Reisebericht über den Alpencross Füssen-Comersee Ende Juli 2008

Die etwas andere Art, die Alpen zu überqueren.

Seit ca. 15 Jahren fahre ich jetzt aktiv Fahrrad. Zuerst sah dies so aus, dass ich einmal Jahr mit einem Freund für ca. 1 Woche mit dem Rad und Gepäck unterwegs war. Meist fuhren wir Flüsse entlang, erstmals führte uns die Mozarttour auch in die Berge. Diese Fahrten wurden immer mit Treckingrädern durchgeführt. Zusätzlich hatte ich mir vor vielen Jahren auch ein Mountainbike zugelegt und festgestellt, dass mir diese Radform besser liegt und auch mehr Spaß macht. So wurden unsere Tagesfahrten meist mit dem Mountainbike durchgeführt. Der Vorteil liegt u.a. darin, dass man auch mal unbeschwert auf unbefestigten Wegen fahren kann.

Alpen 01

Zu meinem 60. Geburtstag hatte ich mir dann etwas Besonderes vorgenommen. Ich wollte mit dem Mountainbike die Alpen überqueren. In den gängigen Fachzeitschriften werden solche Touren immer wieder beschrieben und ich wurde neugierig. Es war mir klar, dass ich eine Tour nicht alleine durchführen konnte, so ließ ich mir die Prospekte bekannter Anbieter kommen. Es sollte auch nicht zu schwer sein, schließlich kam man aus dem Flachland. Ich reservierte dann für die Strecke Füssen – Comer See, ca. 5800 Höhenmeter auf 400 km.
Schließlich wurde etwas höher und unwesentlich weiter.

Alpen 02

Wir trafen uns in Füssen/Schwangau am Samstagabend in einem schönen Hotel. Es waren 13 Teilnehmer im Alter von ca. Mitte 30 bis Mitte 60, davon waren 6 Frauen, dazu kam der Scout Hansi, ein Ski- und Mountainbikelehrer aus Bad Tölz. Die Gruppe stellte sich vor, ich war der einzige „Neue“, der auch noch aus dem Flachland kam. Die anderen waren schon häufiger mit dem Veranstalter gefahren und kannten sich teilweise untereinander. Dies sollte jedoch kein Nachteil sein, ich wurde sehr schnell in diese homogene Gruppe aufgenommen. Und das, obwohl ich mit einem Handicap fahren musste. Nach einem schweren Unfall konnte ich  keinen Rucksack tragen, stattdessen hatte ich einen speziellen Gepäckträger auf dem Rad mit einer Tasche, die bei dem teilweise sehr holprigen Gelände nicht immer hielt.

Alpen 03

Am Anreisetag schien noch die Sonne, wir hofften, dass dieses so blieb. Für das gute gelingen einer Tour in den Bergen ist das Wetter ein wichtiger Bestandteil. Am Sonntagmorgen regnete es in strömen. Bis Mittag blieb es auch so. Man radelte sich erst einmal ein in Richtung Österreich dem Lech folgend. Es folgten die ersten Höhenmeter mit entsprechenden Abfahrten. Schwierig wurde es, wenn der Scout uns bei einer Abfahrt ermunterte die Sättel herunterzustellen, damit ein besserer Schwerpunkt bestand. Beim Mittagessen freute man sich über die ersten Sonnenstrahlen, um die feuchte Kleidung zu trocknen. Leider setzte sich der Regen den ganzen Nachmittag fort, so waren wir froh unser erstes Etappenziel Elbigenalp auf 1040m zu erreichen. Dort war man schon vorgewarnt worden, so dass wir Gelegenheit fanden, unsere nasse Kleidung, insbesondere die Schuhe, zu trocknen.

Alpen 04

Am 2. Tag begann die Fahrt wieder bei Regen, wobei wir ab Mittag bei schönem Wetter fuhren. Man hatte das Gefühl, das man direkt leichter fuhr. Heute passierten wir die ersten Pässe, den Flexenpass 1773m und abschließend nach einer kurzen Abfahrt den Arlbergpass mit 1793m. Von dort ging es dann nur noch bergab nach St. Anton 1273m, wo sich unser Quartier befand.

