstauen, ankommen und los

Montag 9. Juli, Erkrath- Knokke – Brügge

Um 9:00 Uhr werden die Fahrräder sicher im Anhänger- und das Gepäck im Kofferraum verstaut. Alle nehmen ihre Plätze ein und schon geht es los. Natürlich scheint die Sonne.
Gegen 14:00 Uhr kommen wir in Knocke-Heist an und sind nun auch wirklich scharf aufs Radeln. Nach einer Tasse Kaffee geht es wadentief in die Nordsee und dann aber wirklich und endlich looos.
Der Anfang ist wie immer das Schwierigste. Nach dem ersten Hinweis auf unseren Knotenpunkt, müssen wir konzentriert Ausschau halten. Zumal hier an der Promenade viele Flanierer, Radler und Inliner unterwegs sind.

Bis Brügge geht es entlang des Ostende-Gent Kanals. Die Landschaft ist hier von intensiver und kleinflächiger Landwirtschaft geprägt. Wie fahren zwischen Wiesen und Feldern entlang des Kanals über rauschende Pappelsalleen.
Kurz vor Brügge machen wir noch eine Stippvisite in Damme.
Nach insgesamt 25 km kommen wir dann in Brügge an. Die Zeit reicht noch für einen Bummel durch die Stadt und um auf  demj Marktplatz das Abendessen einzunehmen. Nun ja. der Blick auf den Belfried ist wahrscheinlich im Preis inbegriffen.

Alles Brügge

Dienstag 10.Juni - Etappe Brügge - Gent 45 km

Gent

Wenn man wie wir um 9:00 startet und nur knapp 45 km bis Gent fahren will, verspricht es eine ruhige Tour zu werden.
Es geht entlang des LF5, wobei es anfangs etwas verwirrend ist, dass er in Richtung Gent LF5a und in Gegenrichtung LF5b heißt. Aber nach ein wenig Hin- und Hergefahre habe ich es endlich begriffen und ab da wird die Wegweisung sehr übersichtlich.
Obwohl wir ständig neben dem Ostende-Gent-Kanal fahren, wird es nie langweilig. Die Landschaft ist abwechlungsreich, der Radweg konfortabel ausgebaut und das Wetter hat genauso gute Laune wie wir.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Gent, ziehen uns kurz um und bummeln durch die altehrwürdigen Straßen. Leider haben wir hier keine Führung oder Besichtigung aber bei soviel Historie würde es bestimmt helfen. Die Burg Gravensteen als Immobilie in der Stadtmitte ist durchaus bemerkenswert. Allerdings wird sie etwas bedrängt durch den Verkehr und die umliegenden Gebäude. Wir schaffen es leider nicht die Burg zu stürmen.

Gent und seine Burg Gravensteen

Mittwoch 11.Juni - Etappe Gent – Mechelen 98 km

Blick nach Mariakerk

Heute haben wir viel vor. Immerhin geht es bis Mechelen. Allerdings wollen wir in Dendermond bei eine ausgiebigen Pause entscheiden ob wir weiterradeln oder uns abschleppen lassen.
Für mich ist es der schönste Tag. Es geht entlang der Schelde bis Dendermonde. Das Umland der Schelde ist zu einem großen Teil Naturschutzgebiet und auf dem Deich hat man einen wunderbaren Ausblick in alle Richtungen.
In Marienkerke setzen wir mit der Fähre über. Und radeln auf der anderen Seite etwas zurück.

Dendermonde

In der Dendermonde, der Stadt der Rosen, ist Halbzeit und wir unterbrechen für die Mittagspause. Unser Chauffeur Wolfgang wartet bereits, um eventuelle müde Radler aufzuladen. Aber nee, keiner möchte etwas verpassen und man weiß ja nie. Wir sind die ersten 45 km etwas zügiger gefahren sind und einige überlegen ob Sie den zweiten Teil mit dem Mittagessen im Bauch noch schaffen können.

So geht es also nach dem Essen und einer kleinen Rundfahrt durch Dendermonde zurück auf den Radweg und auf die zweite Wegstrecke nach Mechelen. Wir werden von der Rupel begleitet und erreichen Mechelen am frühen Abend.
Ganz in der Nähe unserer Unterkunft finden wir eine schöne Kneipe, mit leckerer Speisekarte und umfangreicher Getränkeauswahl. Was hier so alles an Bieren und Schnäpsen angeboten wird, "Wahnsinn". Ich hänge mich mal an ein Fläschchen Krik Bier.
Der einzige Wehrmutstropfen in diesem Lande ist, dass immer tischweise abgerechnet wird. Au man, da beginnt nun eine wilde Rechnerei, der ich nach zwei Bierchen eigentlich schon nicht mehr folgen kann. Ich bin eben nichts gewohnt.

