Eine Radtour am Dortmund-Ems-Kanal entlang und durch Ostfriesland 2002

Meine jährliche Radtour, die ich wie immer alleine fahre, sollte diesmal ganz unspektakulär" im Ruhrgebiet starten und mich dann noch ein Stück weiter an der Nordseeküste entlang bis nach Bremerhaven führen.

Beim geplanten Start in Dortmund, war die Anfahrt mit der S-Bahn eine bequeme Angelegenheit.

Nach einigen kleinen Schwierigkeiten habe ich den Anfang der "Rad-Route Dortmund-Ems-Kanal" erwischt. Um es gleich vorweg zu nehmen, die Strecke ist erstklassig ausgeschildert.

Schloss Lüdinghausen

n diesem Tag herrschte eine schwül-heiße Wetterlage. Die Strecke führt vorbei am historischen Hafenamt, durch den Freizeitpark Fredenbaum, und dann ist man am Dortmund-Ems-Kanal (DEK). Der erste "Höhepunkt" ist der Schleusen-Park Waltrup. Weiter am DEK entlang, durch Datteln, hinter der Schleuse zum Wesel-Datteln-Kanal führt die Strecke an der "Alten Fahr" entlang. Leider auch durch ein Neubaugebiet - dem Fluch der Reiseradler - sodass ich bis Lüdinghausen auf dem gut ausgebauten Radweg entlang der B235 gefahren bin.

Burg Vischering

Nach 46 km habe ich mir eine Unterkunft gesucht. Die Hitze war zu groß! Abends habe ich noch einen kleinen Spaziergang zum Schloß Lüdinghausen und zur Burg Vischering gemacht, selbstverständlich musste auch der Flüssigkeitsverlust des Tages ausgeglichen werden.

Münster

Die weitere Fahrt am DEK entlang war in der morgendlichen Frische recht angenehm. Bei Ammelsbürgen verlässt der Radweg den DEK und schlängelt sich seitlich durch die sehr schöne Landschaft. Leider wurde es gegen Mittag wieder recht schwül, einige Wolken drohten mit Regen, sodass ich mir in Münster ein Quartier - Haus vom Guten Hirten - gesucht habe. Über die ehrwürdige Stadt Münster zu schreiben ist nicht einfach; schließlich hat die Stadt bei ca. 280 000 Einwohnern 90 Kirchen und ca. 900 Kneipen. Diese Zahlen sagen eigentlich alles. Die Tagesstrecke war in Anbetracht der Hitze mit 46 km gar nicht mal so schlecht.

Am nächsten Morgen wurde es immer dunkler und heftiger Regen versüßte die Aufbruchstimmung. Also das Quartier um einen Tag verlängert und Münster noch einen weiteren Tag genossen.

Leer

Am nächsten Tag war morgens das Wetter angenehm frisch, kurz ideal zum Fahren. Auch auf der folgenden Strecke verlässt der Radweg das unmittelbare Ufer und führt auf guten Wirtschaftswegen seitlich durch die Landschaft. Das ging alles ganz gut bis Ladbergen. Eine Baustelle, der Feind aller Radler, erzwang einen Umweg, der natürlich auch nicht ausgeschildert war. Im weiteren Verlauf am Kanalufer - teilweise sehr angenehm - weiter bis zum "Nassen Dreieck" und dort eine Pause eingelegt. Am "Nassen Dreieck" mündet der Mittellandkanal in den DEK. Weiter angenehme Fahrt bis zur Schleuse Gleesen. Im Gasthaus "Gleesener Schleuse" habe ich übernachtet. Das Tagespensum betrug immerhin 94 km.

Der weitere Radweg führt an Lingen, Meppen, Haaren vorbei. In dem Wallfahrtsort Heede habe ich übernachtet. Tagesetappe 76 km.

