Eine Radtour an Neckar und Rhein - 200

Einmal im Jahr unternehme ich eine Radtour ohne Begleitung oder Gruppenteilnahme. Das Ganze hat einige Vorteile, nämlich,

  • man muss auf niemanden Rücksicht nehmen.
  • es ist einfach, ein Quartier zu erhalten,
  • es gibt bei der Anfahrt mit der Bahn normalerweise keine Transportprobleme,(für ein Rad ist meistens immer noch Platz)..........

Dieses Jahr wollte ich mal den Neckar und einen Teil des Rheins abfahren.

Am Sonntag, den 20.8. 2000 war es dann soweit. Die Fahrt mit der DB bis Villingen war völlig problemlos. In Heidelberg umsteigen und dann durch den Schwarzwald fahren, ist ein Genuss. Nach der Ankunft in Villingen habe ich mir ein Quartier gesucht; für eine Fahrt auf dem Neckar-Radweg war es doch schon zu spät und vor allen Dingen zu schwül. Villingen ist ja auch ein pittoreskes und sehenswertes Städtchen.

Horb

Am nächsten Morgen ging es dann auf den Neckar-Radweg. Der eigentliche Radweg beginnt erst in Schwenningen an der Neckarquelle. Die Topographie zeigt eine richtige Mittelgebirgslandschaft, also jede Menge Steigungen (und Gefälle). Der Radweg ist im Bereich oberer Neckar sehr gut ausgeschildert, die Fahrt, bis auf einige "Matschstellen" recht angenehm. Das Wetter war allerdings durchwachsen. Einige Schauer und heftige Gewitter sorgten für Abwechslungen und kurze Pausen. Abends Quartier in Horb (Gasthaus zum Schiff). Tachostand 81 km.

Tübingen

Dienstag, den 22.8. Die Wetterfrösche hatten recht; Wolken mit sonnigen Abschnitten und vor allem kein Regen. Nachmittags wurde das Wetter richtig sonnig, so wie man es verdient! Bei morgendlich-frischen Temperaturen wieder einige Steigungen direkt am Neckar entlang, später auf einem seitlich der Straße geführten Radweg bis Rottenburg. Weiter über Hirschau und Tübingen (man hätte hier einen Tag bleiben sollen) nach Köngen. Ich habe mir angewöhnt, unterwegs so gegen Mittag tel. ein Quartier zu bestellen. Diesmal hatte ich ein Zimmer im Hotel zum Schwan gebucht. Mann, war das ein vornehmes Etablissement. Tachostand 76 km.

Mittwoch, den 23.8. Bei wirklich schönem und warmen (!) Wetter weiter Richtung Stuttgart. Der Radweg über Plochingen - mit viel Industrie-, bis zum Anfang Stuttgart war noch recht angenehm, wenn auch teilweise parallel zur Straße, gut zu fahren, aber dann! Irgendwann befand ich mich in einem Industrie- bzw. Hafengebiet. Erst durch mehrfache Befragungen war es möglich, dem Chaos zu entfliehen. Um durch Stuttgart zu kommen, habe ich fast eine Stunde gebraucht; es kann doch nicht so schwer sein, die Strecke vernünftig auszuschildern!?Die Weiterfahrt bis Heilbronn war dann wieder gut zu fahren. Mein Sohn wohnte zu dieser Zeit in dieser Stadt. Bei ihm hatte ich zwei Übernachtungen gebucht. Vom Götzenturm aus habe ich ihn angerufen, er hat mich dann mit dem Fahrrad abgeholt. Tachostand 106 km.

Am nächsten Tag stand auf dem Tagesprogramm: "Lasst uns einen Ausflug nach Bad Wimpfen machen." Das Ganze ist gut mit der DB zu erreichen. Bad Wimpfen ist ein zauberhafter Ort, anheimelnd durch seine gut erhaltene Pfalz und andere historische Gebäude. Am Abend haben wir eine "Buschenschenke" aufgesucht mit (feucht)-fröhlichem Ausklang.

Eine Hitzetour stand dann am 25.8. auf dem Programm. Die Strecke führt größtenteils links des Neckars und ist angenehm zu fahren. Nach 62 km in Eberbach ein gutes Quartier im Hotel "Zum Karpfen" gefunden. Ein Bummel durch den pittoresken Ort rundete den Tag ab. Übrigens, "Hofbier, trübes Pils", gar nicht schlecht!

