Trauriger Rekord für NRW: Neun getötete Radfahrer bei Abbiege-Unfällen mit LKW

15.08.18
Kategorie: Aktuelles, Presse

ADFC/Jens Lehmkühler


Schon jetzt mehr - durch LKW-Abbiegeunfälle - getötete Radfahrer in NRW als im Vorjahr. Zum Vergleich: 2017 kamen im gesamten Jahr acht Menschen bei solchen Unfällen ums Leben.


PRESSEMITTEILUNG       

Düsseldorf, den 15. August 2018
10/18

In 2018 verzeichnet NRW bereits neun Radverkehrstote (Dortmund, Emsdetten, Köln, Lünen, Köln, Wesel, Köln, Datteln, Dortmund) durch rechtsabbiegende LKW. Zum Vergleich: 2017 kamen im gesamten Jahr acht Menschen bei solchen Unfällen ums Leben.

Das neunte Todesopfer bei LKW-Abbiegeunfällen in NRW ist ein 85-jähriger Mann aus Dortmund, der am 12.08.2018 an den Folgen eines Tote-Winkel-Unfalls mit einem Lastwagen gestorben ist. Der Fahrradfahrer fuhr von einem Radfahrstreifen in eine Kreuzung ein und wurde von einem rechts abbiegenden LKW-Fahrer erfasst.

Bis zu 60 Prozent der LKW-Abbiege-Unfälle könnten verhindert werden

Die Zahl der durch abbiegende LKW getöteten Radfahrer steigt seit einigen Jahren stetig an. In 2018 wurden bundesweit 26 Radfahrende durch abbiegende LKW getötet - im Vorjahr waren es insgesamt 33 Tote. Sowohl der Radverkehr als auch der Straßengüterverkehr in den Städten nehmen stetig zu. Laut Unfallforschung der Versicherer (UDV) könnten durch Warnsysteme bis zu 60 Prozent der schweren Unfälle durch abbiegende LKW verhindert werden. Die Technologie kommt nicht nur den Radfahrern zugute. Sie hilft den Lastwagenfahrern, die Gefahrenlage einzuschätzen.

Das System überwacht mittels Sensoren die Bereiche vor und neben dem Lkw und warnt den LKW-Fahrer, wenn beim Anfahren oder während des Abbiegevorgangs sich ein Fußgänger oder ein Radfahrer dem LKW nähert und die Gefahr einer Kollision besteht. „EU-Kommission und Bundesrat wollen Abbiegeassistenten bei LKW künftig verpflichtend machen. Doch Entscheidungen auf EU-Ebene sind langwierig. Bis zum Jahr 2022 können die Menschen in unseren Städten nicht warten.“ sagt Thomas Semmelmann, Vorsitzender des ADFC Nordrhein-Westfalen.

ADFC NRW fordert Landesmittel zur Nachrüstung der kommunalen LKW
Während einige NRW-Spediteure und Logistikunternehmen bereits freiwillig auf die neue Technik umsatteln, sieht die Situation in den Kommunen anders aus. „Wir fordern, die freiwillige Ausstattung und Nachrüstung der kommunalen Flotten – insbesondere für städtische Entsorgungs- und Baustellenfahrzeuge“ so Thomas Semmelmann, Vorsitzender des ADFC Nordrhein-Westfalen. „LKW-Warnsysteme kosten je nach Ausstattung zweieinhalb Tausend Euro. Viele Kommunen stehen unter Spar-Zwang und brauchen dringend Unterstützung von der Landesregierung. Jeder Tote-Winkel-Unfall ist einer zu viel“, sagt Semmelmann weiter.

Sichere Gestaltung der Radverkehrsinfrastruktur notwendig 

„Wir begrüßen die Initiativen auf Bundesebene, die Ausrüstung von LKWs mit Abbiege-Assistenten zu befördern. Doch das Problem ist komplexer! Um die Vision Zero, also das Ziel von Null Verkehrstoten zu erreichen, muss die Radverkehrs-Infrastruktur dringend grundlegend verbessert werden. Der Radverkehr braucht in erster Linie mehr Platz. An Hauptverkehrsachsen müssen breite Radspuren mit physischen Barrieren vom Auto- und Schwerlastverkehr abgetrennt werden. Verbesserte Sichtbeziehungen, Verkehrsberuhigung sowie getrennte Ampelphasen für Abbieger und Geradeausfahrer erhöhen die Sicherheit ebenfalls.

Weitere Informationen:
Die Empfehlungen der Unfallforschung der Versicherer zum LKW-Abbiegeassistenten gibt es bei der UDV.
 

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