Hafen Leer

Mit Rückenwind(!) durch eine schöne Landschaft zu fahren ist schon ein Genuss. In Leer kam die Überlegung, zeitig Schluss machen und sich die Stadt anschauen oder weiter? Na ja, die Vernunft hat gesiegt. Unterkunft suchen, Rundgang durch die Stadt, Hafenrundfahrt. Ist das keine Alternative? Übrigens den Spruch "in Aurich ist's schaurig, in Leer noch viel mehr" kann ich nicht bestätigen. Leer ist eine angenehme Stadt. Tagesstrecke 47 km.

 

Hafen Carolinensiel

Die Landschaft ist auch weiter für den Radler ein Genuss, wenn da nicht zwei Dinge wären:

1) Am Deich wird viel Schafzucht betrieben. Wären die "Hinterlassenschaften" der Schafe so hart wie Kieselsteine, hätten meine Felgen garantiert den Geist aufgegeben.

2) Bis jetzt wurde ich weitgehend davon verschont, aber mein Freund der Gegenwind machte mir heftig zu schaffen. Durch Emden fährt man über Wallanlagen, leider nicht optimal ausgeschildert. Die historische noch in Betrieb befindliche Kesselschleuse sollte man sich unbedingt ansehen. Die 60 km bis Marienhafen waren recht anstrengend.

Die Fahrt am Morgen bescherte mir wieder den fiesen Gegenwind des Vortages mit Steigerung bis kurz vor Norddeich. Da der Weg jetzt in die West-Ost-Richtung wechselte, kam ich in den Genuss des Rückenwindes. Also flottes Tempo am Küstendeich entlang bis Carolinensiel und dort Quartier gesucht. Spätnachmittags habe ich mich noch in dem sehenswerten Museumshafen umgesehen. Das Tagespensum betrug 77 km.

Dieser Tag sollte der anstrengendste der ganzen Tour werden. Von Anfang an fast nur Gegenwind. Also Bussenhausen - Waddewarden - Hooksiel und dann noch heftiger durch Wilhelmshaven, fast ein Alptraum. Auf dem Stück Südstrand hätte ich das Rad am liebsten geschoben. Eine Baustelle sorgte für zusätzlichen Frust. In Dangast habe ich dann eine wirklich niedliche Pension in absolut ruhiger Lage gefunden (28 €). Die 72 km waren jedenfalls eine saure Strecke.
Der Wetterbericht hatte für die nächsten Tage Regenschauer und stürmische Winde angekündigt. Also was tun? Nach Rücksprache mit der Wirtin habe ich meine Planung leicht geändert. Ich bin ziemlich genau in östliche Richtung gefahren, d. h. mit Rückenwind über Varel, Övelgönne nach Brake an der Weser. In dieser Gegend und auch vorher schon werden die Radrouten mit kleinen Hinweisschildern im Klartext markiert. Mit einer Karte und dieser Ausschilderung lässt sich angenehm fahren. Bei meiner Ankunft in Brake nach 43 km habe ich sofort ein Ticket für die Heimfahrt gekauft und dann erst eine Unterkunft gesucht. Prompt fing es an zu regnen!
Am 28.06. Heimfahrt mit der DB.

Was kann man im Allgemeinen zu der Tour sagen:

  • Die Strecke am DEK ist (von den Baustellen abgesehen) gut ausgeschildert.
  • Quartier ist außerhalb der Urlaubszeit ohne Schwierigkeiten zu bekommen und außerhalb der Städte auch zu moderaten Preisen.
  • Ein Problem kann im Flachland der Gegenwind sein. Man sollte dann aber die Streckenlänge reduzieren.
  • Die Höflichkeit der Leute, bei Fragen nach der Route, ist regelrecht auffallend. Hier könnten sich Großstädter noch einiges abgucken!
  • Touristische und spektakuläre "Highlights" sind auf dieser Strecke eher selten. Der Erholungswert dafür (vielleicht) höher.

Klaus Schröder

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