Universitätsklinikum Bonn ist „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“

07.12.19
Kategorie: Aktuelles

Mit dem Rad zur Arbeit: 2766 Arbeitnehmer aus 402 Unternehmen – Plädoyer für die Seilbahn in Bonn

Mit einem Paukenschlag ist die Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ zu Ende gegangen: Der diesjährige Schirmherr, das Universitätsklinikum Bonn, wurde vom Bundes-ADFC als „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ zertifiziert. Zum ersten Mal erreichte ein Arbeitgeber in NRW die Auszeichnung in Gold, die der ADFC auf der Abschlussveranstaltung der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ am Mittwoch vergab.

Zugleich stellte die Klinik die meisten Teilnehmer der Aktion „Mit dem Rad zur Arbeit“ in diesem Jahr. 2766 Arbeitnehmer aus 402 Unternehmen nahmen in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis aktiv an der Kampagne teil und legten als Pendler 1.257.048 Kilometer mit dem Rad zurück. 1978 Teilnehmer zählten die teilnehmenden Unternehmen in Bonn, 798 im Kreisgebiet. Das Kampagnenziel, an mindestens 20 Tagen den Weg zur Arbeit und zurück mit dem Rad zu absolvieren, schafften 1755 Beschäftigte in der Region. Das waren allerdings 489 weniger als 2018. Damit kamen dennoch mit Abstand die meisten Teilnehmer im Rheinland aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis: knapp ein Viertel der 5882 Beschäftigten im Rheinland, die wenigstens 20 Tage schafften. „Seit dem Start der Aktion liegt unsere Region mit den Teilnehmerzahlen immer an der Spitze“, sagte Maria Steels, Regionaldirektorin der AOK Rheinland/Hamburg für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis.

Sie betonte, dass die Pendler nicht nur der Umwelt und der Lebensqualität etwas Gutes tun, sondern auch sich selbst. „Jeder der sich regelmäßig 20 bis 30 Minuten bewegt und dazu den Weg zur Arbeit nutzt, betreibt kostenlose Gesundheitsvorsorge und baut gleichzeitig Stress ab. Deshalb möchte ich alle aufrufen, die dieses Jahr mitgemacht haben: Bleiben Sie dabei und werben Sie 2020 auch bei den Kolleginnen und Kollegen für die Aktion.“ Die meisten erfolgreichen Teilnehmer stellte 2019 ausgerechnet das Universitätsklinikum Bonn, das in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die Aktion übernommen hatte. 112 Beschäftigte fuhren mindestens 20 Mal mit dem Rad zum Klinikum, obwohl es mit der Lage auf dem Venusberg deutlich schwierigere Voraussetzungen bietet als bei Arbeitgebern im Tal. Weitere 38 Mitarbeiter fuhren ebenfalls mit dem Rad, schafften aber nicht die 20 Tage. Insgesamt legten die Beschäftigten 86.776 Kilometer mit dem Rad zurück.

„Die Uniklinik zeigt, dass es sogar bei einer Lage mit Steigungen möglich ist, viele Beschäftigte zu bewegen, das Auto mit dem Fahrrad zu tauschen“, sagte ADFC-Vorstandsmitglied Gabriele Heix. „15,6 % der 8000 Beschäftigten auf dem Venusberg und der 2500 Studierenden kommen mit dem Rad, der Durchschnitt bei Unternehmen in Bonn liegt bei nur 12 %.“Und wie hat das Uniklinikum diese hohe Fahrradquote erreicht? Auf dem Klinikgelände gibt es rund 250 Diensträder. Hinzu kommen zehn Pedelecs, die sich Beschäftigte für zwei Wochen ausleihen können, um zu testen, ob die Fahrt zur Arbeit mit Pedelec gut machbar ist.

Wer sich dann zum Kauf eines Elektrorades entschließt, kann über das UKB bis zu 2400 Euro des Kaufpreises zinsfrei finanzieren. Die Pedelecs dürfen zudem am Arbeitsplatz geladen werden. Zudem gibt es eine große Fahrradwerkstatt auf dem Klinikgelände, die nicht nur die Diensträder wartet, sondern auch dringende Reparaturen an Rädern der Beschäftigten durchführt. Zudem stellt das UKB Fahrradanhänger und Handkarren sowie Lastenräder zur Verfügung. Selbstverständlich stehen auf dem Klinikgelände genügend Möglichkeiten zur Verfügung, um sich nach der Fahrt zur Arbeit umzuziehen und frischzumachen. Zugleich hat die Uniklinik 1300 sichere Abstellmöglichkeiten geschaffen, die fast alle ebenerdig, barrierefrei, beleuchtet und überdacht sind. Das UKB wirbt offensiv für das Radfahren, nimmt am Leihradsystem der Stadt Bonn teil und kümmert sich auch um eine gute Fahrradinfrastruktur auf den Zufahrtswegen. Bislang fast unbekannt: Auch auf dem Klinikgelände spielt das Fahrrad eine große Rolle. So gibt es einen Fahrradkurierdienst mit sieben Fahrern pro Schicht, der nach Fahrplan zwischen den einzelnen Labors, Instituten und Kliniken verkehrt, um zum Beispiel Blut- und Gewebeproben zu transportieren. Das UKB hat allein drei Mitarbeiter, die sich um das Fahrrad- und Mobilitätsmanagement kümmern. Es gibt ein Jobradprogramm und eine intensive Zusammenarbeit mit dem ADFC Bonn/Rhein-Sieg, um die Erreichbarkeit des Klinikums für Radfahrer zu verbessern. Dazu gehört auch eine vorgeschlagene Beschilderung von weniger steilen und deshalb leichter zu befahrenen Nebenstrecken.

