Eifeltour - Kyll Radweg 19.07.04 - 24.07.04

Montag 19.Juli

Von Zuhause starten wir um 8:15 Uhr. Mit dem Rad geht die erste Etappe von Erkrath zum Düsseldorfer Bahnhof.

In dem allgemeinen Bahnhofsgewusel fallen wir kaum auf. Von hier geht es mit dem üblichen Kuddelmuddel (Verspätung, überfülltes Radabteil) über Köln nach Jünkerath.

So, endlich geht es los.

Mit einem weiten, hügeligen Panorama begrüßt uns die Eifel. Über Gerolstein, befahren wir landwirtschaftliche Straßen, gut ausgebauten Rad- und Waldwege. Langsam verbreitet sich in mir das Urlaubgefühl.

Der Kyllradweg selber ist so gut ausgeschildert, das man praktisch ohne Karte zurecht kommt. An einer einzigen Stelle haben Spaßvögel das Schild verdreht, so daß wir einen Abzweig nach rechts verpassen. Das kann aber auch eine Fehlleistung unsererseits gewesen sein, nach dem Motto: "Wenn es so schön bergab geht, kann ich doch nicht für einen Abzweiger bremsen." Nun ja, dann geht es eben 500m zurück und bergauf.

Der erste Tag bringt uns bis St. Thomas. Abends bummeln wir durch den schönen Garten des Kloster St.Thomas. Für den Naturlehrpfad im Garten ist es schon etwas zu schummerig. Also gehen wir auf Umwegen zurück zur Pension und lassen den Tag ausklingen.

57 Tageskilometer haben wir auf dem Tacho.

Dienstag 20.Juli

Start ist um 10:00. Obwohl wir Urlaub haben, fängt es an zu regnen, in Strömen und über vier Stunden lang. Na gut, vielleicht ja auch nur dreieinhalb. Trotzdem lassen wir uns nicht erschüttern. Vorsichtig aber unverdrossen fahren wir nun die etwas weichen und rutschigen Waldwege.

Der erste Abschnitt führt nach Kyllburg. Hier nehmen wir für zwei Stationen den Zug bis Hütting. Dadurch ersparen wir uns einen steilen Abschnitt.

Eine Rast machen wir auf Burg Ramstein1. Das "Kaminzimmer" war sicher mal ein Zimmer mit Aussicht. Wälder und grüne Hügel soweit das Auge reicht. Das Tagesziel ist Kenn bei Trier. Hier mündet die Kyll in die Mosel und damit ist auch der Kylltal Radweg an seinem Ende angelangt. In Kenn haben wir für zwei Übernachtungen ein schönes Quartier.

Insgesamt sind haben wir 51 Tageskilometer geradelt.

Mittwoch 21.Juli

Heute geht es um eine Rundtour, das Wetter scheint uns dazu einzuladen. Ruwer, Ruwertal, Mertesdorf, Kasel, Waldrach, Riveris, Osburg, Hochwald und Hunsrück2 sind hier die Stichworte.

Später wissen wir, dieser Tag ist der schwierigste. Konnten wir bisher immer gemütlich neben der Bahnstrecke oder der Kyll fahren, wird es nun doch sehr hügelig. Seit mindestens 1000 Jahren wird in dieser Gegend bereits Wein angebaut. Die Fahrt wird also von riesigen Weinbergen begleitet. Zunächst geht es um die Riveris-Talsperre herum.

Eine Abkürzung durch den Wald nach Osburg zehrt sehr an den Kräften. Ein Teil des Weges ist eher für Wanderer gedacht. Wenn man dann bei ca. 30 Grad das Rad steil hochschiebt, nun ja, da kommt man schon mal auf fluchende Gedanken. 

Oben angekommen, geht es kurze Zeit schattenlos und flach weiter. Besser man bleibt in Fahrt und genießt den Wind.

Warum ausgerechnet jetzt eine Fahrradlampe abbricht, weiß kein Mensch. Aber kleine Reparaturen werden sofort vorgenommen.

Und dann geht es über Herl bergab in das Fellerbachtal.

