Radthemen in den Medien

Die Sendung WDR WESTPOL begleitet ADFC-Vorstandsmitglied Michael Kleine-Möllhoff auf dem Weg zur Arbeit

08.05.12
Kategorie: Aktuelles, Rad in den Medien

Das Elektrofahrrad bietet viele Vorteile: Es ist schnell, sauber und verlangt dem Radler nicht so viel Kraft ab. Und in Zeiten hoher Spritpreise sind sie eine echte Alternative zum Auto. In den Niederlanden boomt der Fahrradpendlerverkehr. Dagegen fehlt es NRW noch an der Infrastruktur.

Sieben Uhr: Michael Kleine-Möllhoff steigt auf sein Elektrofahrrad. Das sogenannte E-Bike ist bis zu 45 Kilometer schnell und führerscheinfrei. Damit radelt der 49-Jährige fast jeden Tag zur Arbeit – von Duisburg nach Essen. Das sind rund 20 Kilometer. Anstrengend ist es nicht. Er erklärt: "Durch die Elektrounterstützung ist das einfach ein gemütliches Radeln und es macht Spaß, wenn man die Unterstützung hat und das locker vor sich hin rollen lassen kann."

Viele rote Ampeln halten auf
Die ersten Kilometer auf seinem Weg zur Arbeit laufen ganz gut. Doch es könnte mit seinem 2.500 Euro teuren E-Bike noch viel schneller gehen – wenn er freie Fahrt auf gut ausgebauten Wegen hätte. In Richtung Essen muss er viele Umwege fahren und mitten durch die Innenstadt von Mülheim an der Ruhr. "Es ist schon sehr nervig, weil hier sehr viele rote Ampeln sind und der
Verkehr auch sehr eng ist, die Straßen sind eng, viel Busverkehr", berichtet Kleine-Möllhoff. Dabei könnte es durch Mülheim viel einfacher gehen – auf einer geraden und sicheren Strecke: "Die Idealstrecke ist eine Eisenbahntrasse, die genau durch die Mülheimer Innenstadt geht und die eigentlich ausgebaut werden soll. Da wäre das toll, wenn ich da fahren kann – da freue ich mich schon drauf."

Vorbild Region Twente
In Holland ist seine Wunschvorstellung zwischen Enschede und Hengelo längst realisiert. Eine Fahrradautobahn, die immer geradeaus geht, keine Kreuzung hat, vier bis fünf Meter breit ist und eine Spur in jede Fahrtrichtung besitzt. Schon heute radelt jeder dritte Holländer zur Arbeit, in Deutschland ist es gerade mal jeder Zehnte. Laurens van der Velde, Sprecher der Region Twente, ist überzeugt: "Gute Infrastruktur hilft dabei. Wenn die Geschwindigkeit höher ist, dann kann man in kurzer Zeit zur Arbeit fahren. Das ist ein richtiger Vorteil."

Niederlande investieren 100 Mio Euro in Radautobahnen
Gerade auf Kurzstrecken bis zu 20 Kilometer ist das Rad eine echte Alternative. Die Region Twente will den Autoverkehr mithilfe der Radschnellwege um fünf Prozent reduzieren. Deshalb investieren die Niederlande in den nächsten Jahren weitere 100 Millionen Euro in Radautobahnen. Und die Holländer selbst sparen Geld – und auch Zeit. Eine Pendlerin berichtet: "Das Benzin ist sehr teuer und zu der Uhrzeit, zu der ich anfange zu arbeiten, ist der Parkplatz immer sehr voll. Da ist es schön, mit dem Fahrrad zu kommen." Ein Radfahrer ergänzt: "Wenn man mit dem Auto fährt, dann ist der Motor gerade warm, wenn man im Büro angekommen ist. Dann verbraucht man viel Benzin und es ist teuer, aber mit dem Fahrrad ist es kein Problem."

"Ein Radverkehrsanteil von 30 Prozent ist möglich"
Michael Kleine-Möllhoff ist überzeugt, dass auch hier viel mehr Menschen auf ein E-Bike umsteigen würden, wenn es, so wie hier, mehr gut ausgebaute Radwege geben würde. Eine Akkuladung hält übrigens rund 80 Kilometer - das reicht locker für seinen Weg zur Arbeit und auch wieder zurück. In
Nordrhein-Westfalen gibt es konkrete Planungen: Zwischen Duisburg und Hamm soll der Radschnellweg Ruhr entstehen. Verkehrsexperten sind sicher, dass mit einer Radautobahn mehr Menschen aufs Rad umsteigen. Das bestätigt auch Verkehrswissenschaftler Heiner Monheim: "Ein Radverkehrsanteil von 30 Prozent ist möglich – das wäre dreimal mehr als heute und dann kriegen sie schnell eine Halbierung des Autoverkehrs hin. Raus aus dem Stau geht nur damit."

Radschnellweg Ruhr könnte 110 Millionen Euro kosten
Der Radschnellweg Ruhr soll die Autobahnen entlasten. Die geplante Radautobahn kostet viel Geld. Den Löwenanteil müsste Dortmund tragen. Deshalb ist der Oberbürgermeister zurückhaltend. Oberbürgermeister Ulrich Sierau (SPD): "Ob es an Dortmund scheitert, wird man sehen. Aber zumindest sind jetzt Zahlen genannt worden. Das Gesamtprojekt könnte 110 Millionen Euro kosten. Und das bedeutet für Dortmund nach dieser Kalkulation, dass das ungefähr 37 Millionen Euro sind – und da muss man schon nach dem Verkehrswert dieser Autobahn fragen." 

"Umsteigen, wenn Infrastruktur existiert"
Für den Regionalverband Ruhr (RVR) stellt sich diese Frage nicht. RVR-Bereichsleiter Martin Tönnes schätzt, dass rund zwei Millionen Radler täglich die Radautobahn nutzen würden. Deshalb will der Regionalverband auch gegen Widerstände am Radschnellweg festhalten. "Wir glauben einfach,
dass die Menschen auf das Fahrrad umsteigen, wenn eben eine solche Infrastruktur existiert", so Tönnes. Diese müsse ausreichend breit sein, nachts beleuchtet und auch im Winter über einen Schneedienst verfügen.
Inzwischen hat Michael Kleine-Möllhoff nur noch wenige Meter bis zu seinem Arbeitsplatz in der Essener City. Er hofft, dass der Radschnellweg bis 2020 kommt – und er bis dahin auch seine Kollegen für das Elektrofahrrad begeistern kann.

Den vollständigen Artikel zur Sendung (6. Mai 19:30 - 20:00 Uhr) und den Beitrag als Video-Stream gibt es auf der WDR-Website .

 


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