Radthemen in den Medien

ADFC Düsseldorf und ADFC Köln fordern mehr Engagement fürs Rad

27.03.20
Kategorie: Aktuelles, Presse, Verkehr, Rad in den Medien, Kreisverbände

Foto: ADFC/ Gerhard Westrich


Während in Berlin ein Pilotprojekt für temporäre Radfahrstreifen während der Corona-Krise gestartet ist, fehlt in Düsseldorf und anderen NRW-Städten der Mut, dem Fahrrad weitere Priorität einzuräumen.

Deutlich stellt sich der Düsseldorfer Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) gegen die seit kurzem erfolgte Freigabe der Umweltspur für den Autoverkehr auf der Prinz-Georg-Straße. "Das ist falsch und kontraproduktiv", so Lerke Tyra, stellvertretende ADFC-Vorsitzende. "Auch und gerade in Corona-Zeiten gilt: Mehr Platz fürs Rad schafft mehr Mobilität! Besonders jetzt merken wir, wie sehr wir auf das Fahrrad angewiesen sind. Durch mehr Radverkehr können wir U-Bahn, Straßenbahnen und Busse durch weniger Menschen entlasten und damit helfen, das Ansteckungsrisiko zu verringern." Unverständlich ist für den ADFC, dass seitens der Stadt dem Radverkehr jetzt wieder Platz genommen wird.

"Wir wünschen uns genau das Gegenteil: Einen schnellen und kreativen Ausbau zugunsten des Radverkehrs", so Lerke Tyra. "Angesichts des durch Schließungen öffentlicher Einrichtungen, Büros und vieler Geschäfte verursachten geringeren Autoverkehrs könnten zahlreiche derzeit vierspurigen Straßen mit breiten und geschützten Radspuren ausgestattet werden. Die kolumbianische Hauptstadt Bogotá beispielsweise widmet hunderte Kilometer Autospuren in temporäre Radspuren um und schafft dadurch attraktive Räume zum Radfahren." Der ADFC appelliert an die Landeshauptstadt, jetzt kreativ zu werden und den Menschen den Umstieg auf das Rad zu erleichtern. Lerke Tyra: „Viele, die jetzt vielleicht zum ersten Mal auf das Rad umsteigen, merken, dass man gerade jetzt auch in Düsseldorf entspannter fahren kann. Wir wünschen uns, dass nach der Corona-Welle die Bedeutung des Radverkehrs für ein krisenfestes Verkehrssystem noch einmal neu diskutiert wird - und der notwendige Ausbau der Radwegenetze endlich mit dem nötigen Druck vorangetrieben wird!“

Kontakt ADFC Düsseldorf: Lerke Tyra, stellvertretende Vorsitzende, lerke.tyra(at)adfc-duesseldorf.de

Auch der ADFC Köln formuliert klare Forderungen an die Politik angesichts der Corona-Krise

• Stadtweite Anordnung von Tempo 30
• Ampeln auf Rad- und Fußverkehr einstellen
• Temporäre Umwidmung von Fahrspuren als Radfahrstreifen
• Kostenfreie Leihräder als ÖPNV-Alternative

Durch die Corona-Pandemie habe sich auch die Mobilität in Köln verändert.  „Die Stadt muss jetzt schnell reagieren und den Menschen, die zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs sind, mehr Platz einräumen, damit sich alle mit ausreichendem Abstand bewegen und begegnen können“, sagt Christoph Schmidt, Vorsitzender des ADFC Köln.

Auf vielem wichtigen Strecken sei es kaum möglich, dass sich Radfahrende und zu Fuß Gehende mit dem vorgeschriebenen Abstand von 1,5m begegnen. Das würde auf große Teile der Ringe zutreffen, auf die Ost-West-Achse vom Deutzer Bahnhof über die Deutzer Brücke bis zum Grüngürtel und auf das Rheinufer.
Auf den mehrspurigen Achsen könnten physisch abgesicherte Pop-up Bike Lanes installiert werden, so dass der Radverkehr statt auf schmalen Radwegen in unmittelbarer Nähe zum Fußverkehr sicher auf der Fahrbahn abgewickelt werden kann. Dies wird gerade unter anderem in Berlin und Hamburg auf einigen Strecken umgesetzt.

Die in Köln angebotenen Leihradsysteme von Nextbike (KVB-Rad) und Call-a-Bike (FordPass-Bike) sollten wie im Ruhrgebiet und vielen anderen Städten während der Corona-Krise jeweils 30 min. pro Fahrt kostenfrei angeboten werden, damit Kölnerinnen und Kölner eine Alternative zum ÖPNV haben. Ebenso können die Leihräder als Ersatz für ausgefallene Privaträder dienen. „Diese Maßnahmen sind geeignet, die Einhaltung der Abstandsregeln zum Schutz vor Infektionen zu unterstützen, sowie ein klimagerechtes Mobilitätsverhalten und die Verkehrssicherheit zu fördern. Andere Städte machen es vor – Köln kann das auch.“ Christian Hölzel, Vorstand Radverkehr beim ADFC Köln

Kontakt ADFC Köln: Christoph Schmidt, Vorsitzender christoph.schmidt(at) adfc-koeln.de

Berlin probiert neue geschützte Radfahrstreifen aus
In Berlin sieht die Sache ganz anders aus, dort ist man bereits einen Schritt weiter: Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg haben erste konkrete Schritte zur vorübergehenden Einrichtung von Radfahrstreifen während der Pandemie-Krise unternommen.
Das Projekt wird mit zwei Pilotvorhaben starten. Damit soll an zwei stark frequentierten Routen die Kapazität der Radverkehrsanlagen erhöht werden. Positive Aspekte der Verkehrssicherheit im Straßenverkehr lassen sich so mit einer Unterstützung der geltenden Infektionsschutzauflagen verbinden.

Die beiden Pilotvorhaben sind: Radfahrstreifen am Halleschen Ufer vom Halleschen Tor bis Köthener Straße / Mendelssohn-Bartholdy-Park UND eine erweiterte Aufstellfläche auf der Fahrbahn für Radfahrende an der besonders frequentierten Kreuzung der Zossener Straße / Ecke Gitschiner Straße

In der Begründung heißt es: Mit dem Rad zu fahren, ist gerade in der Corona-Krise gut, um Ansteckungsrisiken zu vermeiden, zwingend nötige Wege zurückzulegen und sich an der frischen Luft sportlich zu betätigen. Damit tragen die Maßnahmen auch dazu bei, den öffentlichen Personennahverkehr zu entlasten und in S- und U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen das Abstandsgebot leichter einzuhalten.

Einzelheiten zur Umsetzung vor Ort werden nun von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg geklärt. Weitere Informationen

Bei allgemeinen Rückfragen wenden Sie bitte an die Pressestelle des ADFC NRW.


© 2020 ADFC NRW e. V.