Neckartal-Radtour

von Schwenningen/Villingen bis Heidelberg

(vom 17.07.-24.07.2005)          

Von Düsseldorf nach Schwenningen

1. Tag

Für 10:51 Uhr haben wir uns am Bahnhof Düsseldorf verabredet, um den Zug nach Schwenningen zu nehmen. Insgesamt sind wir 10 Personen. Gut organisiert ist halb gewonnen, ruckzuck sind 10 Fahrräder und Gepäck verstaut.

Die Männer kümmern sich um die Räder und wir Frauen um das Gepäck, so dass wir von dem begleitenden Zugpersonal wegen unserer Schnelligkeit beim Be- u. Ausladen gelobt werden. Offensichtlich liegen wir jedes Mal, im Gegensatz zur DB, in der Zeit. Schließlich sind wir auf der Hinfahrt 3x umgestiegen.

So, dieses muss auch mal gesagt werden!

Unsere Zugfahrt geht heute bis Schwenningen. Nach der langen Fahrt müssen wir die 10 km von Schwenningen nach Villingen zum Hotel fahren - und das ist auch gut so!

Vom Bahnhof, durch den Stadtpark Möglinshöhe, geht es zur Neckarquelle: Unscheinbar und leicht zu übersehen, wenn nicht ein Quellstein aus dem 16. Jahrhundert mit Inschrift uns daran erinnern würde.

  Wir machen Fotos und weiter geht es bergauf, bergab. Fragend und suchend erreichen wir Villingen und das Hotel. Am Abend treffen wir uns gemeinsam zum Essen in einem Biergarten. Um den langen Tag ausklingen zu lassen, besichtigen wir die Stadt und stellen fest, dass Villingen eine schöne Innenstadt, mit einer frühgotischen Basilika aus dem 13. Jahrhundert, besitzt.

Am anderen Tag fahren wir die 10 km nach Schwenningen zurück, denn dort beginnt für uns der eigentliche Neckartalradweg.

Von Schwenningen nach Oberndorf (ca. 55 km)

2. Tag

Heute soll es schön und sehr warm werden. Was kann man da besseres tun, als zu radeln.

Der, bis jetzt gut ausgeschilderte, Neckartalradweg führt aus der Stadt Schwenningen hinaus und trifft auf den noch jungen Neckar.

Weiter geht der Radweg über hügelige Wirtschafts- u. Waldwege. Die Orte Trossingen, Deißlingen und Lauffen werden passiert. Über Nebenstrassen und weitere Vororte sind wir bald in Rottweil.

Rottweil ist eine herrliche mittelalterliche Stadt, besitzt wunderschöne alte Häuser mit reich geschmückten Fassaden und Erker. Man könnte in Rottweil den ganzen Tag verweilen, leider müssen wir weiter.

Irgendwo in der Botanik machen wir Mittagspause. Die mitgebrachten Käsepakete von Marlies müssen unbedingt gegessen werden. Unverhofft kommt ein Fläschchen Wein zum Vorschein!

Der Radweg führt aus der Innenstadt in Richtung Oberndorf. Eine schöne Abfahrt bringt uns wieder ins Neckartal. Nach kurzer  Wegstrecke sehen wir die filigran wirkenden Betonpfeiler der Bodenseeautobahn.

Wir kommen durch Talhausen, Epfendorf, Altoberndorf mit seinen Fachwerkhäusern. Eine sehr schöne Etappe, direkt am Waldrand und entlang der Neckarauen, bringt uns nach Oberndorf. Hier nehmen wir in einem Gästehaus unser Quartier ein. Auf Empfehlung des Hauses, gehen wir zum Abendessen in den Ratskeller, um bei Wein und Bier, den schönen Tag abzuschließen.

 

 

Von Oberndorf nach Tübingen (ca. 68 km)

3. Tag

Heute soll es über Sulz, Horb, Rottenburg nach Tübingen gehen. Wir finden schnell den Einstieg Richtung Aistaig, hier wird das Neckartal etwas breiter. Ein naturbelassener Weg führt uns durch eine wunderschöne Landschaft abseits vom Straßenverkehr. Viele kleine Orte, wie Sulz, Fischingen, Glatt, Neckarhausen, Dettingen, werden passiert. In Dettingen überqueren wir den Neckar und folgen dem Radweg ins geschichtsträchtige Horb.

Horb ist eine liebenswürdige, schwäbische Stadt am Oberlauf des Neckars.

Die mehr als 900 jährige Geschichte der Stadt ist heute noch sichtbar. Vom Neckartal, den steilen Bergrücken entlang, zieht sich die historische Altstadt. Es soll eine der schönsten Städte Deutschlands sein. Leider fährt der ganze Verkehr, sogar Schwertransporte, durch die engen Straßen von Horb.