Hin und her gerissen zwischen Kamikazegefühl und Geschwindigkeitsrausch kann man sich dann leider nicht so auf die Landschaft konzentrieren. Man müsste also eigentlich noch einmal hoch, um ein paar tolle Fotos für die Ewigkeit zu schießen und den Ausblick zu genießen. Aber andererseits...

Außerdem gibt es in Fell bestimmt etwas Kühles zu trinken. Also weiter.

Die nächste Etappe führt nach Longuich. Hier ist die römische Villa Urbanus im Zuge der Landesgartenschau3 sehr schön rekonstruiert.

Von hier geht es zurück nach Kenn.

Insgesamt sind wir 43 km gefahren. Mit vielen schönen Pausen haben wir dafür sieben Stunden gebraucht. Trotzdem, mir tun vom Schieben und Bremsen die Arme weh. Ein schönes Abendessen und die gemütliche "Weinprobe" machen das aber schnell vergessen.

Donnerstag 22.Juli

Wir verlassen Kenn. Für den Abend haben wir eine Herberge in Konz Könen. Hier werden wir zwei Nächte bleiben, aber vorher wollen wir uns Saarburg anschauen.
Zunächst einmal müssen wir auf dem Radweg, die Mosel entlang durch Trier. Dies ist leider ein sehr lauter Streckenabschnitt, da eine Hauptverkehrsstraße parallel läuft.
In Konz folgen wir also dem Lauf der Saar4 (stromauf haben wir den Fluss immer rechts von uns) und folgen über Kanzem dem alten Flusslauf.

Ein Hauch von Abenteuer tritt ein, als ein Schaltzug an meinem Fahrrad reißt. Zum Glück steht die Schaltung auf dem mittleren Ritzel, so das ich noch gut weiterfahren kann. In Saarburg kann ich dann ja eine Fahrradwerkstatt suchen. Nun gut, die Karawane zieht weiter.
Wir sind noch keine 100 m gefahren, da bemerke ich mein plattes Hinterrad. Langsam aber stetig hat es die Luft abgelassen.
Tut das Not, warum jetzt, warum ich, warum bei der Hitze, warum ausgerechnet das Hinterrad, ist die Tour nun für mich zu Ende, weil mein beklopptes Fahrrad langsam auseinander fällt? Panik!!
Nur gut, das ein paar Routiniers dabei sind.

Leicht entnervt aber mit kühlem Kopf wird erst einmal ein schattiges Plätzchen gesucht. Dann stellt sich heraus, dass sich das Ventil gelockert hatte. Toll, also einfach nur aufpumpen und dann mal beobachten, was so passiert. Weiter geht die Fahrt.
Ich glaube bei Schoden haben wir eine schöne Gartengaststätte gefunden. Das wird auch Zeit, denn alle sind am verdursten und hungrig.

Saarburg5 ist auf jeden Fall sehenswert. Der Leukbach schafft eine besondere Atmosphäre im Ort. Überall hört man ihn rauschen und er bringt heute eine angenehme Kühle mit. Hier kann man es schon eine Weile aushalten.

Wir machen uns dann aber doch an den Rückweg nach Konz. Nun fahren wir auf der linken Stromseite. Am frühen Abend kommen wir in Könen an und machen uns noch einen netten Abend.

Freitag, 23.Juli

Heute wollen wir Weltenbummler mal nach Luxemburg. Echternach ist das Ziel. Um 10:00 Uhr geht es los.
Und es wird bestimmt wieder heiß. Also heißt es gemütlich radeln, viele Pausen genießen und noch mehr trinken.

Es wird gewissermaßen eine Drei-Flüsse-Tour. Mosel, Sauer und Saar werden von gut ausgebauten und beschilderten Radwegen (zur Not auch für Fußgänger geeignet :-) ) begleitet. Die Strecke führt nur ganz kurz an der Straße entlang, aber auch hier ist es sicher zu fahren. An sonsten geht es eher durch Parklandschaften. Zunächst geht es zur Fähre von Oberbillig rüber nach Wasserbillig. Und zack sind wir in Luxemburg.

Die haben hier auf der Sauer so viele Schwäne und Gänse, das für ein Containerschiff kein Platz mehr wäre. So werden die natürlich nie Welthafen. Aber schön ist es dort doch.
Ja und dann kommen wir nach Echternach6.

