Pressemitteilung

Nationaler Radtourismus-Kongress von ADFC und Ruhr Tourismus

28.10.19
Kategorie: Tourismus, Presse

Quelle: Ruhr Tourismus


Am 23. und 24. Oktober 2019 fand in Duisburg der 1. Nationale Radtourismus-Kongress statt. Ziel war unter anderem die Potenziale des touristischen Radfahrens für die Verkehrswende herauszuarbeiten und weiter zu stärken.

Am 23. und 24. Oktober 2019 fand der 1. Nationale Radtourismus-Kongress im Landschaftspark Duisburg-Nord statt. Mit 150 Teilnehmern war der vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club) und der Ruhr Tourismus GmbH (RTG) organisierte Kongress ein voller Erfolg. „Für die Ausrichtung des 1. Nationalen Radtourismus-Kongresses war das Ruhrgebiet unsere erste Wahl, denn die Region ist mittlerweile eine der beliebtesten Radreiseregionen Deutschlands“, erklärte Frank Hofmann, stellvertretender Bundesvorsitzender des ADFC. „Wir freuen uns, dass wir durch die Zusammenarbeit mit Ruhr Tourismus gemeinsam eine ganz neue und wichtige Plattform für ein Fachpublikum schaffen konnten.“

Damit Deutschland seine Führungsrolle als Radreise-Nation ausbauen kann, fordert der ADFC auf dem 1. Nationale Radtourismus-Kongress in Duisburg eine nationale Entwicklungsagentur für das „Radnetz Deutschland“ beim Bundesverkehrsministerium. Frank Hofmann, Mitglied des ADFC-Bundesvorstands, sagte: „Wenn man mit dem Auto quer durch Deutschland fährt, orientiert man sich überall an einheitlichen Schildern. Beim Radfahren ist das anders – mal muss man ganz ohne Fahrrad-Wegweisung klar kommen, mal wechselt von Region zu Region das System. Das frustriert. Und auch die Qualität der Radfernwege variiert stark, um es vorsichtig auszudrücken. Wenn Deutschland richtig attraktiv für Radreisende werden will, brauchen wir einheitliche Standards für das touristische Radnetz Deutschland. Das kann nur eine Koordinierungsstelle auf Bundesebene anschieben – dafür wünschen wir uns einen Impuls des Bundesverkehrsministeriums. Schweiz, Frankreich und die Niederlande machen vor, dass es geht!“  

Föderale Strukturen hemmen den Erfolg

Bisher sind die Zuständigkeiten für den Radtourismus sowie für Bau und Unterhalt der Infrastruktur in jedem Bundesland anders geregelt. Es gibt eine schwer zu durchschauende Vielfalt an Fördermittelrichtlinien, Verantwortungen und Regelwerken beispielsweise für die Wegweisung. Die Entwicklung nationaler Radrouten werde dadurch erheblich gehemmt. Hofmann: „Die Vision eines Radnetzes Deutschland gibt es schon lange – nur wurde sie bisher nicht konsequent umgesetzt. Über Modellprojekte ging der Ehrgeiz nie hinaus, Zuständigkeiten und Verantwortung wurden von A nach B geschoben. Das kann nur ein engagiertes Bundesverkehrsministerium in Abstimmung mit dem Bundeswirtschaftsministerium ändern – und wir haben große Hoffnung, dass Minister Scheuer diese Chance erkannt hat.“

Premiumrouten auch für Pendler hochinteressant
Der ADFC betonte, dass Investitionen in das touristische Radnetz Deutschland zugleich den Alltagsradverkehr voran bringen können. So ist von den städtischen Abschnitten des Radwegs Berlin-Kopenhagen bekannt, dass dort bis zu 75 Prozent Alltagsradfahrende, also Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zur Uni oder zum Einkauf unterwegs sind. Hofmann: „Wenn für das Fahrrad in einigen Jahren ähnlich attraktive Wegesysteme wie für das Auto zur Verfügung stehen, dann werden die Menschen gerne umsteigen und das Auto auch mal im Alltag stehen lassen. Wichtig ist, dass der Ausbau der Radinfrastruktur jetzt schnell geht. Denn die Probleme durch den rasant zunehmenden Autoverkehr sind unübersehbar.“

Hintergrund zum „Radnetz Deutschland“
Bis in die 1990er Jahre war der Radtourismus in Deutschland ein unterschätzter Tourismuszweig mit unkoordinierten Einzelangeboten. Vor diesem Hintergrund entwickelten ADFC, Deutscher Tourismusverband DTV und regionale Akteure die Forderung nach einem D-Routen-Netz. Bestehende Radfernwege, wie Elberadweg, Nordseeküsten-Radweg etc. sollten zu 12 deutschlandweiten Routen verbunden und eine Koordination über Ländergrenzen hinweg geschaffen werden. Diese zentralen radtouristischen Achsen sollten zu Premiumprodukten mit einheitlicher Wegweisung und hochwertiger Infrastruktur entwickelt werden. Das D-Netz wurde in den 2000er Jahren in „Radnetz Deutschland“ umbenannt. Einige Routen wurden mit dem D-Routen-Logo beschildert und entsprechend vermarktet. Eine systematische Bestandsaufnahme zur Qualitätsoptimierung hat aber bisher nicht stattgefunden, der Umsetzungsstand der Beschilderung ist nicht bekannt. Die bundesweit systematische Umsetzung des Radnetzes Deutschland ist nach wie vor offen. Eine vorläufige Infowebsite gibt es auf Radnetz Deutschland.

Hintergrund: Radtourismus boomt
Radurlaub in Deutschland wird immer beliebter, er wächst zweistellig – nicht erst durch den „Greta-Effekt“, sondern bereits seit vielen Jahren. 11 Prozent der Bundesbürger haben in den letzten drei Jahren mindestens eine Radreise unternommen. 5,5 Millionen Radreisende waren 2018 in Deutschland unterwegs. Zum Erfolg maßgeblich beigetragen haben die Qualitätssiegel und Publikationen des ADFC (ADFC-Qualitätsradroute, ADFC-RadReiseRegion, Bett+Bike, ADFC-Radreiseanalyse, Deutschland per Rad entdecken). Hofmann: Das fehlende nationale Radnetz ist die einzige Bremse, die wir jetzt noch lösen müssen.“


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