Nach 1,5 Std. Aufenthalt (leider zu wenig) geht es weiter und wir bleiben auf der rechten Seite des Neckars. Wir fahren über Mühlen, Eyach, Börstingen Richtung Sulzau. Plötzlich schreit einer: "Hunger". Antwort:"Gleich". Nach der Ortsdurchfahrt von Börstingen sehen wir hoch über dem Neckar das Schloss Weitenburg. Der Radweg wird hier auf eine wenig befahrene Straße Richtung Sulzau ausgeschildert und führt uns rechts auf einen kleinen unscheinbaren Weg direkt auf einen Golfplatz.

Mit den Rädern über den heiligen Rasen - mir ist mulmig zu Mute. Schließlich finden wir hier einen Tisch und Bänke, wo alle Platz haben. Herrlich ist es hier. Die Sonne scheint, das Essen ist gut, was will man mehr! Wir kommen mit den Golfern ins Gespräch und sie geben uns den Tipp ins Clubhaus zu fahren wo wir ein gutes Bier bekämen. Was auch anschließend geschah.

Nach dem Clubhausbesuch bleiben wir auf der L370. Es geht zügig weiter. Plötzlich sind Marlies und Günter  (Günter hatte sich zu diesem Zeitpunkt als Schlussmann angeboten) nicht mehr zu sehen. Wir nehmen das Tempo heraus und lassen die beiden näher kommen. Pustend und schnaufend mit hochrotem Kopf fällt uns die Marlies fast vom Rad. Sie stammelte nur noch: " Ich kann nicht mehr, mein Fahrrad fährt nicht, ich fahre nicht mehr weiter". Unser Technikfreak Georg hatte gleich die Ursache gefunden. Marlies ist mindestens 4-5 km mit festklemmenden Hinterradbremsen gefahren. Nachdem der Schaden behoben ist, fährt sie uns auf und davon. Einer bemerkte ironisch: "Wir werden die Bremsen gleich wieder anziehen."

Das Tempo wird beibehalten und wir sind sehr schnell in Rottenburg. Wir machen Halt auf dem Marktplatz. Hier ist es laut und ungemütlich. Gerade wird eine riesige Musik-Bühne vor dem Dom St. Martin aufgebaut, so dass man Mühe hat den Eingang zu finden. Rottenburg besitzt eine lange Geschichte und ist eine alte Bischofstadt. Einen Teil seiner Ummauerung und sehr alte Bürgerhäuser sind noch zu besichtigen. Leider fehlt uns die Zeit länger zu verweilen.

Es geht weiter Richtung Tübingen. Auf dieser Strecke durchfahren wir einige Industriegebiete, hier ist der Radweg nicht optimal ausgeschildert, trotzdem ist der Neckartalradweg schnell gefunden. Links oben auf dem Berg sehen wir die Wurmlinger Kapelle. Ludwig Uhland schrieb im Jahre 1805 das berühmte Gedicht: "Droben stehet die Kapelle, schauet still ins Tal hinab usw." Man merkt, dass wir uns einer größeren Stadt nähern. Der Autoverkehr wird dichter und Tübingen ist bald erreicht. Radler und Fußgänger werden, sehr originell, durch einen Tunnel umgeleitet, so dass wir von hier aus rasch den Weg zum Hotel finden.

Die Universitätsstadt Tübingen zeugt mit Schloss Hohentübingen, historischer Altstadt und vielen mittelalterlichen Gebäuden von einer fast tausendjährigen Geschichte.
  Tübingen hat eine traumhaft schöne Innenstadt. Sehenswert sind der Marktplatz, das Rathaus und der Neptunbrunnen. Im Hölderlinturm am Neckar lebte von 1807 bis zu seinem Tode 1843 Friedrich Hölderlin. Heute ist der Turm eine Gedenkstätte und Museum.

Das Schloss Hohentübingen wurde erstmals 1078 erwähnt als Burg der Grafen von Tübingen. Das heutige Schloss, in dem zahlreiche Universitätsinstitute und Sammlungen untergebracht sind, stammt zum größten Teil aus dem 16. Jahrhundert. Man hat einen herrlichen Ausblick in das Neckar- und Ammertal, auf die Stadt und die weitere Umgebung.

Von Tübingen nach Plochingen (ca. 50 km)

4. Tag

Wir verlassen Tübingen bei schönem Wetter. Jeder hat noch etwas Zeit Dinge zu erledigen die er gestern nicht geschafft hat. Ich gehe noch mal zum Schloss um den Ausblick zu genießen, kaufe ein und mache die restlichen Fotos.