Samstag, den 26.8. Zugegeben, die 36 km nach Heidelberg sind bestimmt keine gewaltige Strecke, aber wer will sich diesen bedeutenden Ort schon entgehen lassen. Wenigstens einen halben Tag durch die Stadt bummeln, das Schloss besichtigen und die Atmosphäre auf sich wirken lassen, ist ein Muss. Wie schön muss diese Stadt ohne Besuchermassen sein.

Am Sonntag, den 27.8. hieß es früh raus aus den Federn. Wie so oft, war auch diesmal das Herausfinden aus der Stadt mit Schwierigkeiten verbunden. Aber auf diese Weise lernt man anhand der Hinweisschilder die medizinischen Einrichtungen Heidelbergs auf dem rechten Neckarufer kennen. In Mannheim, am Zusammenfluss von Neckar und Rhein, war eine einstündige Regenpause in einem Wartehäuschen der Straßenbahn, unmittelbar am Fernmeldeturm, angesagt. Die weitere Fahrt ging weiter über Lampertheim, Rosengarten nach Worms. Im Hotel Kriemhilde, direkt am Dom, hatte ich von unterwegs ein Zimmer reserviert. Den wunderschönen romanischen Dom zu besichtigen, war diesmal nicht mit Muße möglich, schließlich feierte Worms das Backfischfest. Was es damit auf sich hat, ist mir nicht ganz klar geworden. (50 km)

Montag, den 28.8. Auf der linken Rheinseite, teilweise auf saumäßigem Pflaster durch Mainz mit seinem nördlichen Industriegebiet gefahren. Großstädte sind für Fahrradfahrer häufig eine Zumutung. Würde man nicht hilfreiche Zeitgenossen finden, die einem weiterhelfen, ich glaube, mancher Radler würde Tage brauchen, um auf den richtigen Radweg zu kommen. Also hinter Mainz eine ganz angenehme Fahrt weiter bis Kempten, kurz vor Bingen. Insgesamt an diesem Tag 80 km gefahren, obwohl der Gegenwind mich wirklich nicht unterstützt hat, zudem wurde es nachmittags recht warm.

Boppart

Dienstag, den 29.8. Zu Beginn der Reise hatte ich mir vorgenommen, möglichst in Boppard zu übernachten. Bei Fahrten mit dem Zug, sowie aus der Literatur waren mir die bedeutenden römischen Hinterlassenschaften bekannt; daher der Wunsch, diese aus der Nähe zu sehen. Das Ziel war nach 46 km erreicht. Aber ..... dazwischen lagen Radwege an der B9, die diese Bezeichnung wirklich nicht verdienen. Sicherlich, große Strecken, besonders hinter Bingen, sind angenehm direkt am Rhein zu befahren. Nach 46 km bin ich dann in Boppard angekommen und hatte Zeit meinen Plan in Ruhe zu realisieren. Mein Quartier im Hotel Rheinlust kann auf jeden Fall empfohlen werden.

Am Mittwoch war dann der Tag der Heimreise. Morgens 24 km bis Koblenz gefahren (diesmal auf angenehmer Strecke), um ca. 11°° mit dem RE weiter bis Düsseldorf, dann ab nach Hause. Tja, was soll man als Resümee sagen:

  • Die Strecken sind bis auf die genannten Einschränkungen gut zu fahren. Wegen der vielen sehenswerten Städte und Landschaften sollte man vielleicht kürzere Tagesetappen planen um die Sehenswürdigkeiten zu genießen.
  • Grundlagen für die Tour waren die "BIKELINE" Radtourenbücher. Diese Bücher haben ein günstiges Taschenformat, und passen in die Trikottaschen.
  • Als Einzelner oder zu Zweit hat man kaum Schwierigkeiten bei der Quartiersuche. Ich habe, wie schon erwähnt, meisten gegen Mittag über das Handy eine Reservierung organisiert.
  • Der größte Teil an Neckar und Rhein sind Touristengebiete, mit jeder Menge Hotels, aber auch nicht mit Discountpreisen.

 

Klaus Schröder

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