Diese Alte Stadt, mit sehenswerten Gebäuden und Gassen, lädt zum Bummeln, verweilen und knipsen ein. Also werden die Räder auf dem Marktplatz abgestellt und los.
Ja und dann war da noch der heilige Willibrord7. Ihm zu Ehren wurde die Basilika gebaut.
Auf der Treppe fallen einem offenbar alle Sünden wieder ein und zwar sofort. Die Übelste sprudelt dann auch gleich `raus:

"Ich habe den Schlüssel für mein Fahrradschloss im Hotel vergessen!!", stöhnt da jemand.

"Ach komm, dass ist doch jetzt ein Scherz.", sagt ein hoffnungsvolles Lächeln.

"NEIN".

Und die Steigerung kommt sofort: "Hermann habe ich auch mit abgeschlossen!"

Betretenes Schweigen und Überlegen.

Erste Antwort: "Ach, dann fahre ich zurück und hohle den Schlüssel" Ein stilles Stossgebet erbittet bessere Vorschläge.

Und siehe da: "Wir sind doch gerade an einem Eisenwarenladen vorbeigekommen. Da werden wir gleich nach einer Mörderzange fragen."

So hat es dann auch geklappt. Allerdings, mussten wir die Polizei für eine Knackerlaubnis einschalten.

In Echternach kann man also wirklich viel sehen und erleben.

Gegen 16:00 Uhr machen wir uns langsam auf den Weg zurück nach Könen. Abends haben wir 60 km auf dem Tacho und viele schöne Eindrücke im Kopf.

Samstag, 24.Juli

Thema heute: Ab nach Hause aber erst schauen wir uns Trier8 an.

Von Konz nach Trier sind es mal gerade 11 km. Also haben wir viel Zeit für Besichtigungen. Schließlich gibt es hier viel zu sehen und da wird es wohl doch knapp mit der Zeit. Der Tourenleiter war schon häufiger hier und kann uns daher präzise einweisen.

Wir beginne mit dem schönen Marktplatz, wühlen uns durch die Wochenend-Einkäufer und Touristen. Es geht einmal durch die Fußgängerzone bis zur Porta Nigra.

"Lass uns mal etwas zu knabbern kaufen und dann schauen wir mal in den Dom und besichtigen die Liebfrauenkirche." "Ja, Ok."

Warum ist es bloß jetzt so heiß. Letztendlich machen wir eine ausgiebige Pause im Park des Kurfürstlichen Palais.

Wir fahren später noch an den Thermen vorbei aber eigentlich ist es uns allen zu heiß. Also, ein hoch auf das Internet8, da kann man dann ja auch später noch Infos einholen und dann so tun als ob. Eigentlich bin ich nun auch müde genug für die Heimfahrt.

Ja, nun, das waren also 5 Tage Eifel mit dem Rad von Jünkerath bis Trier.
Es war meine erste 5-Tage-Tour und ich hatte ja schon ein wenig Bammel. Aber letztendlich hat der Regen gar nicht weh getan, die Tour war flacher als ich gedacht hatte und Gepäck hatte ich ganz gut geplant und die Mitradler waren alle bestens.
Mir persönlich macht Hitze nicht so viel aus, wenn ich nicht durch die knallige Sonne muss. Aber die vielen Pausen waren auf jeden Fall angebracht. Wir konnten so mehr von der Landschaft sehen und es wurde automatisch mehr getrunken. Trinken wird ja gerne unterschätzt.
Die Strecke und Gegend kann ich nur empfehlen. Der Kyllradweg ist fantastisch ausgebaut und komplett beschildert. Es gibt überall etwas zu besichtigen und mit der Bahn kann man schon mal einen beschwerlicheren Part überspringen.
Außerdem ist die Eifel massiv im Internet vertreten, so das man sich vorab über Routen und Unterkünfte informieren kann.
Na und der Rest ist dann eben das normale Abenteuer mit Mensch, Technik und Natur.
Viel Spaß dabei.
Text: Bettina Kemper
Fotos: Bettina Kemper, Gerda Richling, Rita Ziegner danke, danke...

Links/Fußnoten aus dem Text

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