Auf dem Marktplatz ist unser gemeinsamer Treffpunkt. Wir radeln durch schöne kleine Orte wie: Lustnau, Kirchentellinsfurt, Pliezhausen Mittelstadt Neckartenzlingen, Neckarhausen und machen einen kurzen Abstecher nach Nürtingen, mit seinen engen Gassen, malerischen Winkeln, steilen Treppen und mit den reich geschmückten Fachwerkhäusern.

Der Radweg überquert den Neckar und führt uns auf der linken Seite nach Zisishausen, vorbei an Unterensingen nach Wendlingen. Hier kommen wir durch ein Naturschutzgebiet mit vielen ehemaligen Baggerseen, wo seltene Vögel ihre Brutstätten haben.

Weiter geht es Richtung Plochingen. Von einer Brücke aus haben wir einen schönen Blick auf die Stadt mit der St. Blasius-Kirche und dem kugelgekrönten Regenturm von Friedensreich Hundertwasser. Das Hotel liegt in der Fußgängerzone. Am Abend genießen wir einen Spaziergang durch den Ort.

Von Plochingen nach Steinheim an der Murr (ca. 60 km)

5. Tag

Bei gutem Wetter sind wir nach 10 km in Esslingen. Eingebettet in das Neckartal, umgeben von Weinbergen liegt die ehemals Freie Reichsstadt Esslingen. Wir radeln über die kopfsteingepflasterten Gassen der historischen Altstadt. Die älteste Fachwerkhäuserzeile Deutschlands ist dort zu bewundern (wie Kirchen, Tore und Türme). Oberhalb von Esslingen gibt es noch einen Teil der Stadtbefestigung. Die Mauern und der "Dicke Turm" sind noch gut erhalten.

Der Radweg führt auf der rechten Seite neckarabwärts weiter. Das Zentrum von Stuttgart lassen wir links liegen und gelangen nach einigen km auf das Werkgelände eines riesigen Automobilwerkes. Bald haben wir Bad Cannstatt erreicht.

Ab hier begleiten uns die ersten Weinberge. Nach einigen km wird das Gelände wieder breiter, offener und die zahlreichen Industriegebiete werden weniger. Kleine Orte wie Münster, Freiberg, Hofen, Neckarrems, Aldingen, Remseck, Neckargröningen begleiten unseren Weg. Der Radweg folgt fast auf Flusshöhe den Kehren des Neckars. Rechts bietet sich ein schöner Blick auf die rebenbewachsenen Felshänge. Wir kommen vorbei an Poppenweiler, Ludwigsburg und bald sind wir in Marbach am Neckar.  Die Schillerstadt.

Marbach liegt erhaben über dem Neckar. Es geht steil hinauf in die Innenstadt. Am Geburtshaus von Friedrich Schiller, heute Gedenkstätte und Museum, vorbei in das historische Zentrum von Marbach. Wir besichtigen diesen schönen Ort und hier esse ich auch mein erstes Stück Kuchen.

Wir verlassen Marbach und kehren für heute nicht an den Neckar zurück. Ein Stück folgen wir der L1100 und kommen an die Murr. Nach ca. 5 km haben wir Steinheim a. d. Murr erreicht, wo wir auch übernachten.

Steinheim a. d. Murr bis Neckarsulm (ca. 55 km)

6. Tag

Nach einem guten Frühstück gehen wir, nach Abstimmung, in das Urmensch-Museum. Hier werden uns viele Fundstücke, wie Mammutskelette, Wisente, Waldelefanten usw. aus der Eiszeit vorgeführt. Denn die Stadt Steinheim hat ihren Bekanntheitsgrad einer jungen Frau zu verdanken, deren Schädel im Jahre 1933 in einer Kies- und Sandgrube entdeckt wurde. Mit einem geschätzten Alter von 250.000 Jahren ist der "Homo steinheimensis" der zweitälteste Menschfund in Europa.

Nach dem Museumsbesuch radeln wir an der Murr entlang weiter, zum Neckartalradweg. Wir fahren durch Pfeidelsheim, Groß-Ingersheim - etwas vom Neckar ab - in das sehenswerte Bietigheim. Bietigheim hat ein wunderschönes Rathaus mit einem spitzbehelmten Erker.

In der historischen Innenstadt gehören Skulpturen, moderne Gebäude zum vertrauten Bild. Zum Beispiel: die "Villa Visconti",   benannt nach der Mailänder Gräfin Antonia Visconti (1360-1405) Ehefrau des Grafen Eberhard von Württemberg, oder die Skulptur "Turm der grauen Pferde". Schade, hier hätte ich gerne mehr Zeit verbracht!

Ab Bietigheim geht es weiter an der Enz entlang und wir stoßen in Besigheim wieder auf den Neckartalradweg. Hinter Kirchheim folgt die Route dem Lauf des Neckars, bald taucht das Atomkraftwerk Neckarwestheim auf. Es dauert nicht mehr lange, dann sind wir auch schon in Lauffen am Neckar. Es ist übrigens der Geburtsort von Friedrich Hölderlin.

