Eine Radtour am alten und neuen Main-Donau-Kanal entlang - 1999

nahe bei Bamberg

Warum eigentlich immer nur große, sensationelle und zugegebenermaßen hochinteressante Radtouren beschreiben, warum nicht mal diese kleinen Touren in nicht allzu großer Entfernung?

Nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Freystadt (Franken) wollten meine Frau und ich unsern Kurzurlaub mit einer kleinen Radtour abschließen. Unser Ziel sollte Bamberg sein und da ich schon einiges über den alten Köng-Ludwig-Kanal gelesen hatte, haben wir uns entschlossen, an dem alten Kanal entlang zu fahren. Um eines vorweg zu nehmen, unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht, im Gegenteil, es war noch schöner als in allen Beschreibungen geschildert!

Am 28.6. sollte es losgehen. Der morgendliche Regen sorgte für eine verzögerte Abfahrt. Gegen 11°° ging es dann in südlicher Richtung, erst mal am neuen Rhein-Main-Donau-Kanal entlang bis Mühlhausen. Unterwegs fielen uns die „Arbeitsspuren von Bibern auf. Von Mitarbeitern des Wasser- Schiffahrtsamtes erfuhren wir, daß die Tiere von der Donau bis in die Gegend von Hilpoltstein „eingewandert“ sind.

Wenn man durch Mühlhausen dem gut ausgeschilderten Radweg folgt, erreicht man den Anfang (oder das Ende) von dem Rest des alten Köng-Ludwig-Kanals. Ab hier führt der alte Kanal nördlich, über Neumarkt, noch weiter ansteigend, an Berg vorbei, dann westwärts Richtung Nürnberg. Wir sind an dem Tag bis Schwarzenbruck gefahren und haben dort übernachtet; kurz vorher wurde der höchste Punkt des Kanals erreicht.

Der 1845 fertiggestellte Köng-Ludwig-Kanal mit einer Breite von ca. 16 m, war bis 1950 eine komplette Wasserstraße von Kehlheim bis Bamberg. Nur ein Teilstück von Mühlheim bis Nürnberg ist noch erhalten, der Rest ist in den neuen Rhein-Main-Donau (RMD)-Kanal aufgegangen. Das erhaltene Teilstück wird nur noch von Anglern genutzt; an einigen Abschnitten blühen See- und Teichrosen.

Um seinerzeit die Höhen der Fränkischen Alb zu bewältigen, mußten 100(!) Schleusen gebaut werden. Von den Viadukten zur Überbrückung von Flußtälern existieren noch zwei. Die für den Kanal geeigneten Schiffe wurden am Kanal jeweils von einem Pferd getreidelt; maximale Last 120 Tonnen. Die Schleusen konnten aufgrund ihrer Größe manuell geöffnet bzw. geschlossen werden. Leider hat man beim Straßenbau an einigen Stellen den Kanal einfach zugeschüttet.

Der Kanal stellte beim Bau eine Ingenieurleistung ersten Ranges dar und wurde mittlerweile als technisches Denkmal unter Schutz gestellt; die an dem Radweg aufgestellten Tafeln erläutern die Geschichte und Technik, man sollte sich diese nicht entgehen lassen.

Am andern Morgen sind wir bei regelrechtem Bilderbuchwetter zuerst ein kleines Stück an der Schwarzach entlang und dann weiter auf dem Treidelpfad Richtung Nürnberg gefahren. Im Nürnberger Hafen stößt man dann auf den neuen RMD-Kanal. Welch ein Unterschied! Erst dieser zauberhafte kleine, sich der Landschaft anpassende Köng-Ludwig-Kanal und dann der monströse, 100m breite neue Kanal, der eine Landschaft völlig verändert hat. Zugegebenermaßen, es ist ziemlich ruhig an den Ufern, aber auch nur wegen des fehlenden Frachtaufkommens. Na ja, der Steuerzahler kann sich freuen, ist er doch für die Kosten dieser Fehlinvestition letztlich zuständig (1986 wurden die Baukosten auf 4,2 Milliarden DM geschätzt).

Wir sind dann vorbei an Fürth, Erlangen, bis Forchheim gefahren. In Forchheim-Burk haben wir uns ein Quartier gesucht. Ein abendlicher Spaziergang in die alte Stadt Forchheim auf der anderen Kanalseite, brachte mich zu der Einsicht, daß es besser gewesen wäre, in diesem beschaulichen Ort auf Quartiersuche zu gehen. Also, beim nächsten Mal wissen wir es besser.

Der nächste Tag begrüßte uns mit Regen. Aber gegen 10°° konnten wir losfahren. Nach 33 km waren wir dann am Ziel in Bamberg und hatten noch Zeit genug für einen ausgiebigen Bummel.

Wer in absehbarer Zeit „ins Land der Franken fahren“ will, ist gut beraten, den alten Köng-Ludwig-Kanal in seine Planung einzubeziehen. Er wird es mit Sicherheit nicht bereuen.

 

Klaus Schröder

© 2019 ADFC ADFC im neanderlandOrtsgruppe Erkrath