Alpen 05 und 06

Der 3. Tag begann wieder mit Regen. Es sollte für mich der härteste Tag werden, insbesondere weil uns eine längere, steile Schiebepassage bevorstand. Wir fuhren zuerst durch das Verwalltal zur Konztanzerhütte 1700m. Bis 2000m gab es noch einen Fahrweg. Ab hier wurde es dann anstrengend. Zwischenzeitlich war aus dem Regen leichter Schneefall geworden und wir mussten unsere Räder bis 2270m schieben bzw. tragen. Die restlichen 38 Höhenmeter bis zur Heilbronner Hütte konnte man dann wieder fahren. Aufgrund des schlechten Wetters hatte man leider nichts von dem hochalpinen Bergpanorama. Auf diese Rast hatte man sich besonders gefreut. Nach dem Mittagessen und dem Wechsel der Kleidung incl. Socken ging es auf Schotterpisten und Trails, wo wieder teilweise geschoben wurde, hinunter zum Zeinisjoch, Galtür durch das Pznauntal nach Ischgl 1376m.
Hier gab es einen besonderen Service: Fahrzeug und Kleiderreinigung.

Alpen 07

Am Mittwoch sollte es spannend werden. Wir fuhren mit der Seilbahn in Ischgl zum äußeren Viderjoch auf 2737m. Zuerst mit einer Kabinenbahn, das letzte Stück dann mit einem offenen Sessellift, wo das Rad lediglich mit dem Pedal auf der Sicherungsstange lag. Hier lag auch wieder Schnee und es war entsprechend kalt. Jeder schaute in seinem Tagesgepäck nach, was er noch zusätzlich für die sehr lange Abfahrt anziehen konnte. Es folgte eine atemberaubende Abfahrt über Schotterwegs, Passstraßen und Tunnel, die häufig nicht beleuchtet waren. Über Compatsch hinunter ins Engadin und folgen dem Inn bis Scoul 1198m. Dort machen wir nach der anstrengenden Abfahrt die verdiente Mittagspause. Die hatten wir auch nötig, denn es stand uns für den Nachmittag noch eine anstrengende Tour auf 1820m bevor nach S-Carl. Dabei handelt es sich um ein kleines, beschauliches Bergdorf, wo in einem sehr gemütlichen Berggasthof übernachtet wurde.

Am Donnerstag stimmte einfach alles. Wir hatten herrliches Wetter und eine tolle Weitsicht. Von S-Carl fuhren wir auf schönen Trails zum Costainapass auf 2251m. Nach einer Abfahrt und kurzen Schiebepassagen gelangen wir zum Ofenpass. Nach der Mittagsrast ging es über Zernez auf gemütlichen Wegen durch das Oberengadin nach St. Moritz, unserer vorletzten Station.

Alpen 08 und 09

Am letzten Fahrtag fuhren wir von St.Moritz an vielen Bergseen und herrlichen Panoramen vorbei Richtung Majolapass 1815m. Hier ging es praktisch nur noch bergab bzw. flach nach Italien in Richtung Comer-See, der auf 205m liegt. Man konnte die Tour schön auslaufen lassen, lediglich am Comer-See, wo auch teilweise die stark befahrene Küstenstraße genutzt wurde, kam es zu kritischen Situationen mit Autofahrern, die auf unsere Gruppe wenig Rücksicht nahmen. Man war glücklich und froh, teilweise auch etwas stolz, die Tour geschafft zu haben. Einige sprangen bei Ankunft im Hotel mit ihrer Fahrradkleidung in den kühlen Comer-See. Den Tag und die schöne Reise ließ man am Abend bei einem tollen italienschen Abendessen auslaufen.

Samstagmorgen ging es dann auf den Heimweg. Pünktlich standen unsere Busse mit Anhängern für die Fahrräder am Hotel und brachten  uns nach Füssen zurück, wo unsere Pkw’s auf uns warteten. Auch diese Rückfahrt war ein tolles Erlebnis und führte uns vorbei an vielen Ort, die wir in der vergangenen Woche mit dem Rad passiert hatten.

Alpen 10 und 11

Fazit der Reise: Es war tolles Erlebnis, teilweise sehr anstrengend in einer sehr homogenen Truppe mit einem guten Scout, der die Route und Durchführung sehr professionell im Griff hatte. Die Vorbereitung durch den Veranstalter „bikealpin“ war bestens, die Unterbringung erfolgte bis auf eine Ausnahme in 3-4 Sterne Hotels. An keinem der Häuser gab es etwas zu beanstanden. Der Tagesablauf war genau geplant, Pünktlichkeit war in der Truppe selbstverständlich. Man nahm die drei Mahlzeiten gemeinsam ein, das Essen war sehr auf die anstrengende Tour abgestellt (Kalorien). Zwischendurch half auch schon mal ein Riegel oder  anderes Kraftfutter. Ich habe „Blut geleckt“ und werde wohl nächstes Jahr, mit einer anderen Strecke, dabei sein. Wobei ich mich dann noch etwas anders vorbereiten (mehr Höhenmeter fahren) und früher anreisen werde, um schon mal an die Bergluft zu gewöhnt zu sein.

Autor: Wolfgang Koninski
Fotos: Wolfgang Koninski

 

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