Die nächste Rast wird "Im Dächle" sein. Hier gibt es nicht nur ein gutes Pils, sondern auch preiswerte Riesenschnitzel. Im Dächle ist man auf 10 hungrige Radler eingestellt. Ruckzuck hat jeder sein Getränk/Essen und ich staune wirklich über die Riesenschnitzel. Kann man eigentlich jetzt noch Rad fahren? Die Antwort: "…wir müssen"!

Natürlich müssen wir weiter! Die Wegstrecke wird etwas ruppiger und manche Erhebung wird zu einem riesigen Berg. Wir kommen nach Horkheim, Sontheim. Die Großstadt Heilbronn lassen wir diesmal rechts liegen. Nach ca. 6 km sind wir in Neckarsulm, hier beziehen wir ein Hotel in der Innenstadt.

Von Neckarsulm nach Eberbach (ca. 55 km)

7.Tag

Ich merke schon recht früh, dass es ein heißer Tag wird. Nach ca. 10 km sehen wir weit oben die Türme der Bad Wimpfener Kurpfalz. Vorher machen wir noch einen Abstecher in eine Klosteranlage, wo gerade ein Kirchenfest mit Kaffee und Kuchen vorbereitet wird.


Jetzt geht es steil hinauf in die historische Altstadt von Bad Wimpfen. Ich puste und schwitze. Plötzlich ziehen Jutta, Günter und Georg an mir vorbei, ganz im Stile von "Lance Armstrong". Ich schwitze weiter, habe es aber trotzdem geschafft. Vielleicht bin ich auch nur ein "Jan Ullrich-Typ".

Bad Wimpfen schmückt sich mit einem wunderschönen fachwerkgekrönten Stadtkern, sie zählt zu den schönsten aus Holz gebauten Städten Deutschlands. Diesen Ort muss man einfach erlebt haben.   Für mich ein Juwel unter den Neckarstädten. Nun besteige ich den Blauen Turm (Reste der Kurpfalz) und werde von der einzigen weiblichen Türmerin in Deutschland begrüßt. Der Blaue Turm ist das heutige Wahrzeichen der Stadt. Anschließend genieße ich den herrlichen Rundblick über das Neckartal.

Ab jetzt wechseln wir ständig die Seiten des Neckars. Erst in Zwingenberg setzen wir wieder über und bleiben auf der linken Seite. Auf ruhigen Waldwegen, vorbei an Schloss Zwingenberg, geht es auf und ab nach Eberbach.

In Eberbach empfängt uns eine unangenehme Wärme. In einem Cafe finden wir einen schattigen Platz. Mit viel Glück bekommen wir noch den letzten Kuchen des Tages. Nachdem wir uns gestärkt haben geht es endgültig zur letzten Unterkunft. Für heute müssen wir noch einmal die letzten Kräfte sammeln, um eine lange Steigung zum Gasthof in Angriff zu nehmen. In einem Biergarten lassen wir den Abend ausklingen.

Von Eberbach nach Heidelberg (ca. 35 km)

8. Tag

Heute führt uns die letzte Etappe nach Heidelberg. Von der Unterkunft aus kommen wir schnell   auf den Neckartalradweg. Auf der linken Seite des Neckars werfen wir einen letzen Blick auf die Altstadt von Eberbach. Es geht zügig weiter und die Orte Neckarwimmersbach und Pleutersbach werden passiert. Am Ortseingang von Ersheim treffen wir auf die berühmte gotische Ersheimer Kapelle. Sie wurde 773 erbaut und ist die älteste Kirche im Neckartal.

Burg Hirschhorn lassen wir rechts liegen (leider aus Zeitmangel keine Besichtigung) und kommen nach Heidelberg. An der linken Neckarseite begrüßt uns das Schloss. Wir halten an und genießen den herrlichen Blick auf die Stadt und auf die Tortürme der alten Brücke.
Jutta zeigte mir, wo sie während ihres Studiums gewohnt hat.

Da, unterhalb des Schlosses und meinte ganz wehmütig; "Ach, es war doch eine schöne Zeit!" und lächelte dabei. Marlies zieht es vor sich gemütlich irgendwo hinzusetzen und die Tour auf ihre Art und Weise abzuschließen.   Einige, so auch ich, schlendern durch die Stadt und sammeln die letzten persönlichen Eindrücke. Für Heidelberg bleibt leider wenig Zeit, wir müssen zum Bahnhof. Der Zug rollt ein und im gewohnten Stile werden die Räder, Gepäck verstaut und die Plätze eingenommen.

Mit Sicherheit freuen sich jetzt alle auf zu Hause, aber das ist eine andere Geschichte.

 

RZ

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