Donnerstag 12. Juni - Letzter Tag, und alles kommt anders

Wasserblek oder so

Für 11:00 Uhr ist eine Besichtigung bei der königlichen Teppichmanufaktur de Witt geplant. Danach wollen wir uns ein letztes Mal auf die Räder schwingen und nach Leuven fahren. Belgien weint die Abschiedstränen. Na ja, bei schlechtem Wetter frühstückt man halt etwas länger und hofft, dass es aufklart. Nun sind die Belgier aber keine wirklichen Fans des Frühstücks und so bleibt bis 11:00 Uhr noch eine Menge Zeit zum Grübeln und Fragen: „Hör mal Bettina. Was ist das eigentlich, eine Teppichmanufaktur, sollen wir da einen Teppich kaufen, bekommst Du Provision oder was ist da los?“

Tja, was ist die richtige Antwort, wenn man selber nicht weiß was da geboten wird. Bleibt nur die offensive Ablenkstrategie. „Lasst uns noch mal durch Mechelen laufen, hier ist auch alles alt und schön."
Also ab unter die Kapuzen. Mechelen besichtigen bei Regen, wenn eigentlich alle Museen und Geschäfte noch zu haben ist auch etwas trist. Wir halten durch und arbeiten uns langsam zu deWitt durch um alles über Teppiche zu erfahren.

Und das war dann wirklich eine Überraschung.
Aber wenn Sie mal wissen wollen, was eine Verduere ist oder woran man einen gut restaurierten Teppich erkennen kann, was einen fein gewebten Teppich ausmacht oder gar wie man historische Teppiche reinigt, sie können jeden von uns fragen. Wir haben das jetzt drauf. Echt interessant.

Mechelen

Das alles hat aber keinen Einfluss auf das Wetter und so hat dann am Ende niemand Lust die 20 km bis Leuven zu radeln. Gehen wir halt in Mechelen essen, shoppen noch ein paar Pralinen und natürlich Krik Bier und dann geht es ab nach Hause

Fazit: Ja, kann man öfter machen.

Insgesamt war es eine sehr gemächliche Radreise  und wir haben viel vom Umland der klassischen alten Städte Flanders mitbekommen.  Natürlich sind diese Stätten des Kulturerbes etwas kurz gekommen. Aber so gibt es ja auch noch morgen interessante Ausflugsziele und bei dem schönen Wetter mußten wir unbedingt radeln.

 

Allgemeines zum Radeln in Belgien:

Die Knotenpunkte leiten den Radler zu seinem Ziel. Das Brügger Umland, eigentlich ganz Flandern, hat ein sehr engmaschiges Radverkehrsnetz mit einer praktischen Ausschilderung nach Knotenpunkten. Demnach fährt man also nicht nur von einem Ort zum Anderen sondern man sucht sich eine Radtour anhand der Karte aus, und schreibt nur die Nummern ab. Statt drei km geradeaus, am Pontius-bis-Pilatus-Weg rechts und so weiter sind wir einfach 37 – 38 – 45 – 21… bis Brügge gefahren. Die Karte braucht man unterwegs nicht mehr, da die Schilder gut sichtbar aufgestellt und gepflegt sind. Lediglich an einer Baustelle, wo das Schild fehlte, mussten wir Anwohner fragen.

Die Verkehrsführung für Radler ist anfangs ungewohnt aber dann sehr komfortabel. Da gibt es für den Ausflugsradler das Knotennetz und für den Alltagsradler eine gute Ausschilderung auch mit Gebotsschildern in Augenhöhe. Das ist mir anfangs doch sehr ungewohnt, da ich sie immer weit über meinem Kopf gesucht habe und sie dann zunächst etwas „aufdringlich“ fand. In Wirklichkeit sind sie aber „eindringlich“.
Separate Radwege verbinden die einzelnen Ortteile und hier fällt dann die Disziplin der einheimischen Radler auf. Man radelt einfach hintereinander und schafft so allen einen stressfreien Heimweg.

 

Text und Fotos: Bettina Kemper

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