Zudem hat das UKB eine App programmieren lassen, über die sich Besucher, Beschäftigte, Studenten und Lieferanten orientieren können, wie sie vom Startpunkt aus per Auto, aber auch per Fahrrad und zu Fuß am besten zum Ziel auf dem Klinikgelände kommen. Andreas K. Bittner, der das Klinikum im Auftrag des ADFC zertifiziert hat, war voll des Lobes für die Anstrengungen der Universitätsklinik. „Wir haben überzeugende Lösungen der Fahrradförderung an der Schnittstelle von Mobilitäts- und Campusmanagement kennengelernt. Die Verantwortlichen haben ein hohes Problembewusstsein entwickelt und stellen sich dem kritischen Dialog mit der Stadtgesellschaft in Bonn“, so Bittner.

Bislang hat kein Unternehmen und keine Behörde in Nordrhein-Westfalen so gut abgeschnitten wie das UKB. „Der ADFC als langjähriger Partner freut sich über das erste Zertifikat in Gold in NRW – und eine weitere konstruktiv-nachhaltige Zusammenarbeit in Zeiten der Klimakrise.“„Wir freuen uns sehr über diese Zertifizierung des ADFC mit dem Gold-Status als Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“, sagte Prof. Wolfgang Holzgreve, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender am UKB anlässlich der Verleihung. „Der Vorstand des Universitätsklinikums Bonn hat in den letzten Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, um das Fahrrad für die Beschäftigten attraktiv zu machen. Diese Anstrengungen zeigen jetzt den gewünschten Erfolg.

Trotz dieses Erfolges müssen wir uns weiterhin für Verbesserungen bei der Erreichbarkeit des UKB stark machen, beispielsweise durch die Seilbahn, denn das brauchen unsere über 8000 Mitarbeiter, unsere über 400.000 Patienten pro Jahr und die sehr vielen Besucher." Auch der ADFC unterstützt als ein Initiator der Seilbahn-Idee die Pläne, das Universitätsklinikum per Seilbahn mit den Bus- und Bahnstrecken im Tal zu verbinden. „Da es eine Fahrradmitnahme in der Seilbahn geben soll, ist damit zu rechnen, dass viele Pendler und Besucher, denen aktuell eine Radfahrt auf den Venusberg zu beschwerlich ist, dann umsteigen und die Anschlussfahrten in Bonn und auf dem Venusberg mit dem Rad zurücklegen“, so Heix.

Dass man prima mit dem Rad zur Arbeit fahren kann, zeigten nicht nur die Teilnehmer des UKB. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GIZ stellte 97 Teilnehmer, die im Sommer an mindestens 20 Tagen zur Arbeit gefahren sind, gefolgt vom Bundesinstitut für Berufsbildung (88), dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD (70), der Universität Bonn (57) und der BaFin (41). Das Unternehmen mit den meisten Teilnehmern war der Aluminiumhersteller Hydro Aluminium im Bonner Norden mit 26 Beschäftigten, gefolgt von der Deutschen Telekom (18) und Kautex Textron in Beuel. Die meisten Kilometer absolvierte in diesem Sommer ein Mitarbeiter der Bonner Hardthöhe, der an 102 Tagen zur Arbeit radelte und dabei 3660 Kilometer absolvierte. Auf 3400 Kilometer kam ein Mitarbeiter von Haribo, der täglich rund 40 Kilometer zur Arbeit und wieder zurückfuhr.

In der Teamwertung gewann die vierköpfige Mannschaft des Hennefer IT-System- und Beratungshauses CONET. Die Kollegen fuhren insgesamt 8578 Kilometer mit dem Rad. Dahinter folgen die „Kilometerfresser Sankt Augustin“, bestehend aus drei Mitarbeitern der Kommission Arbeitsschutz und Normung sowie einem Kollegen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, beide in Sankt Augustin. Das Team kam auf 5576 Kilometer. Verlost wurden unter allen Teams und Einzelteilnehmern insgesamt 14 Einzelpreise und 34 Teampreise. Der Hauptpreis ist eine Balonfahrt für vier Personen über der Region.

So gesund ist Radfahren

Arbeitnehmer, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen, sind durchschnittlich zwei Tage pro Jahr weniger krank als solche, die das Auto oder den Personennahverkehr wählen. Das haben wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Auch auf den Body-Mass-Index (BMI) wirkt sich der aktive Arbeitsweg positiv aus: Ganzjahres-Radler haben einen durchschnittlichen BMI von 24, Autofahrer dagegen liegen bei 26. Forscher haben außerdem gezeigt, dass bei
Ganzjahresradlern das Wohlbefinden am höchsten ist – sie haben einen „Well-Being-Score“ von 61 im Vergleich zu 55 bei den Autofahrern und 52 bei den Bus- und Bahn-Nutzern.

Weitere Informationen zur Aktion gibt es unter www.mit-dem-rad-zur-arbeit.de